10 Jahre Panik und nichts gelernt
publiziert: Freitag, 9. Sep 2011 / 12:00 Uhr / aktualisiert: Montag, 12. Sep 2011 / 08:54 Uhr
Absturz in globale Panik: 11. September 2001
Absturz in globale Panik: 11. September 2001

Jubiläen sind immer gut dazu, alten Kram wieder hervor zu holen, Menschen nochmals ihre Erlebnisse erzählen zu lassen und das Fernsehprogramm mit Dokumentationen voll zu stopfen. Je grösser das Ereignis und je runder das Jubiläum, desto besser.

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Erst wenn der letzte zu Interviewende das Zeitliche gesegnet und das letzte Archivbild geplündert ist, setzt das mediale Vergessen ein - Beispiel: Erster Weltkrieg - und so können wir sicher sein, dass 9/11 noch lange mit uns sein wird.

Während wir nun also von 9/11-Material nur so geflutet werden, die Verschwörungstheoretiker ihren Müllhaufen nochmals ausbreiten, Augenzeugen ihr Trauma nochmals vor der Öffentlichkeit präsentieren und Politiker mit diesen aufgefrischten Erinnerungen nochmals politisches Kleingeld scheffeln können, bleiben gewisse Aspekte immer noch weitgehend aussen vor.

Zum Beispiel, dass uns dieser Anschlag eigentlich die Schwächen unserer Gesellschaft vorgeführt hat. Dabei ist nicht von den Sicherheitsmängeln und solchen Dingen die Rede, sondern von der Meta-Reaktion und den daraus resultierenden Folgen eines solchen Schock-Ereignisses.

Objektiv gesehen war der Anschlag vor allem ein Propaganda-Erfolg. Die knapp dreitausend Todesopfer waren natürlich - jedes für sich - ein Drama, das unzählige Menschen in tiefste Trauer gestürzt, Familien zerrissen und Gemeinschaften erschüttert hat. Doch es starben auf den Strassen der USA damals jeden Monat mehr Leute als bei allen Anschlägen jenes Tages zusammen.

Auch die Sachschäden waren durchaus im bewältigbaren Rahmen. Zwei grosse Hurrikane und bereits ist mehr kaputt als damals in Downtown Manhattan und die längst fälligen Erdbeben in Kalifornien werden die Schadensumme von 9/11 zwergenhaft erscheinen lassen.

Doch wenn nicht das quantitative «Was» die Folgen erklären kann, was machte denn diese Katastrophe aus? Die westliche Welt sah am Vorabend des 11. September 2001 eigentlich erschütternd langweilig aus. Die Dot-Com-Blase war zwar geplatzt, aber es lief wieder alles in geordneten Bahnen, alles war mehr oder weniger gut.

Dann kamen die Anschläge und die unmittelbare, die sogar unerträgliche Nähe zu diesen. Der Schock kam nämlich nicht nur daher, dass viele Leute einen schrecklichen Tod sterben mussten, sondern dass sie dies an einem der best-vernetzten Orte taten, in einer Stadt, in der jederzeit tausend Kameras klicken. Man konnte die Katastrophe live miterleben und danach in unzähligen, wirklich unzähligen Wiederholungen. Die Notrufe der eingeschlossenen Opfer, die Bilder der aus den Türmen springenden Menschen. Es war Verzweiflung und Angst, wie sie immer wieder auf dieser Welt vorkommt. Doch meist weit von Aufnahmegeräten entfernt und ohne Handys, über die sich die Verzweifelten von der Welt verabschieden können. Oder eben alleine und nicht mit 2000 anderen zusammen in den gleichen Häusern.

Wir Menschen werden durch Emotionen zu Handlungen gebracht und dieser Overload des Schreckens, auf den wir tagelang wie hypnotisiert starrten, traumatisierte uns. Und auch jene, die in der Politik waren. Die Emotionen lähmten die Gesellschaft und führten kurz darauf zu Fehl- und Überreaktionen. Es ist mithin genau dies, was Terror erreichen will.

Unsere eigentlich auf Tatsachen und Fakten basierende westliche Zivilisation verliess damals den Boden der Realität. Wir verfielen der Panik und der Triumph von Bin Laden war nicht zuletzt der, dass viele Nationen - allen voran die USA - genau so reagierten, wie dies ein Terrorist erwartete: Wut, Aktionismus, Rache und ein Einschränken der Bürgerrechte waren die Folgen.

Zudem ist ein Grossteil der gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme auch Folge des Aktionismus, der den Anschlägen folgte: Nicht zuletzt das viel zu billige Geld, das als Schock-Dämpfer verabreicht wurde, um eine Rezession zu vermeiden, löste diese am Ende aus.

Die grosse Schwäche war definitiv: Es gab keinen Plan. Obwohl Anschläge angekündet waren, insgeheim erwartet wurden, es existierte keine Planung, keine Ahnung. So wurde denn blind darauf los geschlagen, getrieben von Emotionen und wie ein von einer Wespe gestochener Elefant tobte die USA los, statt souverän zu bleiben. Mit verheerenden Langzeitfolgen.

Die Folgen sind immer noch mit uns, doch man darf sich fragen, ob heute besser, besonnener reagiert würde. Nach einem Jahrzehnt der Panik sollte man dies hoffen dürfen, doch es sieht eher danach aus, als würde die Politik je länger, desto emotionalisierter, und plakativer werden. Und dies macht aus 9/11 wohl wirklich eine Katastrophe: Dass aus den danach gemachten Fehlern nichts gelernt wurde.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

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Kernsatz
"Die Emotionen lähmten die Gesellschaft und führten kurz darauf zu Fehl- und Überreaktionen"

Eine sehr wichtige Feststellung. Eine, die man verdächtig häufig in der Politik machen muss. Vor allem in jüngster Zeit.
Das Pech
für die freie Welt war, dass am 11.9.01 einer der schlimmsten und gefährlichsten US Präsidenten aller Zeiten am Ruder war und dieses Ereignis missbrauchte um an der Macht zu bleiben und die USA (ungewollt aus purer Dummheit) ins finanzielle Verderben zu führen.

So gesehen darf man sich fragen was die schlimmere Katastrophe war, 9/11 oder Bush Junior.

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