26. Dezember 2013
10 Jahre nach dem Beben - Normalität kehrt nach Bam zurück
publiziert: Montag, 23. Dez 2013 / 09:00 Uhr
Vor zehn Jahren hat ein Erdbeben die iranische Stadt Bam verwüstet. (Archivbild)
Vor zehn Jahren hat ein Erdbeben die iranische Stadt Bam verwüstet. (Archivbild)

Vor zehn Jahren hat ein Erdbeben die iranische Stadt Bam verwüstet. Nun wollen die Menschen dort endgültig in die Normalität zurück und das Trauma hinter sich lassen.

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Resa R. steht stolz vor seinem neuen zweistöckigen Haus in Bam. Vor zehn Jahren stand der 32-jährige Kleinunternehmer an gleicher Stelle und blickte auf die Trümmer, die einst sein Zuhause waren - unter ihnen die Leichen seiner Eltern und zwei der Geschwister.

Die Bilder von damals kommen immer wieder hoch. Resa aber versucht, sie zu verdrängen: «Ich will jetzt jeden Augenblick wertschätzen, denn ich habe erlebt, dass man in einem Augenblick alles verlieren kann.» Das neue Haus sei sowohl Vergangenheit als auch Zukunft.

Zusammen mit seiner Frau und seinen zwei Kindern wolle er in dem neuen Haus nur noch in die Zukunft blicken. An dem kalten Wintermorgen des 26. Dezember 2003 verwüstete ein Beben in wenigen Sekunden die Stadt Bam in Südostiran. Der beliebte Touristenort war eine einzige Trümmerwüste.

Aus fast jedem Haus wurden Tote und Verletzte geborgen. Tagelang lagen die Leichen auf den Strassen, weil keiner wusste, was man mit ihnen machen sollte. Die ganze Stadt roch nach Tod.

Wirtschaftlicher Aufschwung

Auch Monate später war nicht klar, wie viele Menschen bei dem Beben ums Leben gekommen waren. Die Opferzahlen schwankten zwischen 26'000 und 55'000, weil viele der Toten in dem Chaos von ihren Angehörigen ohne amtlichen Todesschein beerdigt wurden. Laut dem Gouverneur von Bam wurde der Tod von 32'000 Menschen registriert.

Die genaue Anzahl aber weiss bis jetzt keiner. In der Stadt selbst herrscht wieder Normalität, nur wenig erinnert noch an die Verwüstungen durch das Beben. «Alles wieder aufgebaut, zu 100 Prozent», sagt stolz der Gouverneur von Bam, Hossein Sejnolsalehin.

Mit staatlichen Darlehen zu günstigen Bedingungen von umgerechnet 612 Millionen Franken wurden 60'000 Häuser gebaut beziehungsweise renoviert. «Und alles jetzt erdbebensicher», versichert der Gouverneur.

Das Schul- und Gesundheitssystem funktioniere auch wieder normal. Auch wirtschaftlich scheint es mit der Stadt bergauf zu gehen. Auf den asphaltierten Strassen fahren wieder neue teure Autos. Im Basar in der Innenstadt herrscht reger Handel.

Der Dattelanbau, wofür die Stadt bekannt ist, floriere wie in besten Zeiten. 200'000 Tonnen werden im Jahr geerntet, dreiviertel kommen auf den hiesigen Markt, der Rest geht in den Export, so der Gouverneur. Eine beträchtliche Investition kam aus China.

Zum Weltkulturerbe erklärt

In Bam wurde eine Autowerk für den Bau von zwei chinesischen Modellen eröffnet. Hunderte neuer Arbeitsplätze entstanden. Auch der Tourismus, eine weitere Haupteinnahmequelle der Stadt, kommt wieder in Gang. Der Flughafen wurde ausgebaut, Hotels wurde gebaut - nun können auch ausländische Touristen die Stadt wieder besuchen.

Schliesslich sei die Hauptattraktion, die von der UNESCO 2003 zum Welterbe erklärte Arge-Bam Zitadelle, nach dem Beben restauriert worden, sagt Sejnolsalehin. Auf dem Friedhof Behescht Sahra in Bam erinnert man sich aber noch an jene, die nicht mehr da sind.

Soraja steht vor dem Grab ihrer Tochter. «Sie wäre jetzt 17, eine junge Frau», sagt die 38-Jährige. Sie hat in der Zwischenzeit eine weitere Tochter bekommen, auch 7 Jahre jetzt. Ihretwegen will sie um den Tod ihrer ersten Tochter nur noch innerlich trauern. «Das Brutale am Leben ist, dass es weitergehen muss», sagt Soraja.

 

(tafi/sda)

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