100'000 Kenianer flüchten vor der Gewalt
publiziert: Mittwoch, 2. Jan 2008 / 13:25 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 2. Jan 2008 / 19:54 Uhr

Nairobi - Mehr als 100'000 Menschen sind in Kenia vor der eskalierenden Gewalt auf der Flucht. Die Unruhen nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl haben nach Schätzungen des Roten Kreuzes und örtlicher Medien fast 300 Todesopfer gefordert.

Über 300 Menschen wurden bereits getötet. (Archivbild)
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Die USA und Grossbritannien riefen zu einem Ende der Gewalt und zum Dialog auf. US-Aussenministerin Condoleezza Rice und ihr britischer Kollege David Miliband appellierten in einer gemeinsamen Erklärung an die rivalisierenden politischen Führer, für ein Ende der Gewalt zu sorgen.

Es gebe unabhängige Berichte über gravierende Unregelmässigkeiten bei der Stimmenauszählung, kritisieren beide Politiker. Der Vorsitzende der Afrikanischen Union (AU) John Kufuor wollte noch am Mittwoch nach Nairobi reisen und sich mit dem amtierenden Präsidenten Mwai Kibaki treffen.

Wahlkommission unter Druck

Der nationale Wahlleiter, Samuel Kivuitu, räumte erstmals Zweifel an der Rechtmässigkeit des Sieges von Kibaki bei der Wahl am vergangenen Donnerstag ein. Zugleich sprach er sich für eine unabhängige Untersuchung aus. «Ich weiss nicht, ob Kibaki gewonnen hat», sagte Kivuitu am Dienstag in Nairobi.

Sowohl Regierung als auch Opposition hätten ihn unter Druck gesetzt. Die Wahlkommission hatte Präsident Kibaki am Sonntagabend mit 230 000 Stimmen Vorsprung vor seinem Rivalen Raila Odinga zum Sieger erklärt. Nach Auszählung der Stimmen in 90 Prozent der Wahlkreise hatte noch Odinga in Führung gelegen.

Massenflucht

Nach der Verkündung des Wahlsieges von Kibaki brachen gewalttätigte Proteste aus. Bei vielen Ausschreitungen gingen Mitglieder von Odingas Stamm der Luo gegen das Volk der Kikuyu vor, dem Kibaki angehört.

Allein im zentralkenianischen Rift Valley sind nach Angaben des Roten Kreuzes rund 75'000 Menschen auf der Flucht. Im ebenfalls von Gewalt erfassten Westen des Landes fliehen immer mehr Menschen ins benachbarte Uganda. Die meisten von ihnen sind Kikuyu.

Im Ort Eldoret im Westen Kenias waren am Dienstag mindestens 35 Menschen bei lebendigem Leibe verbrannt, als ein Mob die Kirche anzündete, in der sie Zuflucht gesucht hatten. Aus Furcht vor Angriffen und Plünderungen verschanzen sich viele Menschen in ihren Häusern oder in Polizeistationen und versuchen, sich zu bewaffnen.

Mehrere Hilfsprogramme der UNO in Ostafrika sind wegen der Unruhen von Nachschublieferungen abgeschnitten. Betroffen sind nach Angaben der UNO unter anderen Einsätze im Südsudan, in Uganda und in Teilen der Demokratischen Republik Kongo. Nach New York und Genf befindet sich in Nairobi der drittgrösste Sitz der UNO.

(smw/sda)

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