100 Tage vor den Sommerspielen
publiziert: Dienstag, 29. Apr 2008 / 22:11 Uhr

100 Tage vor der Eröffnungsfeier der Spiele der 29. Olympiade 2008 in Peking ist der Blick des Westens auf das asiatische Riesenreich getrübt.

Das Schwimmstadion in Peking.
Das Schwimmstadion in Peking.
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Die Diskussionen um Menschenrechte und Tibet-Frage sowie die Demonstrationen beim Fackellauf belasten die Vorbereitungen auf den weltweiten Sporthöhepunkt des Jahres vom 8. bis 24. August, dem 1,3 Milliarden Chinesen entgegen fiebern. China will die Spiele als Schaufenster für die Welt nutzen, doch die vornehmlich aus Europa kommende Kritik stösst weithin auf Unverständnis.

Zumal die Olympia-Organisatoren aus Sicht des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf dem Weg zu einer «goldmedaillenreifen Leistung» sind. «Es bedarf noch der Feinabstimmung in einzelnen Details, aber der Stand der Vorbereitungen ist exzellent», sagte IOC-Präsident Jacques Rogge kürzlich in Peking. Und Sun Weide, Sprecher des Organisationskomitees BOCOG, bekräftigte: «Wir haben uns sieben Jahre vorbereitet. Alles ist bereit. Es werden erfolgreiche Spiele.»

Vogelnest und Co. bereit

38 hochmoderne Sportstätten sind weitestgehend fertiggestellt. 42 Test-Events fanden bereits statt. Auch das von den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron erstellte und 480 Mio Franken teure Olympiastadion («Vogelnest») hat bei einem Geher-Wettbewerb seine Feuertaufe bestanden.

Alle Weichen sind gestellt für das Jahrhundert-Ereignis, in das Peking rund 40 Milliarden Franken für Infrastruktur mit Flughafen, neuen U-Bahn-Linien und einem umfangreichen Stadterneuerungsprogramm investierte. Die reinen Organisationskosten werden mit 2,4 Mia Franken beziffert.

10'500 Athleten aus allen 205 Nationalen Olympischen Komitees kämpfen an 17 Tagen im August in 28 Sportarten um 302 Goldmedaillen. Das Schweizer Aufgebot dürfte rund 90 Aktive umfassen.

Sport noch im Hintergrund

Der sportliche Aspekt ist in der öffentlichen Wahrnehmung vorerst in den Hintergrund gerückt. Der als «Reise der Harmonie» angekündigte Fackellauf wurde nach den Zwischenfällen in London und Paris zum Demonstrationswettstreit zwischen China-Kritikern und Auslands-Chinesen, die sich in ihrem Nationalstolz empfindlich verletzt fühlen.

Zur Entspannung könnte das überraschende chinesische Gesprächsangebot an den Dalai Lama vom vergangenen Freitag beitragen. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter hatte sich stets für die Spiele in Peking stark gemacht.

Allerdings wird die umstrittene Besteigung des Mount Everest mit der Fackel in den ersten Maitagen noch einmal Öl ins Feuer giessen und die Gemüter erhitzen. Exiltibeter sehen darin die Manifestation des chinesischen Machtanspruches über das grösste Hochland der Erde.

In Peking wird selbst konstruktive Kritik als «feindlich» empfunden. Hinweise auf tiefer liegende Ursachen des Aufstandes der Tibeter wie gesellschaftliche und wirtschaftliche Diskriminierung werden als «voreingenommen und falsch» verteufelt. Das System greift zu veralteten Propagandamethoden wie nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 und verdeutlicht, dass sich in China politisch erst wenig verändert hat.

Warnung vor Al-Kaida

Themen wie Sicherheit, Luftverschmutzung und Anti-Dopingkampf dürften in den kommenden Wochen wieder an Bedeutung gewinnen. Ronald Noble, Chef der internationalen Kriminalpolizei Interpol, warnte erst kürzlich bei einer Sicherheitskonferenz in Peking: «Wir müssen auf die Möglichkeit eingestellt sein, dass Al-Kaida oder eine andere terroristische Vereinigung versucht, einen tödlichen Anschlag zu verüben.»

Im Anti-Dopingkampf sollen 1000 Kontrolleure verhindern, dass es die von Kritikern befürchteten «grössten Dopingspiele der Geschichte» werden. Die Vorbereitungen für das mit 4500 Kontrollen umfangreichste grösste Anti-Doping-Programm Olympias sind abgeschlossen; getestet wird erstmals auch auf Wachstumshormone.

Für saubere Luft wollen die Organisatoren durch die Stilllegung von Fabriken sowie der Hälfte der 3,3 Millionen Autos in der Metropole mit ihren 15,5 Millionen Einwohnern sorgen. Damit soll die Peinlichkeit einer Verschiebung von Wettbewerben wegen zu starker Luftverschmutzung vermieden werden. Dies hatte IOC-Chef Rogge als Möglichkeit für den Extremfall bezeichnet.

Liu als Speerspitze

Chinas Sport hofft beim Heimspiel mit rund 600 eigenen Startern auf mehr als die 32 Gold-, 17 Silber- und 14 Bronzemedaillen, die es 2004 als zweitplatzierte Nation hinter den USA (35/39/29) gewann. Dabei setzt der Gastgeber auf traditionelle Stärken wie Tischtennis, Badminton, Turnen und Wasserspringen. Dagegen sind die Goldchancen in prestigträchtigen Sportarten wie Leichtathletik dünn gesäht

Mit dem prominenten Hürden-Weltrekordler Liu Xiang, der im Reich der Mitte bereits als Ikone verehrt wird, schickt China seinen grössten Hoffnungsträger ins Rennen. «Uns ist von der Sportführung gesagt worden: Wenn er nicht gewinnt, sind alle seine vorherigen Erfolge wertlos», berichtete sein Trainer Sun Haiping kürzlich in einem Interview.

(smw/sda)

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