Vergebliche Vorbereitungen zur Ausschaffung
1700 Asylsuchende verschwinden spurlos
publiziert: Sonntag, 15. Jul 2012 / 15:34 Uhr / aktualisiert: Montag, 16. Jul 2012 / 14:14 Uhr
Trotz Papieren und Reisedokumenten sind viele auszuschaffende Personen nicht auffindbar und können nicht zurückgeführt werden.
Trotz Papieren und Reisedokumenten sind viele auszuschaffende Personen nicht auffindbar und können nicht zurückgeführt werden.

Bern - In 1700 Fällen hat das Bundesamt für Migration im vergangenen Jahr die Ausreise von Asylsuchenden in einen Dublin-Staat vergebens vorbereitet. Im Augenblick der Ausreise waren diese Personen nicht auffindbar und damit nicht rückführbar. Wie viele in der Schweiz blieben, ist unbekannt.

6 Meldungen im Zusammenhang
Gemäss Dublin-Abkommen ist für die Behandlung eines Asylgesuches grundsätzlich derjenige Vertragsstaat zuständig, in welchem die Person ihren ersten Asylantrag gestellt hat. Reist der Asylsuchende in einen anderen Dublin-Staat weiter, wird ein neues Asylgesuch nicht behandelt und der Betroffene ins Erst-Antragsland zurückgewiesen.

Im Jahr 2011 verzeichnete das Bundesamt für Migration rund 7000 solche anerkannten Dublin-Fälle. Insgesamt wurden gemäss der Asylstatistik des Bundesamtes für Migration (BFM) gut 3600 asylsuchende Personen dem zuständigen Dublin-Staat überstellt. Es fehlen 3400 Personen.

Ein Teil konnte aus verschiedenen administrativen und vollzugstechnischen Gründen noch nicht zurückgeschafft werden, erklärte BFM-Sprecher Jürg Walpen auf Anfrage. In 1700 Fälle seien jedoch alle Rückschaffungs-Vorkehrungen getroffen worden. Er bestätigte damit einen Bericht der «NZZ am Sonntag».

Vergebliche Vorbereitungen

In diesen Fällen seien trotz Papieren und Reisedokumenten die auszuschaffenden Personen nicht auffindbar und damit nicht rückführbar gewesen. Es sei unklar, ob diese Personen in der Schweiz untergetaucht oder tatsächlich ausgereist seien, sagte Walpen.

Über die Kosten schweigt sich das BFM aus. Die Gründe für das unkontrollierte Verschwinden hingegen sind schnell ausgemacht: Es fehlt an Haftplätzen in Ausschaffungsgefängnissen.

Derzeit ist eine Revision des Ausländergesetzes in Vernehmlassung mit welcher der Bundesrat die Voraussetzung dafür schaffen will, dass sich der Bund künftig finanziell am Bau und an der Einrichtung kantonaler Haftanstalten beteiligen kann, die dem Vollzug der Vorbereitungs-, Ausschaffungs- und Durchsetzungshaft dienen.

Dank mehr Haftplätzen würden die Kantone gegenüber Personen, welche die Schweiz verlassen müssen, früher die Ausschaffungshaft anordnen können. Und das BFM seinerseits soll vermehrt direkt ab den Empfangs- und Verfahrenszentren eine Administrativhaft anordnen können.

Weit mehr Abgetauchte

Die 1700 Fälle von nicht auffindbaren Asylsuchenden, die 2011 in einen Dublin-Staat hätten überstellt werden sollen, sind nur ein Teil aller «unkontrollierten Abreisen». Die Asylstatistik 2011 führt unter dieser Kategorie insgesamt 5300 Personen auf.

Darunter fallen gemäss Statistik «Personen, die ohne sich abzumelden in ihren Heimatstaat zurückkehren oder solche, die in einen Drittstaat weiterreisen, um dort ein Asylgesuch zu stellen». Es gebe jedoch auch Personen, die die Schweiz nicht verliessen und untertauchten. Diese leben dann als 'Sans-Papiers' in der Illegalität.

(asu/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
1
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Basel - Asylsuchende aus Ländern, die für die Schweiz kein Visum brauchen, sollen ab sofort einen Asylentscheid innert 48 ... mehr lesen 1
48-Stunden-Entscheid für Asylbewerber aus sicheren Staaten.
Das Schweizer Bürgerrecht erhalten haben im Jahr 2011 insgesamt 37'893 Personen.
Bern - Verschärfungen in mehreren Kantonen für die Einbürgerung zeigen Wirkung: ... mehr lesen
Bern - Die SVP ist der Ansicht, die vom Volk beschlossene Ausschaffungsinitiative werde von den Bundesbehörden verschleppt. Nun ... mehr lesen 1
Die SVP will die Ausschaffung krimineller Ausländer durchsetzen.
Eine Variante sieht vor, dass straffällige Ausländer unabhängig vom Strafmass ausgeschafft werden.
Bern - Der Bundesrat schickt zwei Varianten zur Umsetzung der ... mehr lesen 1
Bern - Der Bundesrat hat noch nicht entschieden, wie er die Ausschaffungsinitiative ... mehr lesen 1
Ausschaffungsinitiative: Der Bundesrat hat das Justiz- und Polizeidepartement beauftragt, eine «dritte Variante» auszuarbeiten.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Offenbar...
ein weiterer Kostenschub für den Steuerzahler. Immerhin kostet den Steuerzahler das Asylunwesen bereits jetzt schon jedes Jahr ca. 1 Millliarde Franken. Und das erst noch unnütz und resultatlos. Man hats offenbar!
Das AOC-Schutzsiegel bedeutet auf deutsch übersetzt kontrollierte Herkunftsbezeichnung.
Das AOC-Schutzsiegel bedeutet auf ...
Zurückverfolgung soll verbessert werden  Sitten - Die Walliser Weine sollen besser zurückverfolgt werden können. Die Walliser Kantonsregierung will damit die Glaubwürdigkeit und das Image der Walliser AOC-Weine verbessern. 
Nein-Komitee warnt  Bern - Die Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen ist aus Sicht der Gegner ein gefährliches Experiment. Ein Ja beim Urnengang vom 5. Juni würde das gesamte Wirtschafts- ...
Wird die Initiative angenommen erhalten alle Menschen unabhängig von einer Erwerbstätigkeit ein Einkommen.
«SonntagsZeitung»: Um die garantierten Renten der heutigen Rentner bezahlen zu können, leisten die heutigen Erwerbstätigen eine beträchtliche Quersubventionierung.
Worüber die Sonntagspresse heute berichtet Bern - Widerstand gegen Steuerprivilegien für Bauern, Strategien für die grenzüberschreitende Forschung und die Probleme ...
Grünliberale verbreitern Parteipräsidium Neuenburg - Die Grünliberalen haben am Samstag bei der Delegiertenversammlung in Neuenburg ihre Parteispitze ...
Martin Bäumle wurde im Amt bestätigt. (Archivbild)
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3894
    Und... wer schützt den Stacheldraht? Eine Grenze, die nicht auch bis in ... heute 14:10
  • HeinrichFrei aus Zürich 423
    Männer, Frauen und Kinder in Ausschaffungshaft: Politische Gefangene? Flüchtlinge würden häufig als Belastung oder Bedrohung empfunden, sagte ... heute 05:35
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3894
    Zur... Flüchtlingskrise hat Saudi-Arabien kürzlich gesagt, dass das Land ... So, 01.05.16 15:33
  • Kassandra aus Frauenfeld 1743
    Aufpassen, dass man nicht in die falsche Richtung läuft! Denn das kann die SVP noch ... Mi, 27.04.16 11:05
  • lauchenauermartin aus Bütschwil 1
    Herr Köppel ist eben von der SVP Wäre Herr Köppel nicht von der SVP, dürfte er sich erlauben alles ... Mi, 27.04.16 04:37
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3894
    In... den 70er und beginnenden 80er Jahren vertrat die SP die Interessen der ... Di, 26.04.16 19:24
  • Kassandra aus Frauenfeld 1743
    So sind sie halt, die Nationalisten AUNS und SVP-ler, wenn sie kein Versammlungslokal ... Di, 26.04.16 16:55
  • Kassandra aus Frauenfeld 1743
    Das ist ein wunderbarer Beitrag 8s8s8s! Wussten Sie, dass in Deutschland heute schon jeder Einwohner ganz ohne ... Mo, 25.04.16 20:17
 
Wettbewerb
   
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zum Release des siebten Teils der Star Wars-Serie («Das Erwachen der Macht») verlosen wir zwei DVDs.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 6°C 13°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt sonnig
Basel 8°C 13°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
St. Gallen 8°C 11°C stark bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen sonnig
Bern 8°C 13°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
Luzern 8°C 13°C stark bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen sonnig
Genf 6°C 14°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Lugano 12°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten