25 Jahre Pontifikat: Johannes Paul II. wird viele ungelöste Probleme hinterlassen
publiziert: Montag, 13. Okt 2003 / 10:53 Uhr

Rom - Auch wenn das Pontifikat von Johannes Paul II. noch nicht zu Ende ist, steht eines fest: Er wird nicht als grosser Reformer in die Geschichte eingehen. Im Gegenteil hat er in den 25 Jahren seit seiner Wahl einen konservativen Kurs gefahren.

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Johannes Paul IIJohannes Paul II
Innerkirchlich sorgte dieser für nicht wenige Spannungen und Unzufriedenheit an der Basis. Auch in der Ökumene, die zu seinen Herzensanliegen zählt, hat der Papst nur wenig vorangebracht. Vor allem die Versöhnung mit der Orthodoxie ist ihm nicht gelungen. Der erhoffte Besuch in Moskau dürfte wohl nicht mehr zu Stande kommen.

Auch wenn er als junger Bischof das Zweite Vatikanische Konzil Anfang der 60er Jahre massgeblich mitgestaltet hatte, sperrte sich Karol Wojtyla als Papst gegen weitere Änderungen in der Kirche. Kritische Theologen werfen ihm vor, den unter Papst Johannes XXIII. eingeleiteten Reformprozess gestoppt zu haben.

Strenger, konservativer Kurs

Tatsächlich fährt Johannes Paul II. kirchenintern einen besonders strengen Kurs. So erhielten Priester unter seinem Vorgänger Paul VI. noch problemlos die Erlaubnis, ihr Amt niederzulegen und zu heiraten.

Diese Praxis beendete Wojtyla. Wenn ein Priester heiraten will, wird er heute quasi aus der Kirche ausgestossen. Das Zölibat für Priester darf nach Ansicht von Johannes Paul II. nicht angetastet werden - obwohl es einige Bischöfe befürworten, angesichts des zunehmenden Priestermangels auch verheiratete Männer zum Priesteramt zuzulassen.

In der Frage der Zulassung von Frauen zum Priesteramt hat der Papst sogar ein Diskussionsverbot erteilt. Reformorientierte Gruppen - wie etwa in Deutschland und Österreich - stossen im Vatikan auf taube Ohren.

Empfängnisverhütung

So ist Johannes Paul II. bei der künstlichen Empfängnisverhütung zu keinen Konzessionen an die eigenen Gläubigen bereit. Selbst den Gebrauch von Kondomen zum Schutz gegen Aids lehnt der Vatikan aus theologischen Gründen weiterhin ab.

Die Anti-Baby-Pille wurde schon von Paul VI. geächtet. Katholische Ehepaare sollten sich nach Ansicht des Papstes nur auf natürliche Methoden verlassen, um Schwangerschaften zu vermeiden. Nur eine Minderheit der Katholiken hält sich an die strenge Sexualmoral, die keinen Geschlechtsverkehr ausserhalb der Ehe erlaubt.

Dasselbe gilt für die Aufrufe des Papstes an die Jugend, sich in Keuschheit zu üben. Das ändert nichts daran, dass der schwer kranke Papst vor allem bei der Jugend besonders beliebt ist.

Konservative im Vormarsch

Trotz seiner zahlreichen Auslandsreisen ist die von Johannes Paul II. geforderte "Neuevangelisierung Europas" nicht recht voran gekommen. Im Gegenteil haben unter seinem Pontifikat extrem konservative Gruppen wie das Opus Dei kirchenintern an Einfluss gewonnen. Sie schrecken vielfach sogar liberal orientierte Gläubige ab.

Geächtet wurde vom Papst die so genannte "Befreiungstheologie", deren Vertreter wie Leonardo Boff in Lateinamerika wegen der Forderung nach mehr Rechten für die verarmte Bevölkerung mit den politischen Machthabern in Konflikt geraten waren.

(Giovanni Facchini, dpa/sda)

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