27 Tote bei blutigen Unruhen in Palästinensergebieten
publiziert: Sonntag, 1. Okt 2000 / 23:31 Uhr

Nablus/Gaza - In den palästinensischen Autonomiegebieten sind am Wochenende mindestens 27 Palästinenser getötet und rund 600 Menschen verletzt worden. Israelis und Palästinenser wiesen sich gegenseitig die Schuld zu.

Erstmals griffen die gewalttätigen Proteste der Palästinenser auf die arabische Bevölkerung in Nordisrael über. Dort kam ein Mann ums Leben. In zahlreichen Städten des Westjordanlandes und im Gazastreifen lieferten sich zumeist jugendliche Palästinenser Strassenschlachten mit der israelischen Polizei, die vielerorts mit gummiumhüllten Kugeln auf die Demonstranten schoss.

In Nablus eröffnete das israelische Militär aus Helikoptern das Feuer auf Palästinenser, die auf einen Militärposten schossen, wie der Vize-Generalstabschef im Fernsehen bestätigte. Die Helikopter seien eingesetzt worden, um einen verletzten Grenzposten in Sicherheit zu bringen. Dieser starb später. Am Abend stellten Armee und Polizei nach Angaben eines palästinensischen Regierungsfunktionärs das Feuer ein.

Aufruf zu Gewaltende

Israels Regierungschef Ehud Barak forderte Palästinenserpräsident Jassir Arafat auf, alles in seiner Macht Stehende für ein Ende der Unruhen zu tun. Israel habe einen entsprechenden Appell an die Autonomiebehörde und Arafat gerichtet, hiess es am Sonntag in einer Erklärung der Regierung.

Arafat wiederum drohte, er wolle den UNO-Sicherheitsrat anrufen, falls die Gewalt nicht innerhalb von 24 Stunden ende. Seine Autonomiebehörde verlangte eine internationale Untersuchung der Zusammenstösse auf dem Jerusalemer Tempelberg.

Kind vor laufenden Kameras erschossen
Allein am Samstag wurden bei den Strassenschlachten 16 Palästinenser getötet und rund 500 verletzt. Bei Netsarim wurde vor laufenden Fernsehkameras ein zwölfjähriger Knabe erschossen, der zwischen die Fronten geraten war. Im Fernsehen war zu sehen, wie der Knabe und sein Vater hinter einen kleinen Betonklotz kauerten. Der Vater legte schützend seine Arme um das weinenden Kind. Wenig später wurden beide getroffen. Der Bub sackte auf dem Schoss seines Vaters zusammen und starb, der Vater überlebte schwer verletzt. Ein Ambulanzfahrer wurde beim Versuch erschossen, die beiden trotz des Feuergefechts zu retten.

Wegen des tragischen Zwischenfalls wurden die palästinensischen Schulen bis Dienstag geschlossen, um zu verhindern, dass Kinder auf dem Schulweg zwischen die Fronten kommen. Die meisten der Toten vom Samstag wurden am Sonntagmittag unter grosser Anteilnahme der palästinensischen Bevölkerung beigesetzt. Unmittelbar danach kam es zu erneuten Ausschreitungen, bei denen nach Angaben aus Spitälern elf weitere Menschen ums Leben kamen, darunter zwei zehnjährige Kinder.

Provokativer Besuch

Die Unruhen mit mittlerweile 35 Todesopfern hatten sich am Donnerstag am Besuch des israelischen Hardliners Ariel Scharon auf dem Tempelberg entzündet. Die Palästinenser fassten dies als Provokation auf. Scharon wies die Verantwortung am Sonntag zurück.

Ausland besorgt

Im Ausland löste die Eskalation im Nahen Osten Besorgnis aus. In einer scharfen Erklärung machte die Arabische Liga Israel für die Gewaltwelle verantwortlich und forderte eine internationale Untersuchung der "fürchterlichen Verbrechen".

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak warnte vor den "verhängnisvollen Auswirkungen" auf den Friedensprozess. Russlands Aussenminister Igor Iwanow sagte, "extremistische Elemente" versuchten, den Friedensdialog zu unterminieren. Bundesrat Joseph Deiss forderte die Wiederaufnahme des Dialogs, um eine friedliche Lösung für den Konflikt zu finden.

(klei/sda)

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