40'000 Menschen ohne Zugang zu medizinischer Versorgung
50 Tote bei Angriffen auf Spitäler und Schulen in Nordsyrien
publiziert: Montag, 15. Feb 2016 / 22:00 Uhr / aktualisiert: Montag, 15. Feb 2016 / 23:20 Uhr

Damaskus - Nach der Münchner Vereinbarung sollte die Gewalt in Nordsyrien in eine Feuerpause übergehen. Am Montag passierte genau das Gegenteil: Bei Luftangriffen auf Spitäler und eine Schule wurden nach UNO-Angaben fast 50 Menschen getötet.

6 Meldungen im Zusammenhang
Syrische Oppositionelle gaben umgehend Russland die Schuld an den Luftangriffen. Der syrische Botschafter in Moskau, Riad Haddad, hingegen behauptete, US-Kampfflugzeuge hätten eine Klinik zerstört, die von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) unterstützt wird.

Von Ärzte ohne Grenzen veröffentlichte Bilder der Klinik in der Stadt Maarat al-Numan (Provinz Idlib) zeigten das Ausmass der Zerstörung. MSF sprach allein dort von mindestens sieben Toten und weiteren acht vermissten Mitgliedern des Klinikpersonals, die wahrscheinlich ebenfalls umgekommen seien. Wie viele Patienten noch vermisst werden, war bis zum Abend unklar.

«Die Zerstörung des Krankenhauses lässt eine lokale Bevölkerung von rund 40'000 Menschen ohne Zugang zu medizinischer Versorgung zurück», hiess es in einer Mitteilung von Ärzte ohne Grenzen.

EU und USA verurteilen Angriffe - Russland schweigt

«Was heute mit dem Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen passiert ist, kann auf keinen Fall hingenommen werden», kommentierte die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini. Die EU werde weiter auf alle Parteien Druck ausüben, um die Zivilbevölkerung zu schützen.

Auch die USA verurteilten die Angriffe auf Krankenhäuser scharf. Dass das syrische Regime und seine Unterstützer ihre Angriffe fortsetzten, lasse Zweifel an der Entschlossenheit Russlands aufkommen, das brutale Vorgehen des Assad-Regimes gegen die eigene Bevölkerung stoppen zu wollen, sagte US-Aussenamtssprecher John Kirby.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich tief besorgt und verurteilte die Angriffe als «eklatanten Verstoss gegen internationales Recht». Von höherer Stelle in Moskau gab es zunächst keine Stellungnahme.

Raketenangriff auf Klinik und Schule in Asas

In der Nähe der türkisch-syrischen Grenze kamen mindestens zehn Zivilisten ums Leben, als Raketen in der Nähe einer weiteren Klinik und in eine Schule einschlugen.

Der Direktor des Kinderhilfswerks UNICEF, Anthony Lake, brachte seine Bestürzung über Informationen zum Ausdruck, wonach in Syrien vier medizinische Einrichtungen angegriffen worden seien. Zwei davon habe UNICEF unterstützt.

Zwei Angriffe galten demnach Einrichtungen in der von Rebellen kontrollierten Stadt syrischen Grenzstadt Asas. Dort seien bei Angriffen auf zwei Schulen auch sechs Kinder getötet worden. Mehr als 30 Verletzte wurden in das staatliche Spital der gegenüberliegenden türkischen Grenzstadt Kilis gebracht, wie die türkische Nachrichtenagentur DHA berichtete. Die meisten Verwundeten seien Kinder.

Zurzeit versuchen die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad mit Hilfe der russischen Luftwaffe, die Metropole Aleppo in Nordsyrien einzunehmen. Sie gehen vor allem gegen Rebellen vor, die von westlichen Staaten unterstützt werden.

Durch die Kämpfe sind Kurdenmilizen erhebliche Gebietsgewinne gelungen. Dies hat die Türkei auf den Plan gerufen, die ein Erstarken kurdischer Gruppen fürchtet. Ein Teil der Kämpfe konzentriert sich auf die Stadt Asas. Dort halten sich Zehntausende Flüchtlinge auf.

Ankara droht Kurden

Sein Land werde nicht zulassen, dass Asas in die Hände der kurdischen YPG-Miliz falle, sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu. Am Wochenende hatte die türkische Armee Stellungen der YPG beschossen und damit nach eigenen Angaben die Einnahme von Asas verhindert.

Die YPG ist ein Ableger der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und gehört zu den wichtigsten Verbündeten des Westens. Die Türkei bekämpft jedoch die PKK und befürchtet, dass die YPG und ihre Verbündeten die gesamte Grenze zur Türkei unter ihre Kontrolle bringen.

Türkei und Russland beschuldigen sich gegenseitig

Davutoglu warf zudem der russischen Luftwaffe vor, mit einem Raketenangriff Zivilisten in Asas getötet zu haben. Russland indes beschuldigte die Türkei, Dschihadisten und Söldner nach Syrien zu lassen.

Der deutsche Aussenminister Steinmeier warf Russland, der Türkei und den kurdischen Milizen eine Verletzung der Münchner Vereinbarungen zum Syrien-Konflikt vor. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sprach sich für eine Flugverbotszone über Syrien aus, um die Lage zu entwirren.

(fest/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Rancho Mirage - Die verstärkte russische Militärintervention in Syrien wird nach Ansicht von US-Präsident Barack Obama ... mehr lesen
Barack Obama möchte das Russland dazu beiträgt einen politischen Übergang in Syrien zu vermitteln. (Archivbild)
Staffan da Mistura hat sich in Damaskus zu Wort gemeldet. (Archivbild)
Damaskus - Nach Luftangriffen auf syrische Spitäler und Schulen hat ... mehr lesen
Beirut - Die Hoffnungen auf einen Waffenstillstand in Syrien rücken weiter in die Ferne. Der syrische Präsident ... mehr lesen 1
Baschar al-Assad zweifelt an einer Waffenruhe.
Ein Insider sagte, dass die Proben auf Senfgas positiv gewesen seien. (Archivbild)
Amsterdam - Die Terrormiliz IS hat Labortests zufolge Giftgas gegen kurdische Kämpfer im Irak eingesetzt. Ein mit dem Vorgang ... mehr lesen
Genf - Die wichtigste syrische Oppositionsgruppe bei den UNO-Friedensgesprächen ist in Genf eingetroffen. Gleich nach der Ankunft ... mehr lesen
Es ist noch unklar ob sich die Oppositionsgruppe auf Verhandlungen einlässt.
Weitere Artikel im Zusammenhang
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon.
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon.
Humanitäre Hilfe  Istanbul - UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die geringe Teilnahme reicher Industriestaaten am ersten Weltnothilfegipfel in Istanbul kritisiert. Es sei enttäuschend, dass einige Weltführer nicht dabei gewesen seien, vor allem von den G7-Staaten, sagte er am Dienstag. 
Zum zweitägigen Weltnothilfegipfel werden 6000 Vertreter von Staaten und Organisationen erwartet.
UNO-Nothilfegipfel will Versorgung in Krisengebieten verbessern Istanbul - Beim ersten Weltnothilfegipfel wollen die Vereinten Nationen die Versorgung bedürftiger Menschen ...
1970 waren bei einem Bombenanschlag auf eine Swissair-Maschine bei Würenlingen 47 Menschen gestorben. (Archivbild)
GPK glaubt nicht an Geheimabkommen mit PLO Bern - Die Geschäftsprüfungskommissionen der eidgenössischen Räte (GPK) sind zufrieden mit den Abklärungen zu einem möglichen ...
Kein Hinweis auf schweizer Zusammenarbeit mit PLO Bern - Die vom Bundesrat eingesetzte Arbeitsgruppe hat keine Hinweise auf ein Geheimabkommen zwischen ...
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3934
    Deutschland... ist eines der wenigen Länder, das sich enorm mit der Integration der ... heute 13:42
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3934
    Der... Grund für die Misere liegt ganz woanders und ist im Prinzip sehr ... gestern 11:04
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3934
    "Flüchtlingslager-Räumung" Gut für die Einwohner von Idomeni, die nun bald ihr Leben, ihre ... gestern 10:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1760
    Im letzten Moment die Kurve gekriegt! Den Oesterreichern herzlichen Glückwunsch! Unter den Rechten gehts ... Mo, 23.05.16 18:01
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3934
    R. Erdogans... Berater Burhan Kuzu sandte bereits am 10. 5. 2016 eine Drohung gen EU, ... Mo, 23.05.16 17:21
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3934
    In... Syrien gibt es einen Krieg im Krieg. Es herrscht in Syrien schon lange ... Mo, 23.05.16 15:16
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3934
    Das... war nur eine weitere Gelegenheit für Herrn A. Mazyek, sich wichtig zu ... Mo, 23.05.16 14:37
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3934
    Wenn... die Türkei sich nicht an die Abmachungen hält, gibt es keine ... Mo, 23.05.16 11:44
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Wettbewerb
   
Die Alp Grosser Mittelberg im Justistal.
Viel Glück  Die Alpsaison steht vor der Tür. Damit Wanderfreunde den Weg zu den schönsten Alpbeizli finden, haben wir ein Gewinnspiel parat.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 7°C 21°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Basel 10°C 21°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
St. Gallen 6°C 18°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig vereinzelte Gewitter
Bern 4°C 21°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Luzern 8°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Genf 5°C 18°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Lugano 12°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten