Tragödie bei Konzert in Dänemark
8 Open Air-Besucher zu Tode getrampelt
publiziert: Samstag, 1. Jul 2000 / 13:12 Uhr / aktualisiert: Samstag, 1. Jul 2000 / 17:10 Uhr

Roskilde (Dä) - Tragödie bei einem Rockfestival im dänischen Roskilde. Acht Menschen wurden bei einer Panik zu Tode getrampelt. Mindestens drei Menschen wurden verletzt. Bei den Toten handelt es sich ausschliesslich um Männer - Dänen und Besucher anderer Nationen.

Sanitäter bringen Verletzte in die Spitäler.
Sanitäter bringen Verletzte in die Spitäler.
Fest stehe bisher nur, dass die Opfer gegen 23.30 Uhr durch die von hinten drückende Menge zum Fallen gebracht und zu Tode getrampelt worden seien, hiess es bei einer ersten Pressekonferenz. "Wie es genau dazu kommen konnte, weiss im Moment noch niemand", erklärte Polizeisprecher Mogens Sörensen.

Wahrscheinlich rund 50'000 der 74'000 Festivalbesucher hatten sich bei Nieselregen vor der "Orange Scene", der grössten der sieben Bühnen versammelt. Sie wollten die US-Band zu hören, die neben Lou Reed die Hauptattraktion an der 30. Ausgabe des grössten europäischen Rockfestivals sein sollte.

Drängen nach vorn

Eine Stunde nach Beginn begann die Menge immer heftiger nach vorn zu drängen. Helfer versuchten, eingekeilte Zuschauer herauszuheben. Dies sei nicht gelungen, weil ungewöhnlich viele hingefallen seien, erklärte Festivalchef Leif Skov. "Pearl-Jam"-Sänger Eddie Vedder unterbrach auf Bitte von Helfern das Konzert und forderte die Menge mehrmals vergeblich auf, ein paar Schritte zurückzugehen. Als wenige Minuten später klar war, dass ein ernstes Unglück geschehen war, brachen "Pearl Jam" ihr Konzert ganz ab. Notärzte, Samariter und Krankenwagen waren in wenigen Minuten zur Stelle. Für acht der elf am Boden Liegenden kam aber jede Hilfe zu spät.

Kritik zurückgewiesen

Skov berichtete, dass es in der Menge keine Anzeichen von Panik oder Aggressivität gegeben habe. Der Festivalchef wehrte Fragen nach möglichen Fehlern im Sicherheitssystem entschieden ab, räumte aber ein, dass man noch nicht genug über die Hintergründe wisse. Journalisten, die das Publikum während des Konzerts mit "Pearl Jam" von der Bühne aus beobachten konnten, berichteten im Gegensatz zu Skov von "ungewöhnlich massiven Bewegungen" unter dem Publikum.
Ob das Festival wirklich wie kurz nach dem Unglück angekündigt bis Sonntag weitergeführt wird, galt am Samstagmorgen in Roskilde noch als unsicher. Doch das im Programm für die späten Nachtstunden geplante Konzert mit der britischen Band "The Cure" wurde abgesagt.

Nottelefon eingerichtet

Unterdessen richtete die Polizei in ganz Dänemark Krisenstäbe ein, um Anrufe tausender verängstigter Eltern der im Durchschnitt 15- bis 20-jährigen Festivalbesucher entgegenzunehmen. Das Handy-Netz auf dem Festivalplatz war schon vor dem Unglück wegen Überlastung komplett zusammengebrochen.
In den vergangenen Jahren war die Besucherzahl in Roskilde 30 Kilometer westlich von Kopenhagen auf über 100'000 gestiegen. Die Organisatoren hatten deshalb in diesem Jahr ein Limit von 90'000 Besuchern gesetzt und nur 70'000 Eintrittskarten für alle vier Tage des Festivals verkauft.

(ba/sda)

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