Höhere Beiträge für Stilllegung
AKW-Betreiber müssen tiefer in die Tasche greifen
publiziert: Mittwoch, 25. Jun 2014 / 22:25 Uhr
Die AKW-Betreiber werden zur Kasse gebeten.
Die AKW-Betreiber werden zur Kasse gebeten.

Bern - Die AKW-Betreiber müssen künftig mehr in den Stilllegungs- und den Entsorgungsfonds einzahlen. Der Bundesrat hat am Mittwoch die entsprechende Verordnung geändert und auf den 1. Januar 2015 in Kraft gesetzt.

9 Meldungen im Zusammenhang
SHOPPINGShopping
AtomkraftAtomkraft
Für die Stilllegung der Atomkraftwerke und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle müssen die Betreiber finanzielle Mittel bereitstellen. Weil im Stilllegungs- und Entsorgungsfonds eine Finanzierungslücke droht, passt der Bundesrat die Berechnungsgrundlagen für die jährlichen Beiträge an.

Die Kostensteigerungen seien in den letzten 10 Jahren höher gewesen als angenommen, und die angestrebten Anlagerenditeziele hätten nicht erreicht werden können, hält der Bundesrat fest. Damit steige das Risiko für den Bund, für die fehlenden Mittel aufkommen zu müssen, falls die Betreiber ihren Verpflichtungen nicht vollständig nachkommen könnten. Mit den neuen Regeln wolle er das Risiko reduzieren.

Bei den beiden Fonds rechnet der Bundesrat künftig mit einer Anlagerendite von 3,5 statt wie bisher 5 Prozent und einer Teuerung von 1,5 statt 3 Prozent. Besonders umstritten war in der Vernehmlassung, dass auf den berechneten Stilllegungs- und Entsorgungskosten neu ein Sicherheitszuschlag von 30 Prozent erhoben werden soll. Der Bundesrat hält jedoch auch daran fest.

Beiträge verdoppeln sich

Für die AKW-Betreiber verdoppeln sich damit die Fonds-Beiträge in den nächsten Jahren. In den Stilllegungsfonds müssen sie künftig jährlich 100 Millionen Franken einzahlen statt wie heute 56 Millionen, in den Entsorgungsfonds 207 statt 118 Millionen Franken.

Ausserdem müssen die AKW-Betreiber künftig nach der Abschaltung eines Atomkraftwerks weiter Beiträge in die Fonds einzahlen. Die Dauer der Beitragspflicht für beide Fonds endet neu mit dem Abschluss der Stilllegung der jeweiligen Kernanlage und damit rund 15 bis 20 Jahre nach der endgültigen Ausserbetriebnahme. Damit will der Bundesrat vor allem für den Fall vorsorgen, dass ein AKW aus Sicherheitsgründen früher als geplant abgeschaltet werden muss.

Nimmt ein Betreiber sein Kernkraftwerk ausser Betrieb, bevor es eine Betriebsdauer von 50 Jahren erreicht hat, wird er bei der Berechnung der Beiträge gleich behandelt, wie wenn er das Werk erst nach 50 Betriebsjahren ausser Betrieb genommen hätte. Damit setzt der Bundesrat eine Forderung des Parlaments um, die freiwillige Stilllegung älterer Kernanlagen zu fördern.

Fehlende Milliarden

Die voraussichtliche Höhe der Stilllegungs- und Entsorgungskosten wird alle fünf Jahre berechnet. Ende 2011 lagen 4,3 Milliarden Franken in den beiden Fonds, kosten wird der Rückbau nach Berechnungen der AKW-Betreiber-Organisation Swissnuclear über 11 Milliarden. Damit fehlen aktuell 7 Milliarden Franken.

Die während des Betriebs anfallenden Entsorgungskosten werden durch die Betreiber direkt bezahlt, so dass der Entsorgungsfonds nur 8,4 Milliarden Franken decken muss.

Bedauern bei den Energiekonzernen

Die Energiekonzerne bedauern, dass sie künftig mehr in die Stilllegungs- und Entsorgungsfonds einzahlen müssen. In seiner Stellungnahme bezeichnet der Energiekonzern BKW den Bundesratsentscheid als unverhältnismässig und kündigt rechtliche Schritte an. Die BKW betreibt das Atomkraftwerk Mühleberg.

Aus Sicht des Energiekonzerns Axpo ist die Änderung unnötig. «Da die Betreiber gemäss Kernenergiegesetz vollumfänglich für die Kosten von Stilllegung und Entsorgung haften, ist es nicht nötig, Zuschläge für Unsicherheiten auf Vorrat in den Fonds einzuzahlen.»

Auch bei Alpiq führt der Entscheid des Bundesrats zu erheblichem zusätzlichen Finanzierungsbedarf - der Energiekonzern ist wie Axpo an den AKWs Gösgen und Leibstadt beteiligt. Alpiq hat zwar gemäss seinem Communiqué Verständnis für einige Neuerungen. Der pauschale Sicherheitszuschlag von 30 Prozent sei aber zu hoch - es bestehe grundsätzlich kein Bedarf für einen solchen Zuschlag.

Energie-Stiftung unzufrieden

Ganz anderer Meinung ist die Schweizerische Energie-Stiftung (SES). Aus ihrer Sicht werden die AKW-Betreiber nur ungenügend zur Kasse gebeten, wie es in einem Communiqué heisst. Zwar mache der Bundesrat «einen Schritt in Richtung Kostenwahrheit», jedoch einen zu kleinen.

Der Atomstrom werde trotz Verbesserungen in der Stilllegungs- und Entsorgungsfondsverordnung weiterhin direkt oder indirekt subventioniert, schrieb die SES. Dies sei der falsche Weg.

(bg/sda)

1 passender Kompetenzmarkt-Eintrag
Für eine intelligente, umwelt- und menschengerechte Energiepolitik
?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Der Bundesrat will das Risiko mindern, dass dereinst die Steuerzahler für die Stilllegung der Atomkraftwerke aufkommen ... mehr lesen
Mit der Revision verlieren die AKW-Betreiber an Einfluss.
Bern - Die BKW bereitet die für 2019 beschlossene Stilllegung des Atomkraftwerks Mühleberg vor. Hierzu hat das ... mehr lesen
Das AKW Mühleberg geht 2019 vom Netz.
Bern - Die Energiekommission des Nationalrates (UREK) will die Betriebsdauer von ... mehr lesen
Das Vertrauen in die Technik ist gross.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Über die Höhe der Beiträge, die AKW-Betreiber in den Stilllegungs- und Entsorgungsfonds einzahlen sollen, herrscht in der Vernehmlassung Uneinigkeit. Rechte, BDP und ... mehr lesen
Die AKW-Betreiber wenden sich gegen die Revision, besonders gegen den Sicherheitszuschlag, für den es auch gesetzlich keine Grundlage gebe.
Erreichen alle Schweizer AKW eine Betriebsdauer von 50 Jahren?
Bern - Der Ständerat will die Betreiber von Atomkraftwerken in den nächsten ... mehr lesen
Bern - Die AKW-Betreiber sollen künftig auch nach der Abschaltung eines Atomkraftwerks Beiträge in den Stilllegungs- und ... mehr lesen
Eines der ältesten AKWs der Schweiz steht noch in Mühleberg/BE.

Atomkraft

Produkte passend zum Thema
Seite 1 von 2
Coolstuff - Spielkarten - Quartett
QUARTETT - ATOMKRAFTWERKE - Coolstuff - Spielkarten - Quartett
Die heißesten Meiler der Welt auf 32 Spielkarten Harrisburg, Tscherno ...
19.-
DVD - Unterhaltung
SILKWOOD - DVD - Unterhaltung
Regisseur: Mike Nichols - Actors: Meryl Streep, Kurt Russell, Cheryl J ...
20.-
DVD - Komödie
AM TAG ALS BOBBY EWING STARB - DVD - Komödie
Regisseur: Lars Jessen - Actors: Peter Lohmeyer, Gabriela Maria Schmei ...
20.-
DVD - Erde & Universum
DIE FOLGEN EINES ATOMKRAFTWERK UNFALLS - DVD - Erde & Universum
Genre/Thema: Erde & Universum; Umwelt & Ökologie; Energie & Rohstoffe; ...
17.-
DVD - Politik & Recht
COUNTDOWN TO ZERO - DVD - Politik & Recht
Regisseur: Lucy Walker - Genre/Thema: Politik & Recht; Terrorismus - C ...
18.-
Filmplakate
ATOMKRAFT? NEIN DANKE POSTER - Filmplakate
Atomkraft? Nein Danke Poster. Grösse: Breite 61,0 cm; Höhe 91,5 cm
12.-
Nach weiteren Produkten zu "Atomkraft" suchen
Professionelle Beratungsdienstleistungen in den Bereichen Windkraft, Ph ...
Im Mittelpunkt steht die Umsetzung des Klimaabkommens von Paris.
Im Mittelpunkt steht die Umsetzung des Klimaabkommens ...
Treffen der deutschsprachigen Umweltminister  Melk - Die Umweltministerinnen und -minister der deutschsprachigen Länder haben sich nach einem Treffen in Österreich für die Forcierung der Energiewende ausgesprochen. Erreicht werden soll dieses Ziel etwa durch einen Energiewendevertrag. 
175 Staaten unterschreiben Klima-Abkommen New York/Bern - Eine Rekordzahl von 175 Staaten hat während einer feierlichen ...
ETH-Zukunftsblog Eine zentrale Herausforderung der Energiewende ist es, die schwankende Stromproduktion aus erneuerbaren ... mehr lesen  
Mit Biogas betriebene Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen (WKK) können fluktuierenden Solarstrom kompensieren und Gebäude beheizen.
Solarenergie verursacht oft Schwankungen im Netz, trotzdem soll es helfen das Stromnetz zu stabilisieren.
Schweizer Pionierwerk  Zürich - Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) und Energie 360° beschreiten neue Wege beim Aufbau eines intelligenten ...  2
Titel Forum Teaser
 
Wettbewerb
   
Die Alp Grosser Mittelberg im Justistal.
Viel Glück  Die Alpsaison steht vor der Tür. Damit Wanderfreunde den Weg zu den schönsten Alpbeizli finden, haben wir ein Gewinnspiel parat.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 13°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Basel 14°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
St. Gallen 13°C 23°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Bern 12°C 25°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Luzern 13°C 25°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Genf 13°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Lugano 13°C 24°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Gewitter möglich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten