Vierfachmord Rupperswil
Aargau kann mit Rekord-Belohnung Geld sparen
publiziert: Freitag, 19. Feb 2016 / 11:55 Uhr
Der Fahndungsaufruf wird mit Flugblättern in verschiedenen Sprachen verteilt.
Der Fahndungsaufruf wird mit Flugblättern in verschiedenen Sprachen verteilt.

Aarau - Nach der Ankündigung der rekordhohen Belohnung von 100'000 Franken zur Aufklärung des Vierfachmordes von Rupperswil sind bei der Aargauer Polizei erste Hinweise eingegangen. Mit dem entscheidenden Tipp könnte der Kanton Geld sparen für weitere teure Ermittlungen.

7 Meldungen im Zusammenhang
«Es hatte Wirkung», sagte Bernhard Graser, Mediensprecher der Aargauer Kantonspolizei, am Freitag auf Anfrage. In der Nacht sei ein erster Schub von Mails hereingekommen. Diese würden der Sonderkommission zum Fall des Vierfachmordes zugestellt.

Der Betrag von maximal 100'000 Franken entspricht gemäss Philipp Umbricht, Leitender Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau, der Bedeutung dieses Verbrechens. Es handle sich um die höchste je in der Schweiz von Behörden in Aussicht gestellte Belohnung. Der Betrag sei nach Rücksprache mit Justizdirektor Urs Hofmann festgelegt worden.

Falls die Täterschaft dank des entscheidenden Hinweises dingfest gemacht werden könne, so bezahle man den Betrag dannzumal gerne aus. «Jeder Hinweis ist wichtig. Jedes Detail kann das entscheidende Puzzleteil sein, das uns die Lösung ermöglicht oder sie beschleunigt», hatte Umbricht am Donnerstag vor den Medien ausgeführt.

Aargau könnte Ermittlungskosten sparen

Die hohe Belohnung könnte dem Kanton Aargau und damit den Steuerzahlern letztlich Geld sparen. «Sollte der Fall durch die Auszahlung der Belohnung rasch geklärt werden können, würde der Kanton erhebliche Einsparungen erzielen, die die Belohnungssumme um ein Vielfaches übersteigen würden», sagte Samuel Helbling, Mediensprecher des kantonalen Departements Volkswirtschaft und Inneres, am Freitag auf Anfrage.

«Die Belohnung gelangt ja nur zur Auszahlung, wenn die Täterschaft durch einen Hinweis ermittelt werden kann.» In buchhalterischer Hinsicht würde die Belohnung gemäss Kanton gleich wie die übrigen Drittauslagen als sogenannter «leistungsunabhängiger Aufwand» zu den Untersuchungskosten zählen.

Helbling wies darauf hin, dass die Ermittlungen im Mordfall Rupperswil mit jedem weiteren Monat hohe Kosten verursachen. Zurzeit arbeiteten in der Sonderkommission 40 Personen. Hinzu kämen erhebliche Auslagen für externe technische Abklärungen und Auswertungen.

50'000 Franken führten zum Täter von Wohlen

Vor 16 Jahren hatte die Belohnung der Kantonspolizei von 50'000 Franken letztlich zur Aufklärung des Dreifachmordes von Wohlen AG geführt. Zunächst hatte die Belohnung nur wenig Wirkung gezeigt.

Doch nach einem entscheidenden Hinweis wurde Anfang Dezember 2000, weniger als zwei Monate nach der brutalen Tat, ein damals 26-jähriger Dominikaner in Zürich verhaftet.

Das Bezirksgericht Bremgarten verurteilte den Mann im Dezember 2003 wegen dreifachen Mordes zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe und Landesverweis. Er hatte drei Landsfrauen in der Personalwohnung eines Nachtclubs in Wohlen mit grosser Brutalität getötet.

Bereits im Februar 2001 war die Belohnung von 50'000 Franken ausbezahlt gewesen. Wer das Geld erhielt - das blieb geheim.

Anonymität und Schutzmassnahmen für Tippgeber

Auch beim Vierfachmord von Rupperswil können die Hinweisgeber gemäss Oberstaatsanwalt Umbricht im Rahmen des Strafverfahrens anonym behandelt werden. So werde den Parteien im Strafverfahren die Identität der Personen nicht bekannt werden. «Es ist auch denkbar, dass je nach Situation weitere Schutzmassnahmen angeordnet werden können.»

Ziel des Fahndungsaufrufs sei es, ein Gesicht oder einen Namen zu den im Haus der Opfer aufgefundenen DNA-Spuren zu finden. «Wir sind überzeugt, dass irgendwo, irgendwer die Beobachtung gemacht hat, die uns entscheidend weiterbringen wird.»

Die Staatsanwaltschaft hofft nicht zuletzt, dass wegen der hohen Summe der wichtige Hinweis aus dem näheren oder weiteren Umfeld der Täterschaft eingehen könnte. Der Fahndungsaufruf wird mit Flugblättern in verschiedenen Sprachen nicht nur in der Schweiz, sondern auch im angrenzenden Deutschland verteilt.

(bert/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Aarau - Im Vierfachmord von Rupperswil AG vom 21. Dezember 2015 gibt es offenbar neue Erkenntnisse der ... mehr lesen
An einer ersten Medienkonferenz Mitte Februar dieses Jahres konnten Staatsanwaltschaft und Polizei noch keinen Erfolg vermelden.
Schafisheim AG - Der Vierfachmord von Rupperswil AG ist nach wie vor ungeklärt. Es sei niemand festgenommen worden, ... mehr lesen 1
Barbara Loppacher, leitende Staatsanwältin Lenzburg-Aarau.
Die vier Personen, die am Montag in Rupperswil in einem Einfamilienhaus getötet wurden, konnten identifiziert werden. ... mehr lesen
Eines der Opfer, Carla Schauer.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Bislang konnte noch keines der Opfer identifiziert werden. (Symbolbild)
Aarau - Die Gewalttat in einem Wohnhaus im aargauischen Rupperswil mit vier ... mehr lesen
Rupperswil AG - In einem Wohnhaus in Rupperswil AG sind am Montag vier Personen tot aufgefunden worden. Im Haus war ... mehr lesen
Das Feuer ist inzwischen unter Kontrolle. (Symbolbild)
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 20
Der 67-Jährige Gino Bornhauser wird seit dem 22. April vermisst.
Der 67-Jährige Gino Bornhauser wird seit dem 22. April vermisst.
Opfer weiterhin vermisst  Rafz ZH - Die Kantonspolizei Zürich hat am Dienstagvormittag in Rafz ZH zwei Personen verhaftet: Sie stehen unter dem dringenden Verdacht, einen seit dem 22. April vermissten Mann aus Eglisau getötet zu haben. mehr lesen 
Deutlich höhere Zahl  Sydney/London - Mindestens 45,8 Millionen Menschen leben zurzeit weltweit in modernen ... mehr lesen  
In Indien hat es 18,3 Millionen Sklaven.
Weitere Verdächtige werden gesucht  Rio de Janeiro - Bei ihren Ermittlungen zur Gruppenvergewaltigung einer 16-Jährigen hat die ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • Kassandra aus Frauenfeld 1780
    Motor hinten oder vorne war dem Tram in Basel völlig egal! Ob ein Auto über- oder untersteuert, ist nicht von der Lage des Motors ... Mi, 01.06.16 10:54
  • Mashiach aus Basel 57
    Wo bleibt das gute Beispiel? Anstatt sichere, ÜBERSTEUERNDE Heckmotorwagen zu fahren, fahren sie ... Mo, 30.05.16 11:56
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Zugang "Das sunnitische Saudi-Arabien, das auch im Jemen-Konflikt verstrickt ... So, 29.05.16 22:06
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Pink Phanter-Bande? Am 25. 7. 2013 hat eine Befreiung von Pink Panther-Mitglied Milan ... So, 29.05.16 15:38
  • Kassandra aus Frauenfeld 1780
    ja, weshalb sollte man solches tun? Ist doch krank, Gott zu beschimpfen! Das hat etwas, ... So, 29.05.16 12:12
  • Gargamel aus Galmiz 10
    Warum sollte man überhaupt den Glauben an Gott beschimpfen oder verspotteten? Wie krank ... So, 29.05.16 10:11
  • Kassandra aus Frauenfeld 1780
    Wir sind ja alle so anders als diese "Flüchtlinge". Warum sind auch nicht alle so edel, wie ... Sa, 28.05.16 20:25
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... ist ja noch nicht so lange her, als dass einem das alternde aber gut ... Fr, 27.05.16 21:37
Unglücksfälle Zorn über Tötung von Gorilla in US-Zoo Cincinnati - Die Tötung eines Gorillas im Zoo der ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 8°C 22°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Basel 10°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
St. Gallen 10°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern 8°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Luzern 11°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Genf 9°C 22°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 14°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten