Abe zum Nachfolger Koizumis gewählt
publiziert: Mittwoch, 20. Sep 2006 / 09:05 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 20. Sep 2006 / 16:02 Uhr

Tokio - Japans regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) hat den Rechtskonservativen Shinzo Abe zum neuen Parteichef gewählt.

Shinzo Abe will die pazifistische Verfassung seines Landes aufweichen.
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Dem Regierungssprecher ist damit auch die Wahl zum Ministerpräsidenten im Parlament gewiss.

Die LDP verfügt dort über die Mehrheit der Sitze, weshalb der LDP- Parteichef den Posten des Ministerpräsidenten traditionell praktisch automatisch auf sicher hat. Möglicherweise wird Abe bei seiner formalen Wahl am Dienstag bereits sein Kabinett vorstellen.

Abe, der am Donnerstag 52 Jahre alt wird, wäre Japans erster Ministerpräsident, der nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurde. Er stammt aus einer Art Politiker-Dynastie. Schon sein Grossvater Nobusuke Kishi hatte das Amt des Regierungschefs inne. Abes Vater war Aussenminister.

Deutliche Wahl

Der als «Falke» geltende Abe setzte sich bei der Wahl um die Nachfolge von Junichiro Koizumi bei den 403 Abgeordneten klar gegen Finanzminister Sadakazu Tanigaki und Aussenminister Taro Aso durch. Aso kam auf 136 und Tanigaki auf 102.

«Ich werde mich mit Leib und Seele dafür einsetzen, ein wunderschönes neues Japan aufzubauen», sagte Abe nach seiner Wahl in Tokio. Der japanischen Tradition entsprechend verneigte sich Abe vor seinem Vorgänger und Mentor Koizumi, der ihm unter dem Beifall der Deligierten «aus tiefstem Herzen» zur Wahl gratulierte.

Ohne Koizumis Protektion wäre sein steiler Aufstieg in der LDP nicht möglich gewesen. Kritikern gilt Abe als Politiker, dem es an Erfahrung mangelt und der sein Fähnchen in den Wind hängt. Andere billigen ihm zu, pragmatisch zu handeln.

Neue Verfassung

Abe will die pazifistische Nachkriegsverfassung durch eine neue ersetzen, um Japan wieder ein reguläres und flexibleres Militär zu ermöglichen. Er ergreife die «Flamme der Reform», sagte Abe, der wegen seines «sanften» Aussehens «Prinz» genannt wird.

Er will Koizumis Reformagenda fortsetzen, ist aber in Gebieten wie Wirtschaftsreformen noch wenig konkret. Noch vor sechs Jahren war Abe kaum bekannt. Das änderte sich, als er sich für von Nordkorea entführte Landsleute einsetzte und scharfe Töne gegenüber Pjöngjang anschlug.

(bert/sda)

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