Abfallhalden-Gesellschaft
publiziert: Montag, 17. Okt 2011 / 11:28 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 18. Okt 2011 / 10:24 Uhr
Auf der Abfallhalde der Gesellschaft: Depressions-Kranke
Auf der Abfallhalde der Gesellschaft: Depressions-Kranke

Letztes Jahr verabschiedeten sich 71'000 Deutsche vorzeitig wegen psychischer Probleme aus dem Erwerbsleben. Das Durchschnittsalter der so durch Angststörungen und Depressionen aus dem Erwerb ausgeschiedenen beträgt 48.3 Jahre. Dieses Phänomen zieht sich durch die industrialisierte Welt wie ein roter Faden.

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Natürlich könnte man nun die Diskussion anfangen, wie viele dieser Frührentner allenfalls simulieren oder gar nicht so schlimm dran sind, doch dies ist müssig. Denn die grosse Mehrheit dürfte wirklich in der Arbeitswelt so unter die Räder gekommen sein, dass sie einfach nicht mehr «funktionieren». Die Tatsache, dass Mobbing durch Kollegen und auch Vorgesetzte unterdessen zum Alltag gehört, der Leistungsdruck jedes Jahr höher wird und «Arbeitsplatzsicherheit» ein Wort aus dem Heimatmuseum ist, machen diese psychische Krise nachvollziehbar.

Doch diese Leute, die aus ihrem Leben hinaus geängstigt werden, sind nur ein weiteres Symptom. Ein Symptom für ein System, das vielleicht schon jenseits seiner Bruchgrenze angelangt ist. Es ist kaum vermessen zu behaupten, dass wir uns in einer permanenten Krise befinden.

Und nein, die Rede ist nicht nur von der Finanzkrise (die sich mittlerweile in einen dynamischen Krisenzustand gewandelt hat), sondern, wenn die mal weg wäre, Energiekrise, Rentenkrise, Umweltkrise, Nahrungsmittelkrise und Klimakrise.

Wenn sich jetzt eine Protestbewegung formiert - oder formiere - dann lässt sich diese schwerlich mit jenen des «Arabischen Frühlings» vergleichen. Denn das konkrete Ziel, die vermeintlich konkreten Lösungen fehlen oder sind nur durch langwierige Verhandlungen und nicht einfach durch Sitzblockaden von der Strasse aus zu erreichen.

Selbst wenn nun einen Tobin-Steuer eingeführt würde (wogegen sich ja die USA und ausgerechnet China mit Händen und Füssen wehren) und die Finanzkrise gelöst werden könnte, die Reihe der Probleme, die hinter der Finanzkrise an der Türe warten füllt einen ganzen Korridor.

Und dass jene, die mit der Bekämpfung der Probleme beschäftigt sind, ausgerechnet die sind, welche diese zum Teil ermöglicht, die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen, sie sogar mitverursacht haben (speziell politische Parteien), macht eine Lösungsfindung unglaublich schwierig. Sich zu empören ist das eine, und sicher auch berechtigt. Eine funktionierende Alternative anzubieten hingegen erfordert harte Arbeit, vor allem, weil wir nicht einfach bei Null beginnen können.

Der Umbau, wenn er den stattfindet, muss sich vor allem an anderen Zeithorizonten orientieren. Politiker denken in der Regel maximal drei Jahre voraus (bis zum Beginn des nächsten Wahlkampfes), Manager mitunter bis zur nächsten Bonuszahlung oder auch nur bis zu den nächsten Quartalszahlen und viele Durchschnittswähler wollen vor allem versprochen haben, dass alles mindestens so bleibt wie es ist oder besser wird.

Das einzige, was in diesem Wunschkonzert nicht berücksichtigt wird, ist die Realität. Dabei ist nicht die politische gemeint (die ohnehin nur ein aus Machtgier, Gefälligkeiten, Aversionen, Idealismen und Abhängigkeiten erschaffenes Fantasiegebilde ist), sondern die physikalischen Realitäten der Welt, in die wir eingebettet sind ebenso wie die Tatsache, dass Ursachen und Auswirkungen mitunter Jahrzehnte auseinanderliegen können.

Betrachtet man diese unter der Prämisse, dass die Welt nicht für uns da ist (ein häufiger, religiös motivierter Fehlschluss), sondern wir einfach auf diesem Planeten leben, dass es eine gewisse Menge an erneuerbaren und nicht erneuerbaren Ressourcen gibt, ändert sich die Perspektive schlagartig. So gilt es denn, die Resourcen nicht unter der Vorgabe der Gewinnmaximierung sondern der Effizienz auszunützen. Dies beginnt bei scheinbar banalem, wie dem Ende der Lebensmittelverschwendung durch Wegschmeissen (so wird die Hälfte der Kartoffeln vernichtet, auch, weil sie zu gross, Gurken, weil sie zu krumm sind, 20% des Brotes wird vernichtet etc.), geht weiter bei der optimalen Energieausnutzung, bis hin zum Ende der Zersiedelung der Landschaft und einer Verkürzung der Arbeitswege: Pendlerströme sind sowohl eine Energie- als auch eine Zeitverschwendung, die zusätzlich noch die Anwohner der betroffenen Strassen krank machen.

Doch Ressourcen sind nicht nur Rohstoffe, Baugrund und erneuerbare Energiequellen, sondern auch die Menschen, welche unsere Gesellschaft ausmachen. Der Brain-Drain, der durch die Anfangs erwähnten Krankschreibungen stattfindet, ist gigantisch. Die physische und psychische Vernichtung von Arbeitern und Angestellten kostet gewaltige Summen, welche sich eine Gesellschaft nicht leisten kann und die Wirtschaft nicht verursachen dürfte.

Auch die geradezu religiös geführte Rentenalterdiskussion muss realistisch betrachtet werden. Arbeitnehmern, die gerne weiter in einem erfüllendem Job arbeiten, sollten diese Möglichkeit auch jenseits von 65 bekommen. Arbeiter in hoch belastenden Positionen wie der Schwerindustrie müssen andererseits auch früher in Rente gehen können - doch in unserer Gesellschaft betrifft dies ohnehin immer weniger Arbeiter. Um diese Flexibilität zu erfüllen, müsste sich natürlich auch die Wirtschaft vom teilweise krankhaften Jugendwahn befreien.

Zudem darf der zu einer Wirtschaft gehörende Geldmarkt, der in einer globalen Wirtschaft eine Notwendigkeit ist, nur reell vorhandenes Kapital verwalten und handeln. Fantasiegeld, wie in den Derivaten und Kreditmärkten en masse vorhanden, müsste verboten werden. Erst diese Blasen an nicht durch die Realität gesichertem Kapital haben viele der Exzesse, welche die heutigen Probleme verursachten, möglich gemacht.

Wie gross die Chancen auf solche Reformen sind? Vermutlich minimal, solange die Schose noch irgendwie läuft. Ob bei einem Kollaps (und nein, den hatten wir noch nicht) dann aber kontrolliert umgebaut werden könnte, ist noch fraglicher. So bleibt nur zu hoffen, dass in der Zeit, die noch bleibt wider aller Wahrscheinlichkeit ein Umbau in Richtung nachhaltige Gesellschaft in Angriff genommen wird, für eine Gesellschaft in der wenige Waren, weniger Rohstoffe und weniger Menschen sinnlos auf die Abfallhalde geworfen werden.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

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So falsch
ist das ja gar nicht, was Sie da schreiben :-)
Am auffälligsten ist das, wenn Sie in einer öffentlichen Diskussion zugeben, dass Sie studierter Philosoph sind, da wird gleich abgewunken (um Ihnen jetzt den partizipalen Schönheitsfehler abzukupfern). Und das, obwohl, denke ich, jede Wissenschaft mit der Philosophie begonnen hat.
Nur, wenn sich da einige Intellektuelle als was besseres ansehen und dann als "Club" die Oeffentlichkeit mit Ihrer "intellektuellen" bzw. politischen Meinung beglücken, die eigentlich nur darin besteht, dass EU-Gegner ewiggestrige Dummköpfe seien und das Wohl des Landes künftig in der Wallfahrt zu holen sei und dass jeder, der anderer Meinung ist, einfach ein Lakai der SVP sei, dann muss ich sagen, hat das nichts mit intellektuell zu tun. Wenn sich die sog. "intellektuelle Elite" ausschliesslich politisch äussert, dann begünstigt das verständlicherweise die abneigende Haltung, die das Fussvolk aus historischen Gründen gerade in unserem Land nun einmal mit sich trägt.
Es ist bestimmt nicht die Aufgabe eines Soziologen, den EU-Beitritt zu propagieren. Den Einfluss, den ich meinte, der bezieht sich auf soziologische Bereiche, nicht auf die Politik. Es scheint, dass heute das eine nicht mehr ohne das andere möglich ist; sonst ist es womöglich zuwenig interessant?
Nein, von intellektuellen Clubs halte ich nicht viel. Das ist mir zu elitär. Doch es gibt tatsächlich interessante Ausnahmen, denen ich gerne zuhöre. Einen davon habe ich genannt und er hat politisch das Heu gar nicht auf derselben Bühne, wie ich.

Zur Frage, weshalb sich die "Intellektuellen" aus dem Fenster lehnen sollen.... ganz einfach, dafür sind sie da. Auch, wenn einem mal der Wind um die Ohren pfeift. Im stillen Kämmerlein zu hocken; dafür braucht's keine Professur.


Aber eines stimmt da eben gar nicht - das mit der SVP und der braunen Suppe.
Sie brauchen nur etwas weiter zurückzugehen in der Zeit, sagen wir, anfangs bis Ende der 90er Jahre... Da wurde man von den in der Oeffentlichkeit damals klar dominierenden Linken (allenfalls unterstützt von der "Mitte", also den Ex-Bürgerlichen) gerne als rechtsextrem dargestellt und es wurde keine Gelegenheit ausgelassen, Exponenten, die den Schweizer Alleingang unterstützten, mit irgendeiner Holocaustlüge oder sonstigem Schmuddel aus der Verunglimpfungskiste in Verbindung zu bringen.. wirklich symptomatisch und mit System.
Damit hat man den Aufstieg der SVP eigentlich erst ermöglicht; zumindest in dieser Schnelle. Ignoration, wo es möglich war. Dort, wo es nicht möglich war, Verunglimpfung mit allen Schubladen.
Ich kann mich jetzt erinnern, dass ich mal einem Verunglimpfer gedroht habe, schon in einigen Jahren würde sich die Sache gegen die Verursacher wenden. Ich habe Recht behalten. Nicht als guter Prophet, sondern als guter Beobachter der Vergangenheit.

Trotz grossartigem Misserfolg mit dieser Taktik wird diese durch's Band seither von den meisten Parteien als Wahlkampfkeule angewandt; vor allem aktuell wieder. Ab und zu ein Seitenhieb gehört ja dazu, aber die Schlechtmachung des Gegners zum Programm zu erklären ist nichts weiter als dumm und kontraproduktiv. Das gilt für beide Seiten.
Ich kann mich übrigens nicht erinnern, dass man Sie als grünen Träumer bezeichnet hat, weil Sie "gegen Atomstrom" sind. Das hätte ich höchstens gemacht, wenn Sie von einer Stromversorgung ohne Grosskraftwerke geträumt hätten ;-)
Das ist aber was anderes; es ist bezogen auf einen konkreten Inhalt, nicht auf die Parteizugehörigkeit.

Zudem vermischen Sie öfters mal Aepfel und Birnen. Will heissen, Sie meinen das Richtige, schütten aber das Kind gleich mit dem Bade aus... Es waren nicht generell "Rechtsbürgerliche", die die Intellektuellen totgeredet haben... es gibt da eine ganz bestimmte Strömung wirtschaftsliberaler, die glauben, Sie wären die von Gott auserwählten Gutmenschen, die mit Ihrem Kapital nicht nur die Welt nach Ihrem Gusto verschlimmbessern, um sie in eine grosse Firma zu verwandeln, in der das Kapital (nicht die Menschen) überallhin freien Zugang hat, die Menschen als Kapitalgüter gewinnbringend eingesetzt werden können.... und die anderen, also die ohne die Millionen, gefälligst den Schnabel halten sollen und sich auch noch für die Bescherung bedanken müssten.

Zu meinen, alles was rechts der Mitte ist, sei diesem Dünkel zugehörig (und links ganz unbedarft), wäre den Sack geschlagen, wenn man den Esel meint. Von dieser Sorte finden Sie ganz viele in der von Ihnen geliebten Mitte bis weit nach links.
Soziologen und ähnliche Scharlatane
Soziologie, Philosophie, geistige Führer. Intelektuelle.
Deren gibt es immer noch und genug.

Aber sie wurden alle verunglimpft über Jahre. Heute ist "Intelektueller" geradezu ein Schimpfwort geworden.

Weil die oben aufgeführten Personen meist politsch eher Mitte bis Links einzuordnen wären wurden diese mit Propaganda bekämpft. Erfolgreich wie es scheint. Und Respekt und Anstand braucht man auch kaum noch zu erwarten.

Das sieht man ja auch im Kleinen. Wettere ich gegen die Hochfinanz und fordere Regulierungen werde ich gleich als Kommunist, Sozialist oder rote Gefahr im Allgemeinen geschumpfen. Egal ob ich im nächsten Satz noch Schengen/Dublin künden will und Sippenhaft für Ausländer einführen will.

Bin ich gegen Atomstrom, werde ich Grüner Tagträumer beschimpft und ähnliche nicht so schön klingende Dinge. Egal ob ich auch gegen den übertriebenen Landschaftsschutz und Einspracherecht bin.
Die Liste könnte noch endlos weitergeführt werden und es geht immer in die gleiche Richtung: Rechts beschimpft und verunglimpft Links, weil es "in" gemacht wurde.
Oder haben Sie schon mal gehört das man die SVP als rechtsradikal, braune Partei oder ähnliches geschimpft hat. Eben. Das gehört sich ja nicht und wäre übertrieben.

Meine These ist, dass die Rechtsbürgerlichen dieser Welt auf perfide Art und Weise es fertiggebracht haben die gescheiten Leute dieser Welt solange schlechtzureden bis es gewirkt hat.
Warum sollen sich diese Leute noch aus dem Fenster lehnen?

Selbst wenn jetzt nicht wenige Konservative und Verfechter der freien Marktwirtschaft ins Grübeln kommen und öffentlich bekanntgeben, dass sie das System hinterfragen, werden diese sogleich von den rechts stehenden Medien als fehlgeleitet oder verrückt abgestempelt.
Minimale Chancen
auf Reformen im Finanzmarktsystem?
Derivate verbieten?
Nur reel vorhandenes Geld verwalten?

HÄ ???????

Na Sie sind mir ja ein Optimist.


Wir sind längst verloren. Der Neo-Liberalismus hat in ein paar Jahrzehnten jegliche Chance auf Umbau des Systems zerschlagen.

Zu wenige haben bis heute begriffen, dass sich nichts ändern wird und höchstens ein bisschen Kosmetik zur Beruhigung des Pöbels gemacht wird (Basel III und ähnliches).

Die Hochfinanz hat längst sogar Mitte Links Parteien infiltriert um die absolute Macht zu haben.
Und die hat sie !

Die Obama Administration ist das perfekte Beispiel. In den 2 Jahren die Obama Zeit hatte (bis zu den Midterm Elections) ist er mit der "Finanzmarktreform" gescheitert. Er selbst umgibt sich ja mit elitären (Ex-)Hochfinanzleuten.

Die USA ist immer wegweisen bei solchen Sachen. Wenn es dort schon einer Demokratischen Partei mit Präsidenten und Senatsmehrheit nicht gelingt in ein paar Jahren Veränderung zu bewirken, müssen wir Europäer wohl kaum darauf hoffen, dass es hier besser wird.

Im Gegenteil. Merkel-Sarkozy-Barroso und ähnliches machtgeiles Gesocks sind gerade erfolgreich daran eine Wirtschaftsdiktatur aufzubauen mit Scheindemokratien für den Pöbel.

Das einzige was noch hilft und auch geschehen wird früher oder später ist Revolution des Volkes.
Die Anfänge sind längst gesetzt.

Sei es der Aufstand des Mittelstandes in Israel, Spanien, Italien.
Die Occupy Wall Street Bewegung und deren lächerlich anmutenden Nachahmer in Europa und auch hier in der schönen Schweiz.

Vorerst kaum beachtet von der Masse, ignoriert von der Politik, zu wenig ernstgenommen von vielen Medien.

Vielen geht es noch viel zu gut um zu begreifen, was in etlichen Jahre Sache sein wird. Und weil man noch gut gepolstert ist, ist man zu bequem und denkt einfach "Gott wird es schon richten" oder "es wird schon irgendwie werden".
Bis es dann zu spät ist, und man wütend auch auf die Strasse geht.
Ausgepresst wie Legehennen
In der Tat; das ist die Taktik der heutigen Wirtschaft. Ob das nur ein Ergebnis dekadenter Wirtschaftsführer ist, denen die Kollateralschäden ihrer Strategien einfach Wurscht ist oder ob dies beabsichtigt war, sei mal offen gelassen.

Früher hiess es mal: Der Mensch solle, um gesund zu bleiben, 8 Stunden täglich arbeiten, 8 Stunden täglich Freizeit verbringen und die restlichen 8 Stunden ruhen.
Dieses Prinzip ist längst über Bord geworfen und ad absurdum geführt worden - durch die new economy zum einen, durch gesellschaftliche Umwälzungen zum anderen. Wer heute so etwas für sich einfordert, wird sofort als "nicht sehr leistungsbereit" eingestuft und damit als unbrauchbar. Dabei wären gerade DIEjenigen Arbeitnehmer, die bei der Arbeit und während der Freizeit darauf achten, an ihren körperlichen und seelischen Ressourcen keinen Raubbau zu betreiben, längerfristig die besten und zuverlässigsten.
Das ist natürlich völlig unverständlich für viele Arbeitgeber - nicht verwunderlich, wenn man sich diese Hagware, die sich heute Unternehmer nennen dürfen, unter die Lupe nimmt. Nicht wenige haben eine Ahnung vom Leben, die sie nur am Stammtisch gezimmert haben, wo das Superblatt der Saublöden (mit den 5 grossen Buchstaben) schreibt, was genehm ist und was nicht geht. Andere wiederum, die in Polstersessel furzen dürfen, haben in ihrem ganzen Leben noch keine einzige Stunde gearbeitet - nach dem Studium direkt ab ins Kaderbüro. Woher will so jemand wissen, wie es einer "Reinigungsfachkraft" geht, die lust- und perspektivlos 9 Stunden am Tag scheuern muss und dabei von einem Sklaventreiber überwacht wird, der jeden Missgriff registriert und nach jedem 3. eine Kündigung ausspricht?

Doch die Ursache der ausgepressten Legehennen nur darin zu suchen, wäre vermessen. Vieles dessen, was Raubbau an menschlichen Ressourcen treibt, ist dem Wertewandel in der Gesellschaft und dem technischen Fortschritt zuzuschreiben.
Versuchen Sie heutzutage einmal, irgendjemanden auf dieses Thema anzusprechen. Den Begriff des "Burnouts" (eine äusserst schlecht getroffene Wortwahl) kennt zwar jeder, genauso wie den Begriff des "Stress". Aber keiner weiss, was es bedeutet. Stress wird beispielsweise oft mit Hektik oder hohem Arbeitspensum verwechselt, ist aber nichts anderes als ein sich im Ausnahmezustand befindlicher Organismus. Stress, der gesund ist, wäre ein solcher, der beispielsweise vor einem 100m-Lauf entsteht. Das dabei in den Körper schiessende Adrenalin versetzt den ganzen Organismus in einen Stresszustand, um die bevorstehende Höchstleistung erbringen zu können. Nach dem Lauf bauen sich die Hormone wieder ab und der Körper hat im Normalfall eine daraus resultierende positive Bilanz.
Ganz anders sieht die Sache aus, wenn sich Stress als Dauerzustand im Körper einnistet. Wer beispielsweise dauernd mit dem Gefühl leben muss, vielleicht morgen die Existenz zu verlieren, lebt äusserst ungesund. Schlaflose Nächte führen zu schlechter Erholung, zusätzlich führt die Existenzangst, die nicht wenige Teile der geistigen Ressourcen lahm legen können, zu einem weiteren Leistungsverlust. Der Mensch betreibt Raubbau an seinem eigenen Körper! Und diese Form von "Druck" auf die Arbeitnehmer, wie einige das nennen, wird ganz gezielt ausgeübt. Weil die Dummköpfe auf dieser Welt, die in diesem Bereich Einfluss haben, eben glauben, das führe zu höherer Produktivität; es hole quasi den zur Faulheit neigenden homo insapiens aus seiner Lethargie. Dummköpfe eben, denn sie erreichen mit diesen Methoden genau das Gegenteil. Den angerichteten Schaden dürfen sie dann aber auf Kosten der Allgemeinheit entsorgen - als "Simulant", der nicht arbeiten will oder dann wohlwollender als "nicht belastbar"...(A-Löcher sind oftmals sehr kreativ, wenn es darum geht, ihre Schandtaten zu verschleiern)

Hinzu kommen verschiedene weitere Faktoren, wie die ständige Erreichbarkeit, die sich in einigen Berufen auch zu einer ständigen "Verfügbarkeit" ausgeweitet hat. Heute kann sich kaum einer mehr vorstellen, dass man zu früheren Zeiten nach 17.00 Uhr niemanden mehr im Büro telefonisch erreichen konnte und da so Unsinn wie Handys nicht existierten, musste sich manches kleine Problemchen bis am nächsten Morgen gedulden. Das ist das vernünftigste auf der Welt, dass jeder ein Anrecht auf Feierabend hat und sich nicht mehr mit Schischi herumschlagen muss, weil ein Kunde oder ein Geldgeber gerade den Blues hat..
Heute ein Ding der Unmöglichkeit - heute muss alles "just in time" geschehen; so ein Dummkopfsprüchlein aus der Pseudointellektuellen Wirtschaftsführung.
Das beste daran ist, wir haben früher auch ohne "just in time" überlebt - seltsam eigentlich.

Dieses "just in time" hat sich dann leider auch noch ins gesamte Privatleben eingeschlichen. Wer irgendwas zu sagen hat - oder es auch nur glaubt, er hätte das - greift sofort zum Knochen und ruft die Zielnummer an (die man selbstverständlich nicht mal mehr auswendig kennt wie in früheren Zeiten). Nicht selten nur, um telefonisch mitzuteilen, dass man dann später oder morgen nochmals anrufen werde..
Ich nehme mir die Freiheit heraus, mein Telefon nicht abzuheben, wenn ich gerade keine Lust dazu habe. Darauf folgt meistens ein SMS, in dem besorgte "Freunde" sich erkundigen, ob "alles in Ordnung" sei... :-)
Ich kann mich nur nicht erinnern, einen Vertrag unterschrieben zu haben, in dem ich mich zu 24h Repräsentationsaufgabe (wie ein Bundesrat?) verpflichtet habe, aber offenbar wird genau dies erwartet.
Eine andere Volkskrankheit betrifft vor allem die weibliche Spezies; das Führen von Agendas im Privaten. Eine Agenda ist ein Segen für Aussendienstmitarbeiter, die von Termin zu Termin hasten müssen. Man sieht auf einen Blick, an welchem Tag noch einiges Platz hat und wo Ueberlastung droht. Im Privaten jedoch, frage ich mich ernsthaft, wer tut sich so etwas an und verplant seine Freizeit lückenlos die folgenden zwei Wochen im voraus???
Eine Horrorvorstellung für mich. Jede Art von Spontanität wird im Keim erstickt. Offenbar eine Form der Selbstwertsteigerung für einige Zeitgenossinnen. Man füllt die Agenda mit mehr oder weniger sinnvollen Tätigkeiten, die man eigentlich sonst vornimmt, wenn eben gerade die Gelegenheit dazu ist. Nichts schlimmeres, als sich von morgens bis abends zu banalen Tätigkeiten zwingen zu müssen, von Garage aufräumen bis Schwiegermutter besuchen.
Liebe Agenda-Fetischisten: wie wär's mit Durchatmen, sich baumeln lassen oder einem Spaziergang? Wahrscheinlich ist das halt zu langweilig in einer Welt, in der alle und alles durchorganisiert sein will und jede freie Minute noch "sinnvoll genutzt" werden muss.

Nur: dies alles widerspricht der Natur des Menschen und die lässt sich nicht bescheissen, jedenfalls nicht über längere Zeit.

Wo sind eigentlich die Philosophen und die Soziologen der heutigen Zeit? Wo sind die Kurt Imhofs? Warum nehmen die so wenig bis gar keinen Einfluss auf die Gelüste entarteter intellektueller Genossen aus der Wirtschaftswelt? Könnte es eventuell daran liegen, dass es sich bei diesen "Führern" der Wirtschaft um geisteskranke Fanatiker handelt, die jeden Bezug zur Realität verloren haben? Oder sind es einfach die rücksichtlosen Machtgelüste jener, die für ihre Taten nicht zur Verantwortung gezogen werden?
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