Crypto_Ausschuss des Europaparlaments befasst sich mit «Echelon»
Abhör-Vorwürfe gegen Crypto in Zug
publiziert: Mittwoch, 23. Feb 2000 / 19:53 Uhr

Brüssel - Die Zuger Firma Crypto AG soll laut dem Bericht eines britischen Journalisten von ihr hergestellte Chiffriergeräte manipuliert haben, um US-Geheimdiensten Abhörungen zu ermöglichen. Die Firma weist die Vorhaltungen zurück.

Der Brite Duncan Campbell hatte den Bericht auf Anfrage des Europaparlaments erstellt. In dem am Mittwoch in Brüssel einem Parlamentsausschuss vorgelegten Dokument beschreibt er, wie mit dem von den USA und Grossbritannien 1948 lancierten System «Echelon» Kommunikations-Einrichtungen in Europa abgehört worden sein sollen.

Spur in die Schweiz
Dass mit Grossbritannien ein Mitglied der Europäischen Union (EU) andere EU-Länder abgehört haben soll, hat in der EU bereits lebhafte Debatten ausgelöst. Telefon-, Fax-, Satelliten- und elektronische Übertragungsnetze sollen sowohl im diplomatischen wie auch wirtschaftlichen Bereich abgehört worden sein.
Unter anderem soll dabei die National Security Agency (NSA), einer der drei Geheimdienste der USA, auch europäische Chiffriersysteme unterwandert haben. In diesem Zusammenhang «das wichtigste Ziel der NSA-Aktivitäten war eine bedeutende Schweizer Herstellerfirma, die Crypto AG», schreibt Campbell.

Code an US-Geheimdienst
Laut dem Briten soll es so den abhörenden Geheimdiensten möglich geworden sein, die diplomatischen und militärischen Übermittlungen von über 130 Ländern zu überwachen. Gelaufen seien die Kontakte über den Firmengründer von Crypto, Boris Hagelin; periodisch seien bei Crypto «Berater» erschienen, die für die NSA gearbeitet hätten.
Campbell beschreibt dabei auch die angewandte Methode: Wenn ein Crypto-Gerät eine verschlüsselte Botschaft übermittelte, soll gleichzeitig der Schlüssel selbst übermittelt worden sein. Den Code, um diesen Schlüssel zu lesen, habe indes nur die NSA besessen.
Laut dem Bericht war die Wahl auf Crypto gefallen, weil sich die Firma nach dem Zweiten Weltkrieg eine starke Marktstellung mit Verschlüsselungssystemen erworben hatte und zudem von der Neutralität und dem guten Image der Schweiz profitierte. Viele Regierungen hätten Produkten aus Grossmächten misstraut.

Crypto weist Vorwürfe zurück
Die Crypto AG weist die Vorhaltungen Campbells zurück. Das Unternehmen habe schon am vergangenen Samstag den Mitgliedern des Parlamentsausschusses ein «klares Dementi» geschickt, sagte ein Crypto-Sprecher auf Anfrage: Die Vorwürfe hätten «weder Hand noch Fuss».
Nach Angaben des geschäftsführenden Direktors von Crypto, Armin Huber, fusst der Bericht von Campbell auf einem Artikel der «Baltimore Sun» von 1995. Das Blatt habe jedoch damals eine Gegendarstellung von Crypto abgedruckt.
Bereits nach der Festnahme des ehemaligen Crypto-Mitarbeiters Hans Bühler 1993 im Iran wegen angeblicher Spionage hatten Medien über einen allfälligen Zusammenhang mit Chiffriergeräten berichtet: Gelieferte Berichte sollen vom US-Geheimdienst abgehört worden sein. Crypto dementierte die Vorwürfe jedoch wiederholt.

Fragen zu den Quellen
Im Ausschuss für öffentliche Rechte des EU-Parlaments sprach dessen Präsident, der britische Liberale Graham Watson, Campbell denn auch auf die Zuverlässigkeit seiner Quellen an. Campbell antwortete, dass die Zeitungen, denen er die Vorhaltungen gegen die Firma entnommen hatte, seines Wissens diese Angaben nie widerrufen mussten.

(klei/sda)

.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Judith Bellaiche setzt sich als Wirtschafspolitikerin konsequent für Innovation und Digitalisierung ein.
Judith Bellaiche setzt sich als Wirtschafspolitikerin konsequent für ...
Judith Bellaiche vertritt die ICT Branche  Kürzlich wurde die neue Geschäftsführerin von Swico, Judith Bellaiche, von ihrer Partei als Nationalratskandidatin nominiert. Der Vorstand freut sich - und hofft auf ein positives Wahlergebnis. mehr lesen 
Gotthard 2016  Berlin - «Tunnel» - mit sechs Riesenbuchstaben feiert die Schweizer Botschaft in Berlin die Eröffnung des neuen Gotthard-Basistunnels. Während zwei Monaten wird der ... mehr lesen 1
Die Schweizer Botschaft in Berlin mit Tunnel-Schriftzug.
Reaktionär  Bern - Gegen die geplante Stiefkindadoption für Homosexuelle regt sich Widerstand. Sollte das Parlament das neue Adoptionsrecht in der vorliegenden Form verabschieden, will ein überparteiliches Komitee aus den Reihen der SVP, CVP und EDU das Referendum ergreifen. mehr lesen   3
Finanzhilfen für bestehende Grosswasserkraftwerke waren im ersten Massnahmenpaket zur Energiestrategie ursprünglich nicht vorgesehen.
Ständerat schwenkt auf Linie des Nationalrats  Bern - Grosswasserkraftwerke sollen Subventionen erhalten, wenn sie den Strom zu tiefen Preisen ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich -3°C 2°C Nebelfelderleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebelfelder recht sonnig
Basel -4°C 3°C Nebelfelderleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen -4°C 2°C Nebelfelderleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern -3°C 4°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebelfelder recht sonnig
Luzern -2°C 2°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebelfelder recht sonnig
Genf -1°C 5°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wechselnd bewölkt
Lugano 0°C 9°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten