Analysierte Daten
Abstammung von Ötzis Eltern entschlüsselt
publiziert: Donnerstag, 14. Jan 2016 / 11:16 Uhr
Neuigkeiten über Ötzis Vorfahren.
Neuigkeiten über Ötzis Vorfahren.

Bozen - Der mütterliche Familienzweig von Steinzeitmann Ötzi ist wahrscheinlich ausgestorben. Dies konnten Forscher der Europäischen Akademie Bozen bestätigen, indem sie Ötzis Erbgut mit dem von über 1000 Menschen verglichen.

6 Meldungen im Zusammenhang
Auch der Abstammung der Mutter kamen die Forscher so auf die Spur: Sie habe einer kleinen, lokalen Alpenbevölkerung angehört, berichtet das Team im Journal «Scientific Reports». Die Forscher hatten das Erbgut aus den Mitochondrien, den Energiekraftwerken der Zelle, untersucht.

«Die mitochondriale DNA erzählt uns, gemeinsam mit dem Y-Chromosom, die genetische Geschichte des Menschen», sagte die Hauptautorin der Studie, die Biologin Valentina Coia. Diese mitochondriale DNA verändere sich nur sehr langsam und werde nur von Müttern weitergegeben. Das Y-Chromosom wird hingegen nur von den Vätern vererbt.

Mütterlicher Zweig lebte nur im Alpenraum

Die analysierten Daten stammten zum Grossteil aus älteren Studien, wurden aber durch 42 neue Proben aus dem Alpenraum ergänzt. Ergebnis: Der mütterliche Familienzweig von Ötzi ist aller Wahrscheinlichkeit nach ausgestorben.

Eine Studie von 2008 war auch zu diesem Schluss gekommen, hatte aber nur 85 Proben analysiert, die von Menschen ausserhalb des Alpenraums stammten. Einen Grund für das Aussterben zeigte ein Vergleich des Erbguts von Ötzi mit dem anderer Funde aus der Jungsteinzeit. Demnach kam die mütterliche Linie zu der Zeit wahrscheinlich nur im Alpenraum vor.

Väterliche Linie überdauert bis heute

Die genetische Linie von Ötzis Vater hingegen war in der Jungsteinzeit in ganz Europa verbreitet und findet sich dort auch heute noch. Bereits 2013 waren bei einer Studie des Instituts für Gerichtliche Medizin der Universität Innsbruck 19 lebende männliche Verwandte von Ötzi in Tirol aufgespürt worden. Damals wurden DNA-Analysen von rund 3700 Männern erstellt, die in Tirol ihr Blut spendeten.

Die etwa 5300 Jahre alte Gletschermumie wurde 1991 in den Ötztaler Alpen im Grenzgebiet von Italien und Österreich gefunden. Ötzi lagert im Archäologischen Museum im italienischen Bozen. Seit 25 Jahren wird er von Dutzenden Wissenschaftern auf seine Abstammung, seine Krankheiten und seine Lebensumstände untersucht.

So ist unter anderem bekannt, dass Ötzi getötet wurde: Er hatte gebrochene Rippen und eine Pfeilspitze in der Schulter. Zudem soll er kurz vor seinem Tod Ziegenbock-Fleisch gegessen haben. Zuletzt war unter anderem entdeckt worden, dass der weltberühmte Mann aus dem Eis mit dem Magenkeim Helicobacter pylori infiziert war.

(bg/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Wien - Der Gletschermann Ötzi hat Doppelgänger aus dem 3-D-Drucker bekommen. Das Südtiroler Archäologiemuseum in ... mehr lesen
Der Doppelgänger-Ötzi kommt aus dem Drucker.
Durch das Scannen und Bearbeiten von Röntgenbildern wird die Stimme rekonstruiert.
Bozen - Die berühmte Gletschermumie «Ötzi» soll in Zukunft von den Besuchern des Südtiroler Archäologiemuseums nicht nur ... mehr lesen
Brig VS - Seit der Entdeckung der sterblichen Überreste eines vor 400 Jahren auf dem Theodulpass bei Zermatt verstorbenen Mannes ist viel über den sensationellen Fund geforscht worden. Die Ergebnisse münden nun in einem Buch und einer Ausstellung in Brig VS. mehr lesen 
Bozen - Gletschermann Ötzi war mit dem Magenkeim Helicobacter pylori infiziert. Es sei sogar eine aggressive Variante des ... mehr lesen
Die Gletschermumie ist etwa 5300 Jahre alt.
Bozen - Wissenschafter haben durch eine nicht-invasive fotografische Technik eine bisher unbekannte Tätowierung auf der Gletschermumie Ötzi entdeckt. Das gefundene Tattoo soll nun neue Einblicke in die Bedeutung von Tätowierungen in vorgeschichtlicher Zeit liefern. mehr lesen 
Weitere Artikel im Zusammenhang
Innsbruck - Österreichische Wissenschaftler haben mittels DNA-Analyse insgesamt 19 heute lebende Tiroler ausfindig gemacht, die mit dem «Ötzi» verwandt sind. Sie vermuten, dass es auch in der Schweiz Personen geben könnte, die gemeinsame Vorfahren mit «Ötzi» haben. mehr lesen 
Die untergeordneten Männchen haben bessere Spermien.
Die untergeordneten Männchen haben bessere ...
Erfolg liegt nicht in der Dominanz  Neuenburg - Spatzenmännchen gleichen einen hierarchisch untergeordneten Status durch besseres Sperma aus. Forscher der Universität Neuenburg zeigen, dass sie mehr in den Schutz ihrer Samenzellen investieren als ihre dominanten Artgenossen. 
Enorme Fehlerquote nachgewiesen  Software, die bei der Einstufung von Kriminellen helfen und Wiederholungstaten ...
Die Algorithmen sind so effektiv wie ein Münzwurf. (Symbolbild)
Die Mongolen waren früher mal in Ungarn. (Symbolbild)
Neue Hinweise geliefert  Birmensdorf ZH - Forschende spekulieren seit Langem, warum sich die Mongolen im 13. Jahrhundert ...  
Patienten nicht angemessen behandelt  Paris - Die Finanzkrise hat einer Studie zufolge zwischen 2008 und 2010 weltweit zum Tod von 500'000 Menschen durch Krebs beigetragen. Zahlreiche Patienten seien nicht mehr angemessen behandelt worden.  
Titel Forum Teaser
 
Wettbewerb
   
Die Alp Grosser Mittelberg im Justistal.
Viel Glück  Die Alpsaison steht vor der Tür. Damit Wanderfreunde den Weg zu den schönsten Alpbeizli finden, haben wir ein Gewinnspiel parat.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 13°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Basel 14°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
St. Gallen 13°C 23°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Bern 12°C 25°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Luzern 13°C 25°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Genf 13°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Lugano 13°C 24°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Gewitter möglich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten