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Absurder Doping-Zeitenwandel
publiziert: Freitag, 24. Aug 2012 / 11:53 Uhr

Der Entschluss von Lance Armstrong, seinen Kampf gegen die Doping-Behörden aufzugeben, wird ihn voraussichtlich seine sieben Tour de France-Siege kosten. Dass so hingegen «saubere» Sportler nachträglich die Titel bekommen werden, ist eine Illusion. Der Profi-Radsport der 90er war eine einzige Epo-Party. Heute findet diese anderswo statt.

Erfolg beginnt im Kopf - auch die Niederlage, das Versagen
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Auf dem professionellen Radsport rum zu hacken ist relativ einfach. Fast zu einfach. Doping hat dort eine unrühmliche und bekannte Tradition. Aber es gibt auch Gründe für diesen himmeltraurigen Aspekt dieses Sportes.

Zum einen die Struktur, die im Strassenrennsport nur sehr wenigen Athleten ein halbwegs vernünftiges Einkommen erlaubt. Während es im Fussball zum Beispiel eine zweite Liga gibt, wo selbst mittelprächtige Spieler noch ein Angestelltengehalt bekommen können, ist im Radsport hungern angesagt.

Dazu kommt noch die extreme, rein physische Ausrichtung der Sportes: Dem Körper (bei Rundfahrten wie der Tour) über mehrere Wochen praktisch täglich während Stunden Maximalleistung abzufordern, macht Doping vom Effekt her sehr lohnend. Wer dank ein paar Spritzen nach der zweiten Woche nicht eingeht, weil der Körper ausgelaugt ist, wird der Versuchung nur schwer widerstehen können.

Zudem kann mit EPO härter und länger trainiert werden, was wiederum dazu führt, dass Renndistanzen mit einem Tempo gefahren werden können, die ohne die schnellere Regenartion des Körpers durch dieses Mittel, unmöglich wären.

Und die Frage, wieso diese Männer ihre Gesundheit dafür riskieren, um sich zu dopen, ist ohnehin absurd. Wer mit teils dreistelliger Geschwindigkeit ungesicherte Passstrassen auf 20 mm breiten Reifen hinunterrast und nach jeder Kurve nochmals Schub gibt, wer also bewusst sein Leben auf hunderten Kilometern schmaler Bergstrassen aufs Spiel setzt, der schert sich einen Krümel darum, ob er in 20 Jahren mit zerschossenem Kreislauf den Löffel abgibt.

Armstrong hat das System, das vermutlich schon mit Indurain und ganz sicher mit Bjarne Rijs begonnen hat, zur Perfektion geführt. EPO, systematisch eingesetzt, macht aus guten Radfahrern, extrem gute und eine Mannschaft, die diese Taktik perfektioniert - wie eben US-Postal - ist praktisch unschlagbar.

Nur damit, dass dieses Mittel, das ja eigentlich identisch mit dem körpereigenen Hormon ist, nachweisbar werden könnte, damit haben die Teamtaktiker damals nicht gerechnet. Doch warum auch - Doping war weit verbreitete Taktik und die Champions, die sich das damals noch teure Zeug spritzen liessen hatten ebenso wenig Unrechtsbewusstsein wie korrupte Politiker.

Mit der Ep(l)osion von Armstrong und dem Sturz von seinem Podest ist der Sündenbock zwar in die Wüste gejagt, aber der saubere Sport - vor allem im Breitensport - wird eine Illusion bleiben. Nicht zuletzt, weil die Motivation der Profis, sich zu dopen, besser gedämpft werden kann, als jene der ehrgeizigen Amateure. Zudem hat Armstrong das Pech, in einem Land mit einer funktionierenden Anti-Doping-Agentur zu leben...

Während Kontrollen und die Androhung der Aberkennung von Siegen (und den entsprechenden Preisgeldern), direkt den Antrieb der Betrüger bremsen, breitet sich das Doping bei Amateuren, bei denen die sportlichen Erfolge vor allem ihr Ego füttern, immer weiter aus. EPO ist erschwinglich geworden, Internet-Händler bieten mehr oder weniger authentische Medikamente an, die in unauffälligen Schachteln an die Haustür gebracht werden.

Zudem werden bei Massenveranstaltungen - wenn überhaupt - nur sehr wenige Teilnehmer getestet - die persönliche Bestleistung, der 100 Plätze bessere Schlussrang, der Triumph über den nervigen Konkurrenten wird einem nicht aberkannt werden. Und die Lebensgefahr, in die sich der Freizeitdoper begibt, ist ihm gar nie bewusst.

So sind wir in der absurden Situation, dass bei einem Volkslauf, einem grossen Triathlon oder einem Volksradrennen womöglich mehr Doper als an der letzten Tour de France unterwegs sind. Fragt sich, ob das der Zeitenwandel ist, der mit Armstrongs Sturz vom Tour-Thron hätte eingeläutet werden sollen.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

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