Ackermanns Vertrag wird verlängert
publiziert: Dienstag, 31. Jan 2006 / 14:34 Uhr

Frankfurt - In London ist für Josef Ackermann die Welt noch in Ordnung. Dort strahlte der Chef der Deutschen Bank vor wenigen Tagen, als er den Titel Bank des Jahres entgegen nehmen konnte.

Josef Ackermann: Schlechtes Image - Gute Zahlen.
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«Nichts bereitet uns grössere Freude, als zu sehen, dass unsere Fortschritte auf diese Weise anerkannt werden», so Ackermann. Im fernen Deutschland dagegen hat es Ackermann schwer: Seine Leistungen werden in der breiten Öffentlichkeit nicht recht gewürdigt - stattdessen ist die Justiz hinter dem 57-jährigen Bankchef her.

Fühlt sich unschuldig

Dabei fühlt sich Ackermann gänzlich unschuldig. Selbst UNO-Generalsekretär Kofi Annan habe ihm versichert, knapp 60 Mio. Euro Abfindungen, die er als Mannesmann-Aufsichtsrat den Managern genehmigte, seien «Industriestandard». Eine Meinung, die viele in der Wirtschaft teilen - auch der Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

Und obwohl Ackermann wegen eben jener Abfindungen bald erneut auf der Anklagebank in einem Mannesmann-Prozess sitzt, will das Gremium den millionenschweren Vertrag Ackermanns am Mittwoch verlängern.

Dabei hat der gebürtige Schweizer mit dem Hang zu Kommunikationsschwächen das Image der Deutschen Bank mehr als einmal angekratzt. Etwa, als er vor einem Jahr gleichzeitig einen Milliardengewinn und den Abbau von 6400 Arbeitplätzen verkündete - einen Tag, nachdem die Zahl der Arbeitslosen erstmals die Fünf-Millionen-Marke überschritten hatte.

«Ich bin ein ehrlicher Mensch und ich denke, wir sollten auch so ehrlich kommunizieren», versuchte Ackermann später den Ausrutscher zu erklären.

Jüngster Fauxpas

Auch der jüngste Fauxpas entsprang im Grunde nur der ehrlichen Überzeugung des promovierten Ökonomen, dass jede Geldanlage mit einem gewissen Risiko verbunden ist. Dennoch erwies Ackermann der Bank und der gesamten Branche einen Bärendienst, als er zwei Tage zögerte, um dann nur einem Teil der Kunden seines strauchelnden Immobilienfonds «Grundbesitz-Invest» zu Hilfe zu eilen.

Die Bank hatte den Fonds jahrelang als sichere Geldanlage verkauft. Sollte sich zudem der Verdacht bestätigen, dass einige Investoren vor der plötzlichen Fondsschliessung gewarnt wurden, wäre dies ein Skandal.

Dass der Aufsichtsrat dennoch bedingungslos hinter Ackermann steht, hat handfeste Gründe. Zunächst mangelt es an Alternativen. Neben Ackermann gibt es offenbar keinen, den die beiden Lager - die Londoner Investmentbanker einerseits und die Frankfurter Deutsch-Banker andererseits - ohne weiteres akzeptieren würden.

Zudem steht die Bank unter Ackermann glänzend da. Bei der Vorlage der Bilanz am Donnerstag wird der Chef nicht nur einen Milliardengewinn verkünden können, sondern auch seinen persönlichen Triumph: die Eigenkapitalrendite von 25 Prozent.

Ziele erreicht

Ein Ziel, auf das er seit seinem Amtsantritt im Mai 2002 hingearbeitet hat, an dem er sich messen lassen wollte, und das viele für zu ambitioniert hielten. Mehr als 20 000 Mitarbeiter mussten dafür unter seiner Führung gehen, während die Investmentbanker Milliardenboni kassierten.

Doch auch der Aufsichtsrat ist im Moment nur bedingt handlungsfähig. Denn der Vorsitzende Rolf Breuer hat selbst Ärger mit der Justiz. Vergangene Woche entschied der Bundesgerichtshof, dass der damalige Bankchef mit seiner öffentlichen Plauderei über die Finanzlage von Medienmogul Leo Kirch zu dessen Untergang beigetragen habe und machte den Weg frei für Schadenersatzforderungen. «Ich werde von vielen Seiten ermuntert, durchzuhalten und weiterzumachen. Genau das habe ich vor», hielt Ackermann seinen Kritikern entgegen.

(Katharina Becker/afp)

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