Adi Wichser: Der 'Hockey Beckham' made in Switzerland
publiziert: Donnerstag, 30. Dez 2004 / 15:36 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 30. Dez 2004 / 16:00 Uhr

Er hat alles, um ein Eishockey-Popstar zu sein: Das Aussehen, eine prominente und schöne Lebensgefährtin (Nina Havel!) und die technischen Fertigkeiten. Es fehlt ihm nur noch der absolute Top-Durchbruch. Aber dieser ist möglicherweise in den nächsten Monaten zu erwarten.

Die Fans mögen den smarten Adrian, der eigentlich die Erscheinung eines „Hockey-Beckham“ hat. Gemeinsamkeiten mit dem englischen Fussballstar gibt es durchaus: Die coole Erscheinung ist das eine, seine feine Technik und die Spielintelligenz das andere. Aber Nationalspieler Adrian Wichser ist keine Ikone des Eishockeysports wie etwa Beckham im Fussball, geworden, obwohl er einige Voraussetzungen hierfür gehabt hätte.

Grosse Erwartungen

Adrian Wichser, der es auch schon "dank" des Deutschen TV-Blödelbarden Stephan Raab in Deutschland zu einer kurzzeitigen Popularität brachte, sagt man lange vieles nach: Er sei zu weich etwa, oder seine Abschlussqualitäten seien international nicht ausreichend. Was aber unbestritten ist: Adrian Wichser ist technisch, läuferisch und taktisch einer der intelligentesten Schweizer Spieler.

Einst wurde er, wie einige seines Jahrganges auch, voreilig zum kommenden Superstar des Schweizer Eishockeys emporstilisiert. Viele sprachen bereits von einem Pionier einer neuen Playmaker-Generation. Wichser wurde auch bereits als 18jähriger 1998 gedraftet (an Nummer 231 von den Florida Panthers, im gleichen Jahr wie Julien Vauclair), und dies zu Beginn der ganz grossen Aufbruchszeit des Schweizer Hockeys. Alles deutete auf eine grandiose internationale Karriere hin.

Aber der Weg zur Spitze verlief nicht nur geradlinig. Bald einmal haben ihn Verletzungen zurückgeworfen und man hatte sich damit abgefunden, dass der Ex-Klotener in Diensten des HC Lugano zwar national zur Spitzenklasse gehört, aber international nur Durchschnitt sei. Nun beweist er seit einiger Zeit, dass er sich nicht auf diesen Qualitäten auszuruhen gedenkt. Adi Wichser hat an Muskelmasse zugelegt, wurde vom Künstler zu einem Arbeitstier, ohne aber an Speed oder technischen Fertigkeiten einzubüssen.

Eigene Karriere als Spiegelbild der Entwicklung der "Nati"

Seine Leistungen bei den letzten internationalen Turnieren und im entscheidenden Spiel für den Viertelfinal-Einzug gegen Deutschland und der couragierte Einsatz mit Torerfolg gegen die Slowaken im Viertelfinal unterstrich die offensichtlichen kämpferischen Qualitäten des "neuen Adrian Wichser": Er liess sich fitspritzen und spielte unter Schmerzen seine beste WM-Partie. Er tankte sich durch, nahm die Zweikämpfe an und riss Löcher. Der Focus auf die Weiterentwicklung seiner Physis hat sich bezahlt gemacht.

Adrian Wichser hat seine internationale Entwicklung beinahe parallel zur derjenigen der Nationalmannschaft unter Ralph Krueger erlebt. Adrian Wichser: "Bei mir verlief es wie mit der Nationalmannschaft persönlich auch nicht immer nach Wunsch. Als ich so richtig durchstartete, kamen Verletzungen, die mich zurückwarfen. Das bremste mich sicherlich für zwei bis sogar drei Jahre in der sportlichen Entwicklung, aber dafür habe ich auf dem mentalen Gebiet viel gelernt. Neben dem Eis habe ich mich weiterentwickelt, während es sportlich stagnierte. Aber man lernt viel in diesen Phasen des Lebens: Das Wort Geduld bekommt eine neue Bedeutung und diese Erfahrungen bringen einem doch recht viel."

Wichser wurde schon sehr früh als der "kommende Sniper", als ein Goalgetter und Playmaker der Zukunft gefeiert. Man erwartete vom jungen Adrian Wichser, dass er zu einem Superstar heranreifen sollte. So weit ist es (noch) nicht gekommen, trotz viel Talent. Sind das Wunschträume einer Hockeygemeinschaft, die nach solchen Typen dürstet...?

Adrian Wichser: "Man hat sehr schnell grosse Hoffnungen in mich gesteckt. Vielleicht erwarte man zu viel von mir. Ich war eigentlich nur in meiner ersten Saison ein Vollstrecker. Vielleicht war der Druck nach den ersten Erfolgen in der NLA schon zu gross, alle Erwartungen erfüllen zu müssen. Meine Rolle ist eher der Passgeber, der Assistgeber als der typische Sniper."

"Aber ich verstehe, dass man in der Schweiz sich eine solche Persönlichkeit herbeiwünscht. Man sieht es ja auch bei dieser Weltmeisterschaft, wie viel solche Top-Torjäger wert sind. Ich weiss nicht, ob man so was wie den Torriecher erlernen oder entwickeln kann. Aber man kann sich einiges von Topstars z.B. bei Peltonen bei uns in Lugano abschauen. Sicherlich aber, muss der Torriecher irgendwie in einem selbst sein, fast wie angeboren."

Eishockey.ch- Scouting Report Adrian Wichser

JW. - Notengebung 1 bis 7 gemäss einem international anwendbaren Notenschlüssel. 7 = herausragend/Weltklasse, 6= Internationale Klasse, 5= NLA-Spitze, 4= NLA-Durchschnitt, 3= Rollenspieler, 2= NLA-würdig aber mit Mängel, 1= NLA-unwürdig

Technik/Skating: 5,5
Mentale Stärke: 4,5
Physis: 4,5
Kondition: 5
Disziplin: 4,5
Taktisches Verständnis: 5
Schusstechnik: 6
Killer Instinkt: 4,5
Belastbarkeit: 5
Zukunftsaussichten: 5

Total: Note 4,9

(Joël Wèthrich, Working Press Basel-Montreal/eishockey.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich -3°C 1°C Nebelleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt bedeckt
Basel -1°C 2°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich bedeckt
St. Gallen -4°C -1°C Nebelleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt
Bern -4°C 1°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt bedeckt
Luzern -2°C 1°C Nebelleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig bedeckt
Genf -1°C 2°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Lugano -1°C 7°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten