Adriano - das Phänomen und die Raubkopie
publiziert: Dienstag, 24. Aug 2004 / 12:06 Uhr

Die neue Lichtgestalt in der blau-schwarzen (Fussball-)Welt heisst Adriano. Der brasilianische Stürmer ragt aus der von Stars gespickten Squadra von Inter Mailand noch heraus.

Adriano gehört die Zukunft.
Adriano gehört die Zukunft.
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Es war nur eine kurze Episode, aber sie passte sie herrlich zum Chaos, in dem sich Inter im vergangenen Frühjahr befand: Die Verkäuferin eines Musikgeschäfts in Mailands berühmter Einkaufsstrasse Corso Buenos Aires alarmierte die Polizei, weil ein dunkelhäutiger Mann mit über 20 Tonträgern unter dem Arm zwischen den Regalen hin und her schlenderte. Sie erachtete den Typ als "Vu Cumpra" (von "vuoi comprare?" -- "willst du kaufen?"); so werden in Italien die Verkäufer von Raubkopien verächtlich genannt.

Als die Polizei eintraf, hatte sich das Ganze bereits als peinlicher Irrtum herausgestellt; Jugendliche hatten den angeblichen "Vu Cumpra" erkannt. Es handelte sich weder um einen Asyl Suchenden noch um einen illegalen Einwanderer, sondern um den Brasilianer Leite Ribeiro Adriano, der neue Stürmer von Inter Mailand, der eben von Parma in die lombardische Metropole zurückgekehrt war.

Nach Florenz abgeschoben

So typisch der Vorfall für das den Pleiten, Pech und Pannen scheinbar verfallene Inter war, so untypisch war die Geschichte an sich. Denn Adriano braucht normalerweise nicht lange, um in seinem Umfeld einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Als der U17-Weltmeister von 1999 vor drei Jahren ein erstes Mal zu Inter wechselte, schoss er in der ersten Partie in einem Freundschaftsspiel gegen Real Madrid ein sensationelles Freistosstor für die "Nerazzurri".

Der Brasilianer wurde überschwänglich gelobt, setzte sich aber in Mailand nicht durch und wurde im Herbst nach nur acht Spielen abgeschoben. Bis zum finanziellen Kollaps und dem Zwangsabstieg der Fiorentina spielte er während einiger Monate in Florenz.

Von Parma freigekauft

Zum Star reifte Adriano in den folgenden anderthalb Jahren in Parma dank 23 Toren in 37 Partien für die "Gialloblu". Mit dem italienischen Shooting-Star Gilardino bildete er ein geniales Sturmduo, bis auch die Misswirtschaft in Parmas Präsidium einen weiteren Klubwechsel nötig machte.

Nachdem Adriano aus den Weihnachtsferien in Brasilien zurückgekehrt war, wo er in den Armenvierteln seines Geburtsorts Rio de Janeiro Körbe mit Esswaren (gesponsert vom maroden Parmalat-Konzern) an Kinder verteilt hatte, kaufte ihn Inter Mailand für rund zehn Millionen Franken von Mit-Eigentümer Parma frei.

Vergleiche mit Ronaldo

Zurück in Mailand brauchte Adriano wiederum nur wenige Minuten, um spielerische Brillanz ins Inter-Ensemble zu bringen. Zwei Tore der Sonderklasse steuerte er am 1. Februar zum 4:0-Heimsieg gegen Siena bei. "Wir haben wieder ein ´Fenomeno´", jubelten die Tifosi auf den Tribünen. In der Tat braucht Adriano den Vergleich mit seinem Landsmann Ronaldo nicht zu scheuen.

Der kräftige Stürmer verfügt über durchwegs herausragende Qualitäten -- Technik, Schusskraft, Torriecher, Kopfball und Spielübersicht. Dies bewies er im Juli an der Copa America, als er Brasilien mit sieben Toren fast im Alleingang zum Triumph schoss. Damit erlangte Adriano auch in der Heimat Heldenstatus -- wie Ronaldo.

"Er wird der beste Stürmer der Welt werden", prophezeit sein Trainer Roberto Mancini. Und Inters Präsident Giacinto Facchetti spricht dank Adriano endlich wieder laut davon, dem Stadtrivalen Milan nach vielen Jahren der Demütigungen den Rang ablaufen zu können. Spätestens dann würde auch die letzte CD-Verkäuferin im Zentrum Mailands den vermeintlichen "Vu Cumpra" erkennen.

(von Stefan Wyss, Mailand/Si)

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