Vergeltung nach Enthauptung von Kopten
Ägypten greift IS-Ziele in Libyen an
publiziert: Montag, 16. Feb 2015 / 09:00 Uhr / aktualisiert: Montag, 16. Feb 2015 / 19:46 Uhr
Ägyptische Kampfflugzeuge flogen gezielte Luftangriffe.
Ägyptische Kampfflugzeuge flogen gezielte Luftangriffe.

Kairo - Nach der Enthauptung mehrerer Kopten hat die ägyptische Luftwaffe am frühen Montagmorgen Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Libyen angegriffen. Die Flugzeuge bombardierten Stellungen sowie Waffen- und Munitionslager des libyschen IS-Ablegers, wie es in einer Mitteilung der Armee hiess.

5 Meldungen im Zusammenhang
Am Sonntag war im Internet ein Video veröffentlicht worden, das die Enthauptung der Ägypter durch IS-Extremisten in Libyen zeigen soll. Anhänger der Terrormiliz hatten dort nach eigenen Angaben seit Wochen 21 koptische Christen aus Ägypten in ihrer Gewalt und sie mit dem Tod bedroht.

Ob das jüngste Video echt ist, war zunächst nicht unabhängig zu prüfen. Es war auch nicht klar, ob alle 21 Geiseln getötet wurden. Doch die Regierung in Kairo und die Koptische Kirche bestätigten die Ermordung der Geiseln.

Die Vereinten Nationen, die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Länder, darunter die Schweiz, verurteilten die Tötungen mit scharfen Worten. Auch Papst Franziskus sagte, die Geiseln seien ermordet worden, nur weil sie christlichen Glaubens seien.

Ägypten fordert ein Eingreifen des UNO-Sicherheitsrates. Die internationale Gemeinschaft müsse neue Massnahmen ergreifen, um das Vordringen der IS-Miliz in Libyen zu verhindern, hiess es am Montag nach einem Telefongespräch der Präsidenten Frankreichs und Ägyptens, François Hollande und Abdel Fattah al-Sisi.

Bürgerkriegsähnliche Zustände

In Libyen sorgen Extremisten seit Monaten für Unruhe. Mit Islamisten verbündete Milizen hatten vergangenes Jahr die Hauptstadt Tripolis besetzt. Die international - auch von Ägypten - anerkannte Regierung musste in den Osten des Landes ausweichen.

Nach US-Angaben hatten sowohl Ägypten als auch die Vereinigten Arabischen Emirate bereits in der Vergangenheit an geheimen Luftschlägen gegen islamistische Kräfte in Libyen mitgewirkt.

Unterschiedliche Reaktion in Libyen

Das international nicht anerkannte Parlament in der libyschen Hauptstadt Tripolis verurteilte die Angriffe der ägyptischen Luftwaffe. Der Beschuss sei eine "Attacke gegen die Souveränität Libyens" sagte ein Sprecher.

Der international anerkannte Regierungschef Abdullah al-Thinni sprach sich für ausländische Interventionen aus. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte Al-Thinni, die "Weltmächte" sollten "militärische Angriffe" gegen die dschihadistischen Milizen IS und Al-Kaida starten.

Gaddafis Militäranlagen von Dschihadisten genutzt

Nach Angaben des ägyptischen Aussenministeriums wurden überwiegend Ziele in der östlichen Region Derna bombardiert. Sie gilt als Hochburg jener Terrorgruppe, die im Oktober dem IS die Treue schwor. Sie hat sich nach eigener Darstellung nun in einen ost- und einen westlibyschen "Staat" zu Diensten der IS-Miliz unterteilt.

Laut der Zeitung "Libya Herald" wurden unter anderem Militäranlagen aus der Zeit von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Süden und Südosten von Derna bombardiert, die inzwischen von den Dschihadisten genutzt würden.

In einer Mitteilung des ägyptischen Militärs hiess es, Kampfflugzeuge hätten Waffenverstecke und Übungscamps der Terroristen angegriffen. Nach Angaben der libyschen Luftwaffe waren auch eigene Maschinen an den Luftschlägen beteiligt. Die Kampfjets hätten Ziele nahe der Städte Bengasi und Sirte angegriffen, sagte Stabschef Sakir al-Dschuruschi der libyschen Nachrichtenseite "Al-Wasat".

Staatstrauer in Ägypten

Ägyptens Regierung rief eine siebentägige Trauerzeit aus. Staatschef Al-Sisi sagte: "Diese feigen Aktionen werden nicht unsere Entschlossenheit unterminieren." Die Koptische Kirche wandte sich an ihre Gläubigen. "Sie können gewiss sein, dass ihre grosse Nation nicht ruhen werde, bis Vergeltung an den niederträchtigen Kriminellen geübt wird."

(fest/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Tripolis - Die stockenden Friedensgespräche im Bürgerkriegsland Libyen sollen noch in dieser Woche wieder aufgenommen werden. Alle eingeladenen Konfliktparteien hätten zugestimmt, an einem Treffen in Marokko teilzunehmen, erklärte die UNO-Mission für Libyen. mehr lesen 
Tripolis - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Verantwortung für einen ... mehr lesen 1
In dem Chaos in Libyem fassen radikale Organisationen wie der IS immer stärker Fuss. (Symbolbild)
Die meisten Europäer und US-Amerikaner haben bereits vor Monaten das Land verlassen. (Symbolbild)
Rabat - Marokko will seine Staatsbürger aus dem Bürgerkriegsland Libyen in Sicherheit bringen. Nach Regierungsangaben vom Donnerstag ist eine hochrangige Delegation bereits an den ... mehr lesen
Doha - Wegen Unstimmigkeiten über die ägyptischen Luftangriffe gegen die ... mehr lesen 1
Am Montag hatte die ägyptische Luftwaffe mutmassliche Stellungen der Dschihadisten in Libyen bombardiert. (Symbolbild)
Kairo - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat in Libyen nach eigenen Angaben koptische Christen enthauptet. Der IS veröffentlichte am Sonntag im Internet ein Video, das die Tötung mehrerer Geiseln an der Küste in der libyschen Hauptstadt Tripolis zeigt. mehr lesen  2
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Übung mit 500 Helfern  Mit einem simulierten Attentat im Stade de France ist am Dienstag ein Worst-Case-Szenario für die EM in Frankreich durchgespielt worden. mehr lesen 
Keine unabhängigen Informationen  Beirut - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Offensive im Norden Syriens am Dienstag fortgesetzt. ... mehr lesen   1
Idlib wurde mindestens sieben Mal aus der Luft angegriffen.
Erster Weltkrieg  Hamburg - Zum 100. Jahrestag der Skagerrak-Schlacht haben Deutschland und Grossbritannien am Dienstag gemeinsam der tausenden Toten des grössten Seegefechts der Geschichte gedacht. mehr lesen  
Die NATO sei weiterhin an einem Dialog mit Russland interessiert.
NATO-Generalsekretär hält Rede in Warschau  Warschau - NATO-Generalsekretär Stoltenberg sieht das Bündnis wenige Wochen vor dem Warschauer Gipfel vor grossen Herausforderungen. Einen neuen ... mehr lesen  1
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 11°C 15°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Basel 11°C 16°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 10°C 14°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Bern 11°C 15°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wolkig, aber kaum Regen
Luzern 11°C 15°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Genf 12°C 17°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Lugano 15°C 20°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich trüb und nass
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten