Demonstrationen in Wisconsin
«Ägypten unterstützt Wisconsin»
publiziert: Freitag, 4. Mrz 2011 / 12:44 Uhr / aktualisiert: Freitag, 4. Mrz 2011 / 13:00 Uhr
Das Bild wurde wohl auf dem Tahrir-Platz in Kairo aufgenommen.
Das Bild wurde wohl auf dem Tahrir-Platz in Kairo aufgenommen.

So wie in Tunesien, Ägypten oder Libyen geht es zwar nicht zu, doch die Amerikaner können momentan beobachten, wie ihre Landsleute im eigenen Land zu rebellieren beginnen. Dabei stellen sie sich die Frage, ob das nur der Vorgeschmack auf wesentlich mehr Ärger ist.

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«Die Emotionen werden so hochkochen, dass wir nicht wissen, an welcher Stelle sie sich Bahn brechen. Wir riskieren, dass es hier zu einer Tragödie kommen wird», meint Dale Schultz, ein republikanischer Abgeordneter aus dem normalerweise beschaulichen Bundesstaat Wisconsin.

Zu normalen Zeiten ist Wisconsin am besten für seinen beliebten Cheddarkäse und die leidenschaftlichen American Football Fans bekannt – und für die Leute, die diese beide Leidenschaften kombinieren, indem sie Sportereignisse besuchen und dabei kunstvolle Hüte in Form riesiger Käsestücke tragen.

Doch wie in vielen anderen US-Bundesstaaten ist auch Wisconsin knapp bei Kasse. Deshalb hat der Gouverneur ein neues Gesetz vorgeschlagen, das die Kürzung der Löhne und Gehälter der Angestellten im öffentlichen Dienst vorsieht und die Rechte der Angestellten bei künftigen Tarifverhandlungen mit dem Bundesstaat stark eingeschränkt.

Tausende wütende Staatsbedienstete gingen auf die Strasse und besetzten das Parlament von Wisconsin. Medienberichten zufolge haben Unterstützer aus ganz Amerika und sogar aus der ganzen Welt bei einem Lieferservice vor Ort Pizza bestellt, um die Demonstranten bei der Stange zu halten.

Schild auf dem Tahrir-Platz

Ein wohl auf dem Tahrir-Platz in Kairo aufgenommenes Foto, auf dem ein Demonstrant ein Schild mit der Aufschrift «Ägypten unterstützt Wisconsin» hochhebt, wurde im Internet zu einem Hit.

Die Abgeordneten der gewerkschaftsnahen demokratischen Partei flohen in angrenzende Bundesstaaten. Damit konnten sie das Quorum im Parlament verhindern, das der republikanische Gouverneur zur Abstimmung über sein Gesetz benötigt.

Die Demonstrationen in Wisconsin sind aber nicht einfach nur die gemässigte Version eines wesentlich erntzunehmenderen Aufstands im Nahen Osten. Sie machen den Amerikanern zum ersten Mal bewusst, dass sie vor den schmerzhaften Budgetkürzungen nicht verschont bleiben, von denen andere Nationen längst betroffen sind.

In Washington führt man hitzige Debatten darüber, wie die Staatsausgaben reduziert werden könnten. Die Regierungen auf bundesstaatlicher und kommunaler Ebene haben es wesentlich schwerer, da sie nicht so einfach Schulden aufnehmen können wie Vater Staat, um ihren Haushalt auszugleichen. Da scheint es naheliegend, einfach die Gehälter im öffentlichen Dienst zu kürzen, um die öffentlichen Ausgaben zu senken. Doch die meisten Menschen stimmen darin überein, dass viele Bereiche bald von den Einsparungen betroffen sein werden.

Da steht wohl noch viel Ärger ins Haus, auch nachdem sich die Lage in Libyen, Tunesien und Ägypten beruhigt hat.

Jonathan Mann - POLITICAL MANN
Dieser Text stammt von Jonathan Mann, Moderator und Journalist bei CNN International. Er moderiert das wöchentliche Politmagazin «Political Mann» auf CNN International. Der Text steht in der Schweiz exklusiv für news.ch zur Verfügung.

(Kolumne von Jonathan Mann/CNN-News)

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