Umfangreichere Dokumentationspflicht
Ärzte beklagen sich wegen Fallpauschalen
publiziert: Mittwoch, 8. Jan 2014 / 14:00 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 9. Jan 2014 / 10:30 Uhr
Ärzte beklagen, sie müssten mehr Büroarbeit leisten. (Symbolbild)
Ärzte beklagen, sie müssten mehr Büroarbeit leisten. (Symbolbild)

Bern - Mit der Einführung der Fallpauschalen vor zwei Jahren ist in den Spitälern wie befürchtet der administrative Aufwand grösser geworden. Zudem versuchten die Krankenversicherer zunehmend, Einfluss auf die Behandlungsverläufe zu nehmen, stellen Ärzte und Ärztinnen fest.

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Die Umstellung auf das Fallpauschalsystem (Swiss DRG) brachte für die Akutspitäler eine umfangreichere Dokumentationspflicht mit sich. In Folge des Systemwechsels habe der administrative Aufwand im stationären Bereich deshalb «klar weiter zugenommen», hält die Ärzteverbindung FMH in einer Mitteilung vom Mittwoch fest.

Innerhalb von drei Jahren habe für die Ärzte der Aufwand für die Patientendossiers und die Dokumentationsarbeit durchschnittlich um fast 20 Minuten pro Woche zugenommen, heisst es weiter. Die FMH beruft sich in ihrem Communiqué auf eine repräsentative Befragung von über 1500 Ärzten und Ärztinnen, die sie beim Forschungsinstitut gfs in Auftrag gegeben hat.

Derzeit geht die Bürokratie laut der FMH noch nicht zulasten der Patienten, da die Ärzteschaft die zusätzlich benötigte Zeit mit Überstunden auffange. Doch die «Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen können nicht unbegrenzt mit Mehrarbeit kompensiert werden», schreibt die FMH weiter. Sie fordert Massnahmen, die zu einer Entlastung von administrativen Tätigkeiten in den Spitälern führen.

Einflussreiche Krankenkassen

Als weiteres Problem orten die Ärzte die Einschränkung der Behandlungsfreiheit und der zunehmende Einfluss der Krankenkassen. 16 Prozent der befragten Ärzte und Ärztinnen aus der Akutmedizin haben nach eigenen Angaben beobachtet, wie Krankenversicherer die Behandlung von Patenten zu beeinflussen versuchten.

Noch höher wird der Einfluss der Krankenkassen in der Psychiatrie und in der Rehabilitation eingeschätzt: 2013 hätten 24 Prozent der Psychiater und 53 Prozent der Ärzte in der Rehabilitation einen Einfluss der Krankenkassen auf die Behandlung beobachtet, heisst es in der Mitteilung weiter.

Verschleppung von Kostengutsprachen

So versuchten die Kassen etwa, durch «restriktive und schleppende» Bearbeitung der Kostengutsprachen die Überweisung der Patienten in die Rehabilitationskliniken zu verzögern. Da in den Reha-Kliniken in Tagespauschalen abgerechnet wird, entsteht für die Kassen ein finanzieller Anreiz, das Ende der pauschal abgerechneten Spitalaufenthalte möglichst hinauszuzögern.

Die FMH kritisiert diese Praxis. Eine frühzeitige Rehabilitation sei für den Behandlungserfolg der Patienten zentral, schreibt die Ärtzeschaft. Auch werde zunehmend versucht, chronisch kranke Patienten in andere Einrichtungen unterzubringen oder ihre Behandlung auf mehrere Spitalbesuche aufzuteilen, schreibt die Ärzteverbindung.

Trotz des bürokratischen Mehraufwands findet die grosse Mehrheit (94 Prozent) der Spital-Ärzteschaft ihre Arbeit interessant und abwechslungsreich. Anders sieht es beim Nachwuchs aus: 23 Prozent der Assistenzärztinnen und -Ärzte geben an, mit ihrer Arbeit sehr oder eher unzufrieden zu sein.

Zwei Jahre Fallpauschalen

Seit Januar 2012 gilt im Zusammenhang mit der neuen Spitalfinanzierung schweizweit das neue Tarifsystem für stationäre Spitalleistungen. Bei Fallpauschalen wird jeder Spitalaufenthalt anhand von Kriterien wie beispielsweise Diagnose und Behandlung einer Fallgruppe zugeordnet und pauschal vergütet.

Da die Kosten der Spitäler unter anderem von der Lohnsumme, den Investitionen und der Miete eines Spitals abhängen, schwanken sie von Fall zu Fall.

(fajd/sda)

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