Fallpauschalen
Ärzte haben weniger Zeit für ihre Patienten
publiziert: Dienstag, 24. Feb 2015 / 14:28 Uhr
Fehlentwicklungen durch Fallpauschalen bewegten sich noch in einem «moderaten Mass».
Fehlentwicklungen durch Fallpauschalen bewegten sich noch in einem «moderaten Mass».

Zürich - Seit 2012 werden die Schweizer Spitäler über Fallpauschalen finanziert. Zwei der Ziele, effizientere Prozesse und mehr Zeit für den Patienten, wurden damit aus Sicht der Ärzte nicht erreicht.

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Dies zeigt Studie des Instituts für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte der Universität Zürich.

Das Institut hatte 2013 schweizweit Ärztinnen und Ärzte befragt, wie sie seit der Einführung der Fallpauschalen die Patientenversorgung sowie ihre tägliche Arbeit im Spital einschätzen. Über 90 Prozent der 382 Befragten beurteilten die Qualität der Patientenversorgung zwar als gut oder sehr gut und rund 80 Prozent waren mit ihrem Job zufrieden.

Hingegen gab die Mehrheit der Befragten an, dass sie sich bei medizinischen Entscheidungen tendenziell mehr von den finanziellen Interessen ihrer Spitäler beeinflussen liessen, als sie es mit Blick auf das Patientenwohl wollten.

Auch hätten die Fallpauschalen zu Fehlentwicklungen geführt, wie es in einer Mitteilung des Instituts für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte der Universität Zürich vom Dienstag heisst.

Genannt wurden etwa frühe Entlassungen, die Aufteilung der medizinischen Behandlungen auf zwei Aufenthalte, obwohl einer ausreichend wäre oder die bevorzugte Behandlung von Patienten mit lohnenswerten Fallpauschalen.

Jeder fünfte Studienteilnehmer gab an, dass er seit Einführung der Fallpauschalen weniger Zeit für Kontakte und Gespräche mit Patienten und Angehörigen aufgewendet habe. Jeder vierte stellte fest, dass sich die patientenorientierte Versorgung im Vergleich zu früher verschlechtert habe.

Auswirkungen langfristig untersuchen

Fehlentwicklungen durch Fallpauschalen bewegten sich noch in einem «moderaten Mass», wird Projektmitarbeiterin Margrit Fässler, in der Mitteilung zitiert. Allerdings sei unklar, wie sich das in Zukunft entwickeln werde.

Für die Instituts-Direktorin und Leiterin des Gesamtprojektes Nikola Biller-Andorno wäre es deshalb sinnvoll, die Auswirkungen der Spitalreform langfristig zu untersuchen. Nur regelmässige Ärztebefragungen könnten bestimmte Fehlentwicklungen aufdecken. Überbehandlungen oder ökonomischer Druck auf die medizinische Behandlung liessen sich nur schwer durch andere Erhebungen nachweisen.

Seit drei Jahren wird in der Schweiz jeder Spitalaufenthalt anhand bestimmter Kriterien einer Fallgruppe zugeordnet und pauschal vergütet. Die Fallpauschalen wurden eingeführt, um die Kosten für medizinische Leistungen in den Spitälern zu senken und vergleichbar und transparent zu machen. Sie sollten dem medizinischen Fachpersonal helfen, seine Arbeit möglichst effizient zu erledigen.

(bert/sda)

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Kann ich nur vollständig unterstützen!
Die wahren Kostentreiber im Gesundheitswesen haben in Bern eine starke Lobby. So lange das so ist, werden die Gesundheitskosten nicht wirklich gesenkt.
Durch unser System der Medikamenten-Preisgestaltung fliessen jährlich Milliarden ins Ausland. Durch unser Verteilungssystem der Medikamente fallen für jeden Zwischenhändler enorme Margen an. Kein Arzt kann direkt beim Hersteller zu Factory-Preisen Medis kaufen und selbst wenn er das wirklich könnte, darf er nur zu vorgeschrieben Mindestpreisen weitergeben. Freie Marktwirtschaft, du grinst verstoheln! (Übrigens, der Factory Preis hat nichts mit den echten Herstellungskosten zu tun.)
Gespart wird immer nur bei den Leistungen, das heisst schlussendlich beim kranken Menschen.
Mich würde wirklich einmal eine Gegenrechnung interessieren welche die Kosten von sogenannten "falschen Kranken" und die rausgeschmissenen milliarden Franken für ausländische Medikamente, die künstlich von unseren Pharmariesen verursacht sind, gegenüberstellt.
(Dazu braucht es eine kurze Erklärung: Medikamente für die gleichen Indikationen sind in unserer Spezialitätenliste - also überall in der Schweiz - geich teuer, egal, woher sie stammen. Weil nun aber unsere Pharmariesen in der Schweiz die Preismacht haben und hier ihre Medikamente zu weit höheren Preisen verkaufen als in der übrigen Welt, sind auch die Preise der ausländischen Mitbewerber hier automatisch viel zu teuer.)
Was das ganze noch hebelt, ist die Tatsache, dass unsere Pharmariesen nur ca. 7% ihrer Medikamente hier im Inland absetzen!
Wir finanzieren also die Forschung hier ganz alleine und jene der Importeuere gleich auch noch mit.
Daran wird sich nie etwas ändern, weil alles, was die Schweizer Unternehmen machen, von uns Schweizern aus häufig falscher Solidarität vorbehaltlos mitgetragen wird. Sehen wir uns nur mal den intelligenten Toni aus dem Toggenburg an. Die UBS hat durch zu wenig Vorschriften, Regeln und Kontrollen die Schweiz fast an den Rand des Bankrotts gewirtschaftet. Heute verlangt diese gleiche UBS-Bande wieder mehr Deregulierung, damit sie diese kriminellen Methoden wiederholen kann und der lauteste Befürworter für einen erneuten Regel- und Kontrollabbau ist der hochintelligente und der einzige noch echte Schweizer Patriot, nämlich unser aller Toni aus dem Toggenburg.
Man kann's kaum fassen! Nibelungentreue zum Schaden der Schweiz!
Wer eigentlich vertritt die Interessen der Schweiz noch? Ganz sicher nicht diese unsäglichen Patrioten, die jedes Jahr zum Rütli-Schwur ansetzen und den Gang der (Welt-)wirtschaft überhaupt nicht verstehen.
Kranke Fallpauschale
Die Idee der Fallpauschale kann nur einem Ökonomenhirn entspringen, das die medizinische Praxis als Ansammlung finanzieller Kennzahlen begreift. Selbstverständlich wollen wir im Gesundheitswesen Effizienz, die Verschwendung durch Umsatzorientierung und Parallelstrukturen ist enorm. Selbstverständlich wollen wir tiefere Krankenkassenprämien. Aber ökonomische Abwägungen dürfen nicht systematisch die medizinische Gewissenhaftigkeit bedrängen.

Mit der Fallpauschale wird der Anreiz geschaffen, eine medizinische Versorgung zu minimieren, um den maximalen Gewinn herauszuholen. Eine Behandlung, die den Rahmen der Pauschale sprengt, wird vermieden. Zudem werden Diagnosen, die höhere Pauschalen in Aussicht stellen, bevorzugt.

Nicht zuletzt muss auch das Menschenbild hinterfragt werden, das einer „Fallpauschale“ zugrunde liegt. Patienten sind keine pauschalen Fälle. Jeder Patient hat seine eigene Geschichte, welche die Ursache einer Erkrankung prägt. Oft sind Krankheitsbilder aussergewöhnlich und passen nicht in die üblichen Schubladen. Eine adäquate Therapie ist entsprechend individuell. Die Krankenkassen-Lobby ist längst viel zu mächtig geworden.
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