Kritik an «missglücktem» Gesetz
Ärzte lehnen Managed-Care-Vorlage ab
publiziert: Freitag, 23. Sep 2011 / 08:41 Uhr
Urabstimmung bei der FMH.
Urabstimmung bei der FMH.

Bern - Obwohl die Ärzteschaft die integrierte Versorgung befürwortet, spricht sie sich für ein Referendum gegen die vom eidgenössischen Parlament beschlossene Managed-Care-Vorlage aus. Zentrale Punkte der Vorlage stossen beim Ärzteverband FMH auf Unverständnis.

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Stein des Anstosses sind die zwingende Budgetmitverantwortung für Leistungserbringer und die Einschränkung der freien Arztwahl durch einen höheren Selbstbehalt für Patienten, welche nicht in einem Managed-Care-Modell versichert sind, wie FMH mitteilte.

Die Managed-Care-Vorlage war Auslöser für eine Urabstimmung bei der FMH. 35'000 Mitglieder waren aufgefordert, sich zur Unterstützung eines allfälligen Referendums zu äussern. Nach Auszählung «fast aller» eingegangenen 15'000 Stimmzettel, zeige sich, dass zwei Drittel der FMH-Mitglieder ein Referendum unterstützten.

Mit dem definitiven Resultat sei am 27. September zu rechnen. Bestätige sich das Ergebnis, würden die 200 Delegierten der Ärztekammer Ende Oktober 2011 die Unterstützung des Referendums beschliessen.

«Missglücktes» Gesetz

«Das vorläufige Ergebnis der FMH-Urabstimmung zeugt von einer deutlichen Unzufriedenheit der Ärzteschaft mit der aktuellen Vorlage», wie die FMH weiter schreibt. Die FMH-Mitglieder lehnten nicht Managed Care grundsätzlich ab, sondern erachteten das vorliegende Gesetz als missglückt.

Die Vorlage wurde im eidgenössischen Parlament bereinigt und ist nun bereit für die Schlussabstimmung. Der Nationalrat schwenkte am Donnerstag auf die Linie des Ständerats ein und beschloss, den Selbstbehalt für diejenigen zu erhöhen, die ihren Arzt frei wählen wollen. So soll, wer sich nicht einem Managed-Care-Modell anschliesst, neu 15 statt bisher 10 Prozent der Kosten selbst tragen.

Beim Managed-Care-Modell schliessen sich Leistungserbringer - etwa Hausärzte, Spezialärzte und Physiotherapeuten - zum Zweck der Koordination der medizinischen Versorgung zusammen. Die Gesundheitspolitiker erhoffen sich von diesen Modellen, bei denen die freie Arztwahl eingeschränkt wird, geringere Kosten bei einer höheren Behandlungsqualität.

(bert/sda)

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