UNO vermeldet Höchstmass an Kriegsgeschädigten
Afghanistan: Zahl der zivilen Opfer erneut gestiegen
publiziert: Sonntag, 14. Feb 2016 / 12:58 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 14. Feb 2016 / 18:00 Uhr
Mindestens 3545 Zivilisten seien im vergangenen Jahr getötet und 7457 weitere verletzt worden, teilte die UNO am Sonntag mit. (Archivbild)
Mindestens 3545 Zivilisten seien im vergangenen Jahr getötet und 7457 weitere verletzt worden, teilte die UNO am Sonntag mit. (Archivbild)

Kabul - Die Zahl der in Afghanistan getöteten oder verletzten Zivilisten hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Insgesamt habe es 11'002 zivile Opfer gegeben, darunter 3545 Tote. Zunehmend sind auch Frauen und Kinder betroffen.

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Die Zahl der zivilen Opfer stieg das siebte Jahr in Folge auf einen neuen Höchststand, wie die Vereinten Nationen (UNO) in ihrem Jahresbericht zu Zivilisten in bewaffneten Konflikten schreiben.

Mindestens 3545 Zivilisten seien im vergangenen Jahr getötet und 7457 weitere verletzt worden. Das seien vier Prozent mehr als 2014, sagte die Chefin der Menschenrechtsabteilung der UNO-Mission UNAMA, Danielle Bell, bei der Vorstellung des Zivilopferberichts in Kabul am Sonntag.

Als Grund für den erneuten Anstieg wurde die Zunahme von Kämpfen in Städten genannt. Die meisten Menschen wurden getötet (1116) oder verletzt (3021), als sie bei Gefechten der Konfliktparteien zwischen die Fronten gerieten.

Mehr Angriffe auf Justizvertreter

2015 nahm auch die Zahl gezielter Angriffe auf Justizvertreter zu. So wurden 188 Angriffe auf Richter, Staatsanwälte und Justizeinrichtungen gezählt. Dabei wurden 46 Menschen getötet. Die Opfer der Gewalt waren ganz überwiegend Männer, es waren jedoch auch zunehmend Frauen und Kinder betroffen: 2015 war jedes vierte Opfer ein Kind und jedes zehnte Opfer eine Frau. Dies war ein Anstieg um 14 beziehungsweise 37 Prozent.

"Das den Zivilisten zugefügte Leid ist absolut inakzeptabel", erklärte der Sondergesandte Nicholas Haysom, der den UNO-Hilfseinsatz in Afghanistan leitet. Er rief die Verantwortlichen auf, mehr zum Schutz der Zivilisten zu unternehmen und die Angriffe zu beenden.

Bell wies auch auf den "verstörenden Trend" hin, dass die Taliban vermehrt Frauen wegen "moralischer Verbrechen" exekutierten oder auspeitschten - ein Verhalten, das sich auch in 2016 fortsetze. Afghanische Medien und Behörden berichteten allein in der vergangenen Woche von zwei Frauen, die ausgepeitscht wurden, und einer Frau, die erschossen wurde.

Extremisten verantwortlich

Insgesamt macht die UNO Taliban und andere Extremisten für 6858 tote und verletzte Zivilisten verantwortlich - 62 Prozent aller Opfer. 82 Fälle gehen auf das Konto der Terrormiliz Islamischer Staat.

Der Bericht sagt weiterhin, dass 14 Prozent der zivilen Opfer auf afghanische Streitkräfte zurückzuführen seien (ein Anstieg von 28 Prozent) und 2 Prozent auf internationales Militär.

Obwohl der NATO-Kampfeinsatz 2014 zu Ende gegangen war, helfen NATO-Streitkräfte durch Luftangriffe und mit Spezialeinheiten am Boden aus. Die Mehrheit der weiteren Opfer war keiner Konfliktpartei zuzuordnen.

Taliban weisen Vorwürfe zurück

Die Taliban wiesen den UNO-Bericht zurück. In einer am Abend (Ortszeit) verschickten Botschaft bezeichnete Talibansprecher Sabiullah Mudschahid den Bericht als "einseitig" und "Propaganda".

Die Taliban versuchten immer, zivile Opfer zu vermeiden. Es stimme auch nicht, dass afghanische und internationale Streitkräfte zusammen nur 17 Prozent der Opfer zu verantworten hätten. Der Hauptgrund für zivile Opfer sei die fortgesetzte Anwesenheit internationaler Truppen in Afghanistan sowie ihre Luftschläge.

Die afghanische Regierung dankte der UNO-Mission in Afghanistan für den Bericht. Zugleich kritisierte Kabul, dass die Experten eine so hohe Anzahl von Opfern auf unbekannte Faktoren statt auf die Taliban zurückführten.

Dokumentation wird schwieriger

Seit Beginn der Zählung ziviler Opfer in 2009 hat die UNO 58'736 Fälle verzeichnet - 21'323 Tote und 37'413 Verletzte. Sie zählt konservativ: Jedes Opfer muss durch drei Quellen bestätigt werden.

Das wird zunehmend schwieriger, weil wegen der schlechten Sicherheitslage in den Provinzen viele UNO-Büros geschlossen und Nichtregierungsorganisationen ihre Präsenz verkleinert haben. Experten nehmen an, dass es viel mehr undokumentierte Opfer gibt.

(asu/sda)

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