Afrika - Eine verdrängte moralische Pflicht
publiziert: Donnerstag, 7. Jun 2007 / 00:37 Uhr

Berlin - Angesichts des anhaltenden Elends wächst der Handlungsdruck. Über dem Foto eines qualvoll sterbenden afrikanischen Kindes prangt in der deutschen «Bild»-Zeitung die Forderung: «30 000 Menschen sterben in Afrika jeden Tag an Armut - Schluss damit! Jetzt!».

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer moralischen Pflicht Afrika eine faire und echte Chance zu geben.
Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer moralischen Pflicht Afrika eine faire und echte Chance zu geben.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel kann sich breiter Unterstützung sicher sein, wenn sie sagt, es sei eine «moralische Pflicht für uns, Afrika eine faire und echte Chance zu geben». Beim G-8-Gipfel ab Mittwoch in Heiligendamm soll der über viele Jahrzehnte vernachlässigte Kontinent eines ihrer Schwerpunktthemen sein.

Afrika zu helfen, sei «im beiderseitigen Interesse und ein vorrangiges Anliegen der G-8-Staaten», verkündet die Kanzlerin. Wenn sie an Afrika denkt, dann denkt sie an «herrliche Landschaften, die Menschen, (...) auch schreckliche Armut und grosse Not.»

Merkel scheint bei der Afrika-Hilfe - ähnlich wie beim Klimaschutz - eine Strategie nach dem Motto «Tue Gutes - und rede darüber» zu verfolgen. So kündigte die deutsche Regierung vor dem Gipfel von Heiligendamm an, dass sie in den kommenden vier Jahren jeweils 750 Millionen Euro mehr für die Entwicklungshilfe bereitstellen will.

Thema am letzten Tag

Dennoch ist aus dem Programm des Gipfels nicht unbedingt abzulesen, ob der geschundene Kontinent tatsächlich auf eine Wende zum Besseren hoffen kann. Für den letzten Gipfeltag, den Freitag, sind zwar sechs afrikanische Präsidenten an die Ostsee-Gestade geladen, darunter der neue nigerianische Staatschef Umaru Yar'Adua und der angesehene ghanaische Kollege John Kufuor.

Doch kann der so genannte Afrika-Outreach des G-8-Gipfels von Kritikern auch leicht ins Lächerliche gezogen werden - gleich zwei Mal werden die kurzen Arbeitssitzungen für «Familienfotos mit Outreach» unterbrochen.

Möglicherweise aber trägt das wachsende Interesse für den südlichen Nachbarkontinent dazu bei, dass er in seinen vielen Facetten besser wahrgenommen wird. Immerhin geht es um 52 Staaten. Merkel verweist auf das europäische Engagement zur Absicherung der Wahlen im Kongo, das weitgehend erfolgreich verlief - und auf die internationalen Beiträge zur Beilegung des Bürgerkriegs in Liberia.

Schuldenerlass

Auch halten sich die G-8-Staaten zu Gute, einigen der ärmsten Länder die Schulden weitgehend erlassen zu haben. Tansania habe dadurch die Einschulungsrate auf 95 Prozent erhöhen können, freut sich Merkel. Doch die Entwicklungsorganisation Oxfam rechnet vor, die G-8-Staaten seien mit mehr als 20 Milliarden Euro gegenüber ihren eigenen Zusagen im Rückstand.

«Frau Merkel mit Bono als Foto-Termin - das reicht nicht aus», bemerkt der Geschäftsführer von TransFair, Dieter Overath. Seine Organisation setzt sich mit wachsendem Erfolg dafür ein, Produkte aus afrikanischen Ländern - von Kaffee über Kakao bis zu Baumwolle und Schnittblumen - unter einträglichen Bedingungen für die Produzenten in Europa zu vermarkten.

«Die Afrikaner wollen nicht mehr Entwicklungshilfe, sondern mehr Geld für ihre Arbeit», sagt Overath. Mit solchen Ideen ist er nicht weit von Bundespräsident Horst Köhler entfernt, der sich während seiner Zeit beim Internationalen Währungsfonds (IWF) intensiv mit der Materie befasst hat.

(fest/sda)

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