Aggressiv und patriotisch: Zehn Jahre Fox News
publiziert: Dienstag, 10. Okt 2006 / 08:25 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 10. Okt 2006 / 18:25 Uhr

Washington - Ex-Präsident Bill Clinton machte dem Lieblingssender der US-Rechten, Fox News, unfreiwillig das grösste Geburtstagsgeschenk.

O'Reillys Talkshows sehen täglich zwei Millionen Zuschauer.
O'Reillys Talkshows sehen täglich zwei Millionen Zuschauer.
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Er verlor vor laufenden Kameras die Fassung. «Die Rechten, die mich jetzt kritisieren, haben mich ausgelacht, als ich vor Bin Laden warnte», sagte er sichtlich aufgebracht und mit gerötetem Gesicht. Zuvor hatte Fox-Moderator Chris Wallace gefragt, warum Terroristenführer Osama bin Laden nicht während Clintons Amtszeit zur Strecke gebracht worden sei.

Wallace habe mit seiner Frage einen «netten konservativen Anschlag» auf ihn verübt, schimpfte Clinton. Die Szene wurde unzählige Male in allen US-Sendern wiederholt, von seriösen Magazinen bis hin zu Comedy-Shows. Fox News hatte damit kurz vor seinem zehnten Geburtstag am vergangenen Wochenende einen Knüller - hoch emotional, politisch brisant und schön menschelnd. Diese Mischung ist typisch für den Sender des Medien-Moguls Rupert Murdoch.

«Ausgewogen» oder Propaganda?

Mit aggressiven Moderatoren, rechter Polemik und viel Emotionen hat Fox News längst den Platzhirsch und «Grosspapa CNN» («USA Today») vom ersten Platz der Nachrichtenkanäle in den USA verdrängt. Heute sehen 1,6 Millionen Zuschauern täglich Fox News - doppelt so viele wie CNN. Das hat Fox News nicht zuletzt Moderatoren zu verdanken, die bei den Rechten zu wahren Kultfiguren wurden. Als Personifizierung des Senders gilt Starmoderator Billy O'Reilly. Seine Talkshow voller Attacken auf «friedenssehnsüchtige Demokraten» oder «Verharmloser des Terrors» sehen täglich über zwei Millionen Zuschauer.

Der Sender, der sich als «fair und ausgewogen» preist, macht aus seinen Sympathien für die christliche Rechte, für US-Präsident George W. Bush und die Neokonservativen keinen Hehl. Viele sehen in Fox News einen Propagandasender der Republikaner. Über den Irakkrieg etwa berichtet Fox News betont patriotisch.

Interviewpartner «schwachsinnig»

Offen wird Verständnis für Folter gegen mutmassliche Terroristen geäussert. Die UNO gilt als «korrupt», Europäer oft als «undankbar» oder «feige». Kein Wunder, dass US-Vizepräsident Dick Cheney sich als Freund des Sender bekennt - und Fox News bei Demokraten und Linken ein verheerendes Image hat. Allerdings kommen bei Fox News durchaus verschiedene Sichtweisen zu Wort. Auch der Parteichef der Demokraten, Howard Dean, und Bush-Gegner wie der Milliardär George Soros oder der Filmemacher Michael Moore sind Interviewpartner.Bereich Ignoranz und Dummheit« würdigt.

Zuweilen werden diese zwar rüde zurecht gewiesen, beschimpft oder für »schwachsinnig« erklärt - aber der Sender präsentiert Meinungsvielfalt, schon allein um der Dramatik willen. Spannend und unterhaltsam wird das Weltgeschehen zur Dauer-Inszenierung. Trommelwirbel, Fanfaren und hämmernde Musik sowie grelle Grafiken, alarmierende Laufbänder und rasche Bilderfolgen geben dem Programm ständige Dynamik.

«Ignoranz und Dummheit»

Fox News hat wohl mehr Feinde als jedes andere US-Medium. Sender-Chef Roger Ailes hat hochtrabende Pläne: Fox News soll «die wichtigste Nachrichtenquelle in den USA und in der Welt» werden.

Derzeit sind leichte Einbussen in der Gunst der Zuschauer zu verzeichnen. Und in Montreal wurde Fox News beim Humorfestival ein «World Stupidity Award» verliehen - eine Auszeichnung, die «internationale Leistungen im Bereich Ignoranz und Dummheit» würdigt.

(Von Laszlo Trankovits, dpa/sda)

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