Air Berlin unter Verdacht des Insiderhandels
publiziert: Mittwoch, 20. Jun 2007 / 07:24 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 21. Jun 2007 / 07:11 Uhr

Stuttgart - Die Chefetage von Deutschlands zweitgrösster Fluggesellschaft Air Berlin steht unter dem Verdacht des Insiderhandels. Polizei und Börsenaufsicht durchsuchten die Firmenzentrale in Berlin.

Die Aktienkäufe geschahen offenbar, bevor über den Kauf von dba informiert wurde.
Die Aktienkäufe geschahen offenbar, bevor über den Kauf von dba informiert wurde.
Es bestehe der Verdacht, dass Air-Berlin-Chef Joachim Hunold und Aufsichtsratschef Jürgen Zurnieden bei illegalen Börsengeschäften Air-Berlin-Aktien im Wert von fast 1,5 Mio. Euro gekauft haben, teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart am Dienstag mit. Seither war der Kurs um etwa 50 Prozent gestiegen.

Zu den dubiosen Geschäften von Hunold war es demnach im Zuge der Übernahme des Billigfliegers dba im vergangenen Sommer gekommen. Hunold wies die Vorwürfe zurück.

Umfangreiches Beweismaterial

Die Ermittlungen richten sich laut Staatsanwaltschaft gegen insgesamt sechs Mitarbeiter der Fluggesellschaft. Hunold und Zurnieden sollen aber allein für 1,47 Mio. Euro Aktien gekauft haben, die anderen vier Verdächtigen für nur 30 000 Euro. Bei ihnen handelt es sich um drei Abteilungsleiter und eine nicht näher benannte Person. Bei der Durchsuchung von Büros und Wohnungen der sechs Beschuldigten wurde laut Staatsanwaltschaft umfangreiches Beweismaterial gefunden, dessen Auswertung «längere Zeit» dauern werde.

Laut Ermittler besteht der Verdacht, dass die Beschuldigten seit Anfang Juni 2006 ihr Eingeweihten-Wissen über die geplante Übernahme der Billigfliegers dba verwendet haben. Die Aktienkäufe geschahen demnach, bevor die Börsenöffentlichkeit über den Kauf von dba informiert wurde. Die Nachricht vom Kauf der dba hatte den Kurs der Aktien von Air Berlin im vergangenen August kräftig nach oben getrieben.

Für Hunold war Kursentwicklung unklar

Air-Berlin-Chef Hunold erklärte, es sei zum Zeitpunkt des Aktienkaufs unklar gewesen, ob die Übernahme von dba zu Kursgewinnen führen würde. Er habe die Papiere lediglich erworben, um nach dem Börsengang von Air Berlin im Mai 2006 ein «positives Zeichen» für die Börse zu setzen.

Ausserdem habe er die Aktien bisher nicht verkauft und keine Kursgewinne realisieren können. Das Air-Berlin-Papier hatte seinen Kurs binnen eines Jahres verdoppelt und stand im Mai bei rund 20 Euro. Seitdem ist es wieder auf etwa 16 Euro gesunken.

(ht/sda)

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