Einigung der WHO
Aktionsplan gegen Antibiotika-Resistenz
publiziert: Montag, 25. Mai 2015 / 19:43 Uhr
Die WHO bemängelt fehlende Investitionen der Pharmaindustrie.
Die WHO bemängelt fehlende Investitionen der Pharmaindustrie.

Genf - Die Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben sich nach langen Debatten am Pfingstmontag auf einen globalen Aktionsplan für den Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen verständigt.

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Eine entsprechende Resolution wurde vom zuständigen Komitee der gegenwärtig in Genf tagenden Weltgesundheitsversammlung verabschiedet, dem höchsten Beschlussorgan der WHO. Sie muss noch zum Abschluss der Konferenz am Dienstag im Plenum abgesegnet werden, was jedoch als wahrscheinlich gilt.

An die 194 Mitgliedstaaten ergeht damit der Aufruf, den Aktionsplan innerhalb von zwei Jahren in nationale Strategien gegen Antibiotika-Resistenzen umzusetzen. Ziel sei es, eine wirksame Behandlung und Vorbeugung bakterieller Infektionen durch effektive und sichere Medikamente auch weiter gewährleisten zu können.

700'000 Opfer pro Jahr

Jedes Jahr sterben laut WHO rund 700'000 Menschen an den Folgen einer Antibiotika-Resistenz. Der Aktionsplan fordert unter anderem bessere Hygienemassnahmen in Spitälern, um dort Infektionen mit resistenten und daher lebensbedrohlichen Keimen zu verhindern.

Auch solle die Gefahr vor Resistenzen in der Ausbildung von Medizinern und Landwirten als zentrales Thema behandelt werden. In der Humanmedizin sowie in der Viehzucht würden Antibiotika häufig ohne eindeutige Diagnose verschrieben, zudem seien solche Mittel vielerorts rezeptfrei erhältlich, kritisieren WHO-Experten.

In Viehzuchtbetrieben würden sie nicht selten als Wachstumsförderer missbraucht. Einige Länder hätten zwar Richtlinien, die den Einsatz antimikrobieller Substanzen regulieren. Diese seien aber teilweise unzureichend und würden oft kaum durchgesetzt, erklärte die WHO.

Kritik an Pharmaindustrie

Sie bemängelt zudem, dass die Pharmaindustrie weniger in die Entwicklung neuer Antibiotika investiere als in Medikamente, die höhere Gewinne versprechen. Dies sei ein «gravierendes Marktversagen», das die Staaten korrigieren müssten.

Möglichkeiten dazu böten öffentlich-private Partnerschaften zur Forschungsförderung sowie zur Entwicklung alternativer Therapiemethoden und einer besseren Diagnostik.

Der Plan zielt auch darauf ab, dass Antibiotika für Entwicklungsländer bezahlbar bleiben beziehungsweise werden und diese finanzielle und technische Unterstützung erhalten. Nötig sei zudem, die Ausbreitung multiresistenter Keime effektiver und koordinierter zu überwachen.

Antibiotika haben den Kampf gegen bakterielle Krankheiten revolutioniert, die zuvor oft tödlich endeten. Doch durch übermässige und oft unsachgemässe Nutzung entwickeln Bakterien und andere Mikroorganismen immer mehr Widerstandskraft gegen antibiotisch wirkende Medikamente wie zum Beispiel das Penizillin. Sie wirken dadurch schlechter oder im Extremfall überhaupt nicht mehr.ffentlich-private Partnerschaften zur Forschungsf

(bert/sda)

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