Alain Sutter traut der Schweiz an der WM eine Überraschung zu
publiziert: Donnerstag, 17. Nov 2005 / 23:30 Uhr / aktualisiert: Freitag, 18. Nov 2005 / 11:59 Uhr

In Istanbul wurde das Schweizer Team zum Abschluss der erfolgreichen WM-Qualifikation getreten und verprügelt, die verdiente WM-Teilnahme war ihr aber damit nicht mehr zu nehmen. Alain Sutter gibt der Mannschaft für die WM grossen Kredit.

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Sutter war 1994 und 1996 noch als Nationalspieler dabei, als sich die Schweiz unter Roy Hodgson letztmals hintereinander für zwei Endrunden in Folge qualifiziert hatte. Die erfolgreiche EM- und WM-Kampagne unter Köbi Kuhn hat der Berner nun als Co-Kommentator von SF DRS hautnah miterlebt. Sein Gesamturteil über die gesamte Ausscheidungsphase fällt sehr schmeichelhaft aus: «Wenn die Entwicklung der Mannschaft im gleichen Stil weitergeht, könnte die Schweiz zur Überraschung der kommenden WM werden.»

An dieser Einschätzung tut auch seine Beurteilung der Leistung im letzten Spiel am Mittwoch in Istanbul keinen Abbruch: «Es war klar das schlechteste Schweizer Spiel der ganzen Qualifikation, doch diese Partie fand unter ganz speziellen Umständen statt und kann kein Gradmesser für die nächste WM sein.»

Sutter erachtete die frühe 1:0-Führung als Knackpunkt für das Schweizer Team. «Damit wurde das gesamte Spielkonzept über den Haufen geworfen. Die Mannschaft war ratlos, wusste nicht mehr, wie sie agieren sollte. Weiterhin offensiv, oder ab sofort defensiv? Das war ein sehr schwieriger Moment, denn diese 1:0-Führung von der ersten Minute weg konnte nicht erwartet werden.»

Höhen und Tiefen

Neben dieser Partie in Istanbul gab es für Sutter in dieser Qualifikationsphase nur noch drei Spiele zu bemängeln, die im Gesamturteil etwas abfielen. «In den Heimspielen gegen Zypern und Israel wäre mehr möglich gewesen, da stimmte die Leistung der Mannschaft nicht.» Die besten Partien waren für den einstigen Techniker klar die Heimspiele gegen Frankreich und die Türkei.

Sutter gibt der Mannschaft von Köbi Kuhn viel Kredit für die nächste WM: «Wer sich für zwei grosse Turniere qualifizieren kann, hat viel Qualität. Bis zur WM könnten gar noch weitere junge Talente zum Team stossen, die neue Perspektiven eröffnen. Diese Equipe könnte zur besten Mannschaft heranwachsen, die die Schweiz je hatte. Dies auch mit dem Wissen im Hinterkopf, dass sie an den nächsten beiden Endrunden dabei sein wird und dort noch mehr Erfahrung sammeln kann. Kuhn verfügt bereits jetzt über ein kompaktes Team, das schon viel zusammen erlebt und erreicht hat. Und der Altersschnitt zeigt, dass in den nächsten Jahren keine grossen Wechsel anstehen.»

Vogel der klare Leader

Als wichtigsten Spieler bezeichnet Sutter Captain Johann Vogel: «Johann spielt eine enorm wichtige Rolle. Er verfügt über sensationelle Qualitäten und spielte sie vor allem in den letzten entscheidenden Partien voll aus. Im Jahr 2005 war Vogel unglaublich dominant, wahrscheinlich hängt das mit seinem Transfer zur AC Milan zusammen. Diese neue Herausforderung hat Vogels Selbstvertrauen nochmals verstärkt. Er ist ein richtiger Leader, der sich aber nie in den Vordergrund stellt. Und den jungen Spielern käme es nie in den Sinn, einen Spieler der AC Milan mit dieser Erfahrung in Frage zu stellen.»

An Zuberbühler festhalten

Sutter ist auch nicht der Meinung wie viele Fans und Journalisten, dass Kuhn nun bis zur WM auch anderen Torhütern als Pascal Zuberbühler eine Chance geben sollte. «Die Schweiz hat eine erfolgreiche Qualifikation mit Pascal hinter sich. Zubi hatte Tiefs, aber auch viele Hochs. Das darf man nicht vergessen. Gegen Frankreich hielt er beispielsweise sensationell und er trug damit viel zur WM-Teilnahme bei.»

Den grössten Anteil an der WM-Qualifikation sieht der versierte Analytiker in der Person des Trainers. «Köbi Kuhn traf in dieser Ausscheidung immer die richtigen Entscheidungen im taktischen Bereich. Er hielt auch stets an seinem Konzept fest und baute kontinuierlich, auch in wichtigen Spielen, neue junge Spieler ein. Kuhn trifft stets den richtigen Ton, er vermittelt Vertrauen und kann sich deswegen stets auf seine Spieler verlassen. Seine Art der Teamführung ist das eigentliche Rezept der Schweizer Erfolgs.»

In Zahlen gesprochen sieht das so aus: 14 Partien gespielt, sieben Mal gewonnen, sechsmal unentschieden gespielt und nur einmal, im Herzschlagspiel am Mittwoch in Istanbul, verloren. Mit Zuberbühler, Müller, Cabanas, Vogel, Barnetta und Vonlanthen spielten gegen die Türkei noch sechs Akteure, die auch im Startspiel gegen Färöer (6:0) im September 2004 in der Formation standen. Hinzu kommen Ludovic Magnin, der in Istanbul gesperrt war, und Frei, der gegen die Färinger ebenfalls eine Sperre absass.

Disziplinarische Fortschritte

Das Team hat in den 14 Partien zu einer bemerkenswerten Konstanz gefunden und sich auch im disziplinarischen Bereich stark verbessert: Waren in der WM-Ausscheidung 2002 (Hakan Yakin) und der EM-Kampagne 2004 (Cabanas) noch je ein Spieler vom Platz gestellt und während der EM in Portugal gar zwei Akteure (Vogel und Haas) des Feldes verwiesen worden, so blieb das Sündenblatt dieses Mal rein. Auch dies zweifellos ein Verdienst von Kuhn, die mit seiner Ruhe vorbildlich auf die Spieler einwirkt.

Für Kuhn war das Heimspiel gegen Färöer von eminenter Wichtigkeit: «Es hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, mit drei Punkten aus dem ersten Heimspiel gegen einen sogenannt Kleinen der Gruppe starten zu können. Darauf legten wir in der Terminkonferenz mit unseren Gegnern das Hauptgewicht.»

Der Schweizer Nationalcoach ist sehr zufrieden mit der abgelaufenen Qualifikation, auch wenn er bemängelt, dass in der Bilanz zuviele Unentschieden vorgekommen sind. «Wir hätten schon gegen Frankreich oder Irland alles klar machen müssen. Dann wäre dieser mühsame Gang nach Istanbul nicht nötig gewesen.»

Das Team habe seinen Anspruch, dem perfekten Fussball so nahe wie möglich zu kommen, geteilt. «In den letzten Spielen ist das uns mindestens phasenweise gelungen. Das ist ein grosses Kompliment an die Mannschaft, die stilsicher geworden ist und mit Selbstvertrauen agiert. Der Dank sind nun solche Dinge, wie wir sie jetzt bei der Ankunft am Flughafen in Zürich erleben durften. Das kann man sich nicht kaufen. Die Anerkennung der Fans, der Jugend, das berührt uns sehr und macht uns alle stolz.»

(bert/Si)

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