Algeriens Sahara: Bermudadreieck für Schweizer Touristen
publiziert: Montag, 7. Apr 2003 / 13:50 Uhr

Algier/Paris - "Nicht nach Algerien. Bringt Euch in Sicherheit", warnt der Sahara-Informationsdienst Reisende in Nordafrika. Die algerische Sahara ist wahrscheinlich bereits für 29 europäische Touristen zur Falle geworden. Nun ist eine erste Spur der verschollenen Touristen aufgetaucht.

Auf der Suche nach den Verschollenen, hat eine Kamelkarawane eine erste mögliche Spur entdeckt. In dem unzugänglichen Gebiet nahe der libyschen Grenze, 50 Kilometer vom Wüstenstädtchen Illizi entfernt, ist sie nach Medienberichten auf ein unterirdisches Tunnelsystem gestossen. Darin sollen sich Menschen befinden.

Die Entdeckung gibt Spekulationen neuen Auftrieb. Vermutungen, dass die Touristen verschleppt worden sind, machten in Illizi schnell die Runde. Sechs voneinander unabhängige Reisegruppen von der Wüste verschluckt - das ist selbst für die Einheimischen ein Rätsel.

Stationen des Todes

Illizi ist ein Ausgangsort für die berühmtberüchtigte "Gräberpiste". Die Strecke nach Bordj Omar Driss erinnert mit ihren Grabstätten vor allem an die Toten der Kämpfe zwischen den einstigen französischen Kolonialherren und den aufsässigen Tuareg.

Sie führt durch eine Sand- und Felslandschaft von überwältigender Schönheit und zieht viele Touristen an. Ausserhalb der Mauern sicherer Oasenstädte wie Illizi lauern im dünn besiedelten Süden die vielfältigsten Gefahren.

Bestens ausgestattete Reisende, die mit teueren Geländewagen, Satellitenhandys und Elektronikgeräten ausgerüstet sind, wecken Begehrlichkeiten in einem Land, in dem fast ein Drittel der 30 Millionen Einwohner unterhalb der Armutsgrenze leben.

Machtlosigkeit der Behörden

Gegen kriminelle Banden in der Wüste ist die Polizei praktisch machtlos. Meist gut motorisiert tauchen sie in Windeseile unter und verstecken sich in den unzähligen Schluchten der Grenzgebiete. Bei den Überfällen wurde in den vergangenen Jahren jedoch niemand getötet, soweit bekannt.

Ein Tourist berichtete unlängst, zwei Banditen hätten ihm den Land Cruiser gestohlen, ihn aber dann bis kurz vor Tamanrasset mitgenommen, damit er sicher in die Stadt gelangt. "Im Gegensatz zum algerischen Norden ist der Süden sicher, solange man sich in der Obhut der Einheimischen hält", beteuert ein Tourveranstalter. Doch immer mehr Touristen seien ohne Führer unterwegs.

Kampf gegen die Regierung

Bewaffnete Gruppen islamistischer Extremisten liefern der Regierung von Präsident Abdelaziz Bouteflika einen harten Kampf. Nachdem die Islamisten vor gut zehn Jahren bei den ersten freien Parlamentswahlen durch einen kalten Staatsstreich der Generäle ausgebootet wurden, begann eine Welle der Gewalt.

Mehr als 100 000 Menschen kamen nach Schätzungen ums Leben. Bouteflikas Versuch einer Versöhnungspolitik hatte begrenzt Erfolg. Widerstand leisten als einzige weiter die Bewaffneten Islamischen Gruppen GIA und die El Kaida nahe GSPC- "Salafistengruppe für Predigt und Moral".

Als "Emir" leitet Mokthar Bel Moktahr die Gruppe, die im Grossraum Mali, Mauretanien, Libyen und Algerien aktiv sein soll. Tuaregs haben berichtet, dass "Rebellen" im Gebiet des südlichen Oued Samene seit Ende vergangenen Jahres ein Stützpunkt aufgebaut hätten.

Befürchtungen löst dies nicht nur bei den Nomaden aus, die von den Reisenden als lukrative Einnahmequelle profitieren. Die gesamte Tourismusbranche Algeriens, die sich gerade zu erholen begann und nach 860 000 Besuchern vor zwei Jahren zuletzt 1,2 Millionen zählte, droht erneut ein Einbruch.

(Birthe Blechschmidt/dpa)

 
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