Trauer um einen hartnäckigen und volksnahen Finanzminister
Alt-Bundesrat Otto Stich im Alter von 85 Jahren gestorben
publiziert: Donnerstag, 13. Sep 2012 / 13:00 Uhr / aktualisiert: Freitag, 14. Sep 2012 / 08:01 Uhr
Trauer um einen hartnäckigen und volksnahen Finanzminister.(Archivbild)
Trauer um einen hartnäckigen und volksnahen Finanzminister.(Archivbild)

Bern - Alt Bundesrat Otto Stich ist tot. Er starb in der Nacht auf Donnerstag im Alter von 85 Jahren. Mit seiner Sparsamkeit, seiner Volksnähe und seiner Tabakpfeife bleibt er in Erinnerung. Stich war von 1983 bis 1995 Finanzminister und 1988 und 1984 Bundespräsident.

3 Meldungen im Zusammenhang
Politiker und Weggefährten würdigten den Solothurner aus dem Schwarzbubenland als hartnäckigen und erfolgreichen Kassenwart, als eigenständigen Denker, als zähen Verhandlungspartner und als volksnahen Magistraten.

Misstöne begleiteten Stichs Wahl in den Bundesrat im Dezember 1983. Das Parlament wählte ihn an Stelle der offiziellen SP-Kandidatin Lilian Uchtenhagen. Der Handelslehrer und promovierte Staatswissenschafter etablierte sich danach als auch von seinen Gegnern respektierter Finanzminister.

Stich musste die Trendwende zu hohen Haushaltsdefiziten erleben, konnte aber mit dem Ja zum höheren Treibstoffzoll, zur Mehrwertsteuer und zum Beitritt zu den Institutionen von Bretton Woods Erfolge verbuchen. Nach einem Zusammenbruch 1994 während einer Sitzung des Bundesrates wurde ihm ein Herzschrittmacher eingesetzt.

1995 trat er zurück, weil er das bundesrätliche Budget wegen Differenzen über die Buchführung nicht mittragen wollte. Grosse Kritik musste Stich 1996 einstecken, als ihn eine Parlamentarische Untersuchungskommission als Hauptschuldigen am Debakel um die Pensionskasse des Bundes (PKB) bezeichnete.

Auch nach seinem Rücktritt meldete sich der populäre Politiker immer wieder zu Wort. Erst in den vergangenen Jahren wurde es stiller um ihn. In jüngster Zeit war er oft krank.

Dem Bundesrat werde Stich als markige, aber herzliche Persönlichkeit in Erinnerung bleiben, hiess es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Überzeugt habe der Sozialdemokrat vor allem mit der Hartnäckigkeit und dem Sachverstand, mit welchem er sich für seine Überzeugungen eingesetzt habe.

«Jeder hätte ihm sein Sparbuch überlassen»

«Stich hätte jeder sein Sparbuch überlassen», würdigte der frühere SP-Präsident Peter Bodenmann gegenüber der Nachrichtenagentur sda den Verstorbenen.

Bodenmann erinnerte an die Wahl von Stich: Den Bürgerlichen, die das getan hätten, sei ihr Eigengoal aber schnell klargeworden. Sie hätten gemerkt, dass Stich nicht aus Wachs sei, sondern durch viele politische Niederlagen gestählt.

Sein damaliger Kollege Adolf Ogi attestierte Stich, er sei ein sehr guter Finanzminister gewesen. Stichs Widerstand gegen den Lötschberg-Basistunnel der NEAT kommentiert Ogi nüchtern: «Er musste sparen. Ich musste bauen und hatte einen Auftrag vom Volk, vom Parlament und vom Bundesrat.» Die Auseinandersetzung zwischen ihm und Stich sei hochgespielt worden, kritisiert Ogi. «Wir konnten immer miteinander reden.»

Stich habe sein Mäntelchen nie nach dem Wind gehängt, sagte der frühere Zürcher FDP-Nationalrat und Unternehmer Ulrich Bremi. Bei den damals wachsenden Budgetdefiziten sei die Zeit für einen Finanzminister schwierig gewesen. Stich habe immer gemahnt, nicht mehr auszugeben als eingenommen wird.

Für den heutigen SP-Präsidenten Christian Levrat war Stich einer der «glaubwürdigsten und volksnahesten Bundesräte der Geschichte» und «der umsichtigste Finanzminister, den ich erlebt habe», wie es in einem Communiqué der SP hiess.

(bg/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Dornach SO - Im solothurnischen Dornach haben am Freitag rund 600 Personen Abschied genommen von alt Bundesrat Otto ... mehr lesen
Otto Stich wurde als wertkonservativer Mensch gewürdigt.
Otto Stich war von 1983 bis 1995 im Bundesrat.
Bern - Alt Bundesrat Otto Stich befindet sich nach einer Herzoperation auf dem ... mehr lesen
FDP-Präsident Philipp Müller macht seinen Unmut laut. (Archivbild)
FDP-Präsident Philipp Müller macht seinen Unmut laut. (Archivbild)
Delegiertenversammlung  Bellinzona - An ihrer Delegiertenversammlung in Lugano TI hat die FDP ein 18-Punkte Papier zur Frankenstärke verabschiedet. Damit soll der Schweizer Wirtschaft der Weg in eine sicherere Zukunft geebnet werden. Ins Visier nimmt die Partei dabei die Mehrwertsteuer und den bürokratischen Aufwand. 
FDP fasst Parolen zu CVP-Initiative und Energiesteuer Bellinzona - Heute kommt die FDP für ihre erste ...
Wirtschaftsdachverband lehnt Kapitalgewinnsteuer kategorisch ab Zürich - Der Wirtschaftsdachverband economiesuisse sieht ...
Urkunde bei UNO hinterlegt  Bern/New York - Die Schweiz hat den internationalen Vertrag über den Waffenhandel ratifiziert. Der Bundesrat hinterlegte ...
Der Arms Trade Treaty soll den unerlaubten Handel mit konventionellen Waffen beenden.
Ban begrüsst Inkrafttreten von Waffenhandelsabkommen New York - UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat das an Heiligabend in Kraft getretene Abkommen der ...
«Damit beginnt ein neues Kapitel in unseren gemeinsamen Anstrengungen, Verantwortung, Rechenschaft und Transparenz in den weltweiten Waffenhandel zu bringen»
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2739
    Kaliber "betriebene rassistische Hetze der SVP gegen Ausländer und ... gestern 08:29
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2739
    Die... Kontingentverteilung auf alle EU-Staaten wird nicht funktionieren, weil ... Mi, 28.01.15 12:12
  • Kassandra aus Frauenfeld 1155
    Weiterbildung ist gut, sehr gut! Aber dann bitte bei den höchsten Staatsbeamten damit anfangen! Denn ... Mi, 28.01.15 10:02
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2739
    Vielleicht... sollte man sich dieses Beispiel an konsequenter Abschiebung zum Vorbild ... Di, 27.01.15 14:43
  • Kassandra aus Frauenfeld 1155
    Ich werde nicht klug aus diesem Artikel. Was will er uns wohl sagen? Gut, es ist eine ... Fr, 23.01.15 09:36
  • PMPMPM aus Wilen SZ 174
    Journalistenlöhne halbiert? Dem Artikel kann ich soweit zustimmen, allerdings bleibe ich ratlos ... Do, 22.01.15 19:09
  • Peterchen aus Embrach 6
    die schweizer begrüssen das? Woher will Frau Sommaruga denn wissen, was die Schweizer begrüssen und ... Do, 22.01.15 14:46
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2739
    Was... hier gerade geschieht, liegt voll in der Logik des Kapitalismus. Das ... Do, 22.01.15 12:31
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
SA SO MO DI MI DO
Zürich -3°C -2°C leicht bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall
Basel -4°C -1°C bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall
St.Gallen -2°C 1°C leicht bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall
Bern -0°C 2°C bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall
Luzern -1°C 3°C leicht bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall
Genf -3°C 3°C bewölkt, wenig Schneefall bedeckt, wenig Schneefall bedeckt, wenig Schneefall bedeckt, wenig Schneefall bedeckt, wenig Schneefall bedeckt, wenig Schneefall
Lugano -0°C 6°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
mehr Wetter von über 6000 Orten