Die Adventszeit 2003 in Ambri-Piotta ist dieses Jahr alles andere als beschaulich. Nebst sportlichen Problemen kämpft man auch um seine besten Spieler, welche den Verein scharenweise verlassen. Der Aderlass an Leistungsträger ist dramatisch angestiegen. Und da ist noch die Sache mit Luca Cereda: Ein "Einheimischer" hat den Stolz der wackeren Leventiner verletzt. Und das macht sie besonders sauer.
Der Clou kommt aber noch: Allzu hohe Transfersummen werden für die SCL Tigers dafür nicht fällig, denn sowohl Burkhalter wie auch Lakhmatov haben von einer vertraglich festgeschriebenen Option Gebrauch gemacht, ihre weiterlaufenden Verträge per Ende Saison 2003/04 aufzulösen. In Langnau soll beispielsweise Burkhalter 275'000 Franken verdienen - 50'000 Franken mehr als der HCAP geboten hatte.
Ambri mit Aderlass auf allen Fronten
Ziemlich sauer reagiert man in Ambri ob der aktuellen Lage auf dem Advents-Transfermarkt. Hier ist im Moment alles andere denn Weihnachtsstimmung angesagt. Denn man verliert einen wichtigen jungen Spieler nach dem anderen. Lakhmatov bürgte für Konstanz, Burkhalter für Perspektiven. Speziell Burkhalter war in dieser Saison sehr wertvoll und erlebte eine Leistungssteigerung (Nationalspieler). Jetzt soll auch Martin Rauch sein Karrierenende planen, John Fust und Theo Wittmann wollen ihrerseits einen neuen Verein suchen. Handlungsbedarf ist angesagt, um nicht im traditionell wichtigsten Transfermonat Dezember die noch vorhandenen "Schnäppchen" zu verschlafen. Man hat nun die Fühler nach Geoffrey Vauclair und Gilles Montandon ausgestreckt. Ein Tropfen auf dem heissen Stein?
Der "Fall Cereda"
Am allermeisten schmerzt Ambri aber die Tatsache, dass Luca Cereda, ihr grösstes Talent aller Zeiten und NHL-Erstrunden-Draftpick der Toronto Maple Leafs 1999, sich als neuen Verein den SC Bern aussuchte. Der Stolz der Leventiner ist gekränkt. Cereda unterschrieb einen sehr lukrativen Dreijahresvertrag für 400'000 Franken im Jahr, also über eine Gesamtsumme von 1,2 Millionen Franken. Der Vertrag zwischen dem SC Bern und Luca Cereda würde nur dann hinfällig, wenn Luca Cereda bis spätestens am 15. Juli 2004 von einem NHL-Klub für die Saison 2004/2005 einen Einwegvertrag erhalten sollte. Das ist aber aufgrund des bevorstehenden Spielergewerkschafts-Streiks und des gescheiterten "Collective Bargain Agreements" (Rahmenvertrag NHL und Spielergewerkschaft) mehr als fraglich. Luca Cereda, der eine starke WM 2003 in Finnland spielte, wird zudem auch aller Voraussicht nach wegen seines operierten Herzklappenfehlers und der starken Konkurrenz auf dem Centerposten bei den Maple Leafs nie den Sprung in die NHL schaffen. Er war aber eine Teamstütze bei den St. John’s Maple Leafs in der AHL und ein wertvoller Defensivstürmer. Unter diesen Voraussetzungen kann man den Tessiner als "Top Shot" der NLA bezeichnen.
Der Grund für den Ärger und gekränkten Stolz in Ambri ist folgender: Ambri-Piotta bildete den Spieler aus, unterstützte das Jungtalent aus den eigenen Reihen nicht nur jederzeit während seiner Rehabilitation nach der schwierigen Operation des Herzklappenfehlers, sondern liess ihn vollumfänglich von allen Infrastrukturen mitprofitieren. Man hoffte, dass sich die Investitionen in den "Sohn der Leventina" bei einer Rückkehr lohnen würden. Cereda aber entschied sich für eine sportlich (Topteam), sowie finanziell lukrativere Variante (400'000 Franken Jahresgehalt, 1,2 Mio. auf drei Jahre). Manager Peter Jaks liess zudem verlauten, dass er mit Hilfe von Investoren die nötige Summe aufgebracht hätte, um das Berner Angebot zu kontern.
Das Los des Ausbilder-Vereins
Nur, das hätte wohl auch nichts mehr genutzt. Ambri ist wohl auch für die "verlorenen Söhne" nicht mehr attraktiv genug. Der Stolz, für das Team aus der "sportlichen und geistigen Heimat" zu spielen, scheint nicht mehr über die anderen sportlichen und finanziellen Aspekte zu siegen. Vereine wie Ambri oder auch die SCL Tigers werden noch weitere Jahrzehnte mit dem Los leben müssen, sehr gute Talente NLA-reif, ja sogar vielleicht NHL-reif zu formen, um sie danach an die Topteams zu verlieren. Ausnahmen sind da Davos und Kloten, welche ihre Talente oftmals, ja sogar meistens, in den eigenen Reihen halten können (Perspektiven sind meist besser als in Ambri oder Langnau...). Immerhin existiert ein Reglement der Schweizer Nationalliga GmbH für die Ausbildungsentschädigung (nach einer fixen Berechnungstabelle und dem Schlüssel Koeffizient mal technisches Salär = Ausbildungsentschädigung) bei Clubwechseln innerhalb der Nationalliga: Der Artikel 2 in den allgemeinen Bestimmungen schreibt vor, dass als Folge eines diesem Reglement unterstehenden Clubwechsels der neue Club verpflichtet ist, dem alten Club eine Ausbildungsentschädigung nach Massgabe dieses Reglementes zu zahlen. Ungeachtet der Nationalität des Spielers kann vom alten Club im Falle eines Clubwechsels nur dann eine Ausbildungsentschädigung verlangt werden, wenn der betreffende Spieler aufgrund eines unbefristeten (definitiven) Clubwechsels für den alten Club lizenziert war. Ausserdem gilt: Der Club, der einen Spieler befristet übernimmt, hat beim nächsten Clubwechsel keinen Anspruch auf eine Entschädigung.
Tatsache ist jedoch, das diese Entschädigungen nur einen Bruchteil der Investitionen deckt. Es ist und bleibt nur eine "Entschädigung".
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