Amerikas neuer Feind
publiziert: Donnerstag, 19. Mrz 2009 / 19:07 Uhr

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Trotz Riesenverlusten wurden die Manager vergoldet. Und das auf Kosten der Steuerzahler.
Trotz Riesenverlusten wurden die Manager vergoldet. Und das auf Kosten der Steuerzahler.
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CNN International

edition.cnn.com/POLITICS

Momentan spricht ganz Amerika - von Obama über sämtliche Politiker in Washington bis hin zu verärgerten amerikanischen Steuerzahlern - über ein früher total unbekanntes Akronym: AIG. Die American International Group ist ein Milliarden-Dollar-Unternehmen, das in 130 Ländern agiert und als eines der solidesten an der Wall Street galt.

Obama nennt die Machenschaften des Unternehmens «einen Frevel» und der republikanische Senator Charles Grassley sagt, dass die Manager von AIG «entweder kündigen oder Selbstmord begehen sollten».

AIG verkauft in erster Linie Versicherungen (Lebensversicherungen, Versicherungen für Immobilien und Kredite) und hat auch ziemlich viel Geld mit profitablen, aber riskanten Finanzgeschäften gemacht. Als der Kreditmarkt zusammenbrach, hatte AIG nicht mehr genügend Geld, die Policen auszubezahlen und es drohten sich verheerende Folgen für den US-Immobilienmarkt und das globale Grosskapital an.

Finanzspritze von 170 Milliarden Dollar

Ende letzten Jahres musste Washington intervenieren, die Führung des Unternehmens übernehmen und eine Finanzspritze von 170 Milliarden Dollar setzen, damit AIG seinen Verpflichtungen nachkommen konnte.

Diese Woche blieb der Nation nun der Atem bei der Nachricht weg, dass AIG plant, Bonuszahlungen an seine Geschäftsführer im Wert von rund 165 Millionen zu leisten – auch an diejenigen, die offensichtlich verantwortlich für die Finanzgeschäfte waren, die zum Kollaps der Firma führten.

Diese Information sollte jedoch für niemanden in Washington überraschend gewesen sein: AIG ist bereits seit einigen Monaten unter der Kontrolle der Regierung und hat die Bonuszahlungen weit im Voraus angekündigt.

Dennoch bezeichnete Präsident Obama diese Neuigkeiten als plötzlichen Schock. Er kündigte an, seine Regierung würde «sämtliche rechtliche Massnahmen» heranziehen, um die Bonuszahlungen zu blockieren.

Boni sind vertraglich abgesichert

Tatsache ist aber, dass die Boni vertraglich abgesichert sind und die Regierung sich weigert, diese Verträge zu brechen. Republikaner und Demokraten versuchen nun gemeinsam Wege zu finden, um sich die Bonuszahlungen rückerstatten zu lassen.

AIG anzugreifen ist ein cleverer, populistischer Schachzug der Politik, um die Wut der Wähler auszunutzen. Der Präsident hat gleichzeitig ein höheres politisches Ziel: Obama ist noch längst nicht fertig damit, die US-Wirtschaft wieder in Ordnung zu bringen und weitere Milliarden dafür auszugeben. Wenn die Amerikaner nun glauben sollten, sie würden ausgenutzt, um Betrüger wie AIG zu unterstützen, würden sie Obamas Pläne kaum noch befürworten.

Die Weltwirtschaft aber baut darauf, dass Obamas Pläne aufgehen. Extravaganzen der AIG gegenüber könnten uns alle viel Geld kosten, wenn sie das Unternehmen in noch grössere Schwierigkeiten brächten.

Jonathan Mann - POLITICAL MANN
Dieser Text stammt von Jonathan Mann, Moderator und Journalist bei CNN International. Er moderiert das wöchentliche Politmagazin «Political Mann» auf CNN International. Der Text steht in der Schweiz exklusiv für news.ch zur Verfügung.

(Kolumne von Jonathan Mann/CNN-News)

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