Amnesty prangert Polizeigewalt in Ägypten an
publiziert: Dienstag, 2. Okt 2012 / 13:11 Uhr
Polizisten und Soldaten hätten auf Proteste mehrfach mit «exzessiver Gewalt» reagiert, heisst es.
Polizisten und Soldaten hätten auf Proteste mehrfach mit «exzessiver Gewalt» reagiert, heisst es.

Kairo - Die Menschenrechte werden in Ägypten heute noch genauso mit Füssen getreten wie in der Ära von Präsident Husni Mubarak. Wer in die Hände der Sicherheitskräfte gerät, dem drohen weiterhin sexuelle Gewalt und Elektroschocks. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

4 Meldungen im Zusammenhang
In dem am Dienstag in Kairo veröffentlichten Bericht über Gewalt durch Polizeikräfte und Soldaten («Agents of Repression: Egypt's military kill and torture protesters with impunity») heisst es, Präsident Mohammed Mursi und die neue Regierung hätten bislang nichts gegen die weit verbreitete Misshandlung von Demonstranten und Häftlingen unternommen.

Vor allem dem Obersten Militärrat, der nach dem erzwungenen Rücktritt Mubaraks im Februar 2011 für 16 Monate die Macht übernommen hatte, stellen die Menschenrechtler ein schlechtes Zeugnis aus.

Elektroschocks und sexuelle Demütigung

Der Bericht führt Beispiele von Demonstranten auf, die mit Elektroschocks traktiert und sexuell gedemütigt wurden. Polizisten und Soldaten hätten auf Proteste mehrfach mit «exzessiver Gewalt» reagiert, heisst es. Dadurch hätten sie den Tod Dutzender Demonstranten provoziert, prangert Amnesty an.

Der Bericht zeige auf, wie sich die Armee in der Regierungszeit des Militärrates klar über geltendes Recht hinweg gesetzt habe und wie Militärgerichte es versäumt hätten, den Opfern der Misshandlungen Wiedergutmachung anzubieten, heisst es in einer Mitteilung von Amnesty International Schweiz vom Dienstag.

Selbst die Untersuchungen ziviler Ermittler hätten zu keiner einzigen Anklage gegen Mitglieder der Armee geführt - sei es aufgrund von Unwillen oder von Unvermögen.

Laut Amnesty International müssen Polizisten und Soldaten auch heute in der Regel nicht mit harten Strafen rechnen, wenn sie willkürlich Zivilisten angreifen oder misshandeln.

Amnesty appelliert an neue Regierung

Amnesty International erinnert die neue ägyptische Führung, die von den islamistischen Parteien dominiert wird, an ihre historische Verantwortung. Einer der Auslöser für die sogenannte ägyptische Revolution vom 25. Januar war der Tod von Chaled Said aus Alexandria gewesen. Der junge Mann war von zwei Polizisten zu Tode geprügelt worden.

Die ganze Enttäuschung einer Generation, die gehofft hatte, nach Mubaraks Sturz werde nun ein neues, besseres Zeitalter anbrechen, spricht aus dem Kommentar eines von Amnesty befragten Folteropfers.

Der 19 Jahre alte Islam Mustafa Abu Bakr sagte: «Wie können sie uns nur so demütigen, und dann kommen sie auch noch ungeschoren davon, nach allem, was wir während der Revolution getan haben, um dieses Land besser zu machen.» Abu Bakr wurde wegen seiner Teilnahme an den Protesten vor dem Regierungsgebäude im Dezember 2011 angeklagt.

Präsident Mursi hat zwar eine Reform des Polizeiapparats versprochen. Doch diese lässt bislang auf sich warten. Von denjenigen Ägyptern, die der Proteste müde sind und glauben, die Polizei müsse «hart durchgreifen», um die Sicherheit im Lande wieder herzustellen, hat der Präsident allerdings keine Kritik zu befürchten.

(knob/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
London - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International beklagt eine zunehmend unverhältnismässige Polizeigewalt ... mehr lesen
Amnesty beruft sich unter anderem auf Proteste gegen Sparmassnahmen der Regierungen in Athen. (Symbolbild)
Proteste in Ägypten. (Archivbild)
Kairo - Knapp drei Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Ägypten haben am Freitag Tausende gegen den Obersten ... mehr lesen
Kairo - Bei schweren Auseinandersetzungen vor dem ägyptischen Verteidigungsministerium in Kairo ist ein Demonstrant getötet ... mehr lesen
Während der dreistündigen Strassenschlacht wurden Steine, Feuerwerkskörper, Flaschen und Brandbomben geworfen.
Die Katalanen stehen wohl hinter ihrem Regierungschef. (Archivbild)
Die Katalanen stehen wohl hinter ihrem ...
Staatsanwalt  Barcelona - Die nationale spanische Staatsanwaltschaft hat den Regierungschef der Region Katalonien, Artur Mas, wegen der jüngsten Volksbefragung zur Unabhängigkeit angeklagt. 
Madrid wird Katalonien kein Unabhängigkeitsreferendum erlauben Madrid - Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy wird ein ...
Katalanen wollen bindendes Referendum Barcelona - Nach der inoffiziellen Volksbefragung in Katalonien strebt die Regierung ...
Kataloniens Regierung feiert Befragung als Erfolg Madrid - Kataloniens Regierung sieht sich nach der inoffiziellen ...
Für Konsultationen  Wien - Die Ministergespräche über das umstrittene iranische Atomprogramm sind unterbrochen worden. Die Verhandlungsführer sollen ...  
Wann Kerry zu den Verhandlungen nach Wien zurückkehren werde, stehe noch nicht fest. (Symbolbild)
Die Schuldigen müssen zur Verantwortung gezogen werden. (Symbolbild)
Gesetzlich verboten  Kampala - Ein Gericht in Uganda hat fünf ...  
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2581
    Die... Ukraine wurde 20 Jahre lang sehr schlecht regiert. In wenigen Monaten ... gestern 12:59
  • thomy aus Bern 4171
    Ja, das könnte so sein, nicht wahr!? Was wir doch alles diesen Intelligenzlern zu verdanken haben ... Schon ... Mi, 19.11.14 18:38
  • Kassandra aus Frauenfeld 1064
    Natürlich Muslime haben auch das archimedische Prinzip und die ... Mi, 19.11.14 12:42
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2581
    Gut... zu wissen! Die OSZE hat über 100 Brüche der Waffenruhe in der Ukraine ... Mo, 17.11.14 19:58
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2581
    Russland... kann mit Bomberflügen oder mit Ausweisungen von Diplomaten in Europa ... Mo, 17.11.14 13:58
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2581
    Was... kommt als Nächstes von R. Erdogan? Relativitätstheorie von den Osmanen ... So, 16.11.14 19:45
  • Kassandra aus Frauenfeld 1064
    Es geht doch lediglich darum, die eigene Bevölkerung zu beruhigen. Ob ein Rumäne in ... So, 16.11.14 17:39
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2581
    Hinter... der Brutalität des IS ist ein Muster zu erkennen, das bestimmten Zielen ... So, 16.11.14 11:42
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
FR SA SO MO DI MI
Zürich 4°C 7°C leicht bewölkt leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Basel 4°C 9°C leicht bewölkt leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
St.Gallen 3°C 5°C leicht bewölkt leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Bern 3°C 7°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig nebelig nebelig nebelig nebelig nebelig
Luzern 5°C 8°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig nebelig nebelig nebelig nebelig nebelig
Genf 4°C 11°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Lugano 4°C 12°C sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos
mehr Wetter von über 6000 Orten