Weniger Hinrichtungen
Amnesty verzeichnet weltweit dramatischen Anstieg an Todesurteilen
publiziert: Mittwoch, 1. Apr 2015 / 08:06 Uhr
In den Statistiken fehlen die Zahlen für Nordkorea sowie China, wo genauere Angaben zu Hinrichtungen als Staatsgeheimnis behandelt werden. (Symbolbild)
In den Statistiken fehlen die Zahlen für Nordkorea sowie China, wo genauere Angaben zu Hinrichtungen als Staatsgeheimnis behandelt werden. (Symbolbild)

Berlin - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat im vergangenen Jahr weltweit mehr Todesurteile, aber weniger Hinrichtungen gezählt. Im Land mit den meisten Exekutionen sind genaue Zahlen allerdings ein Staatsgeheimnis.

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Die Zahl der Todesurteile weltweit ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Rund um den Globus wurden nach einem Bericht von Amnesty International, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, mindestens 2466 Todesurteile verhängt. Im Jahr zuvor waren es mindestens 1925 Urteile - ein Plus von 28 Prozent.

Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty sprach von einem «dramatischen Anstieg». Dieser sei unter anderem auf Massenverurteilungen im Zusammenhang mit den politischen Spannungen und gewaltsamen Auseinandersetzungen in Ägypten und Nigeria zurückzuführen.

«Regierungen, die mit der Todesstrafe Verbrechen bekämpfen wollen, betrügen sich selbst», erklärte Amnesty. Es gebe keine Belege dafür, dass die Todesstrafe mehr abschrecke als andere Strafen. Gerade angesichts der von der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) ausgehenden Gewalt sei es «beschämend, dass einige Staaten die Todesstrafe als Mittel gegen Terrorismus rechtfertigen».

Weniger Länder vollstrecken Todesstrafe

Die Zahl der registrierten Hinrichtungen ging nach diesen Angaben allerdings deutlich zurück. Die Menschenrechtler kamen auf weltweit mindestens 607 Hinrichtungen, was ein Rückgang von 22 Prozent darstellt.

Positiv vermerkte Amnesty International, dass die Zahl der Länder, in denen die Todesstrafe vollstreckt werde, binnen 20 Jahren von 41 auf 22 gesunken sei. Die Zahlen der Todesurteile und Hinrichtungen in den USA und in Afrika gingen bereits seit Jahren zurück. Amnesty verwies auch auf ein im vergangenen Jahr verabschiedetes Gesetz zur Abschaffung der Todesstrafe in Madagaskar.

Keine Zahlen über den Spitzenreiter

In den Statistiken fehlen die Zahlen für Nordkorea sowie China, wo genauere Angaben zu Hinrichtungen als Staatsgeheimnis behandelt werden. Amnesty gibt für die Volksrepublik nicht einmal Schätzungen bekannt. Im Bericht heisst es dazu nur: «China hat wieder mehr Hinrichtungen ausführen lassen als der Rest der Welt zusammen.» Dies würde bedeuten, dass es weltweit mehr als 1200 Exekutionen gab.

Nach letzten Schätzungen der amerikanischen Dui-Hua-Stiftung in San Francisco, die über gute Beziehungen in die chinesische Justiz verfügt, wurden 2013 in der Volksrepublik vermutlich etwa rund 2400 Menschen hingerichtet. Für 2014 gibt es noch keine neuen Daten. Der Dui-Hua-Vorsitzende John Kamm sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Nach meinem Eindruck dürfte sich die Zahl auf dem Niveau von 2400 stabilisiert haben.»

Platz zwei für Iran

Auf Platz zwei der Liste liegt wieder der Iran, wo mindestens 289 Menschen gehenkt wurden. Dazu kämen mindestens 454 weitere hinzu, die von den iranischen Behörden nicht bestätigt worden seien.

Es folgen Saudi-Arabien mit 90 Hinrichtungen, der Irak (61) und die USA (35). In Europa vollstreckt als letztes Land nur noch Weissrussland (3) die Todesstrafe. Mit Ausnahme der USA sind das alles Mindestzahlen. Im Iran und in Saudi-Arabien gab es auch noch öffentliche Hinrichtungen.

(flok/sda)

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Todesstrafe ist nach einem rechtsstaatlichen Verfahren hinnehmbar,wenn man von der Tat und dem Leiden der Opfer ausgeht.
Man tötet, wenn es sein muss, in Notwehr. Also geht es bei der Diskussion nicht ums Lebennehmen,wozu nur angeblich niemand berechtigt sei, sondern um die Frage: Darf der Staat im Auftrag des Gesetzgebers töten?Er darf mich in den Krieg schicken dürfte hier als Antwort dazu reichen.
Aber darf er prozessual töten? Darauf lautet die Antwort: Nein oder Ja. Und egal, zu welcher Antwort man neigt, ein besserer Mensch wird man deswegen nicht, auch wenn man tief betroffen ist.
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