Amok - ein Teil unserer Gesellschaft
publiziert: Dienstag, 20. Mrz 2012 / 09:39 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 21. Mrz 2012 / 11:59 Uhr
Amokläufer: Emotional isolierter Minderleister mit leichtem Zugang zu Waffen.
Amokläufer: Emotional isolierter Minderleister mit leichtem Zugang zu Waffen.

Am 5. März dieses Jahres brachte die herausragende Sendung Kontext im Schweizer Radio DRS2 ein Gespräch mit der Autorin und Wissenschaftlerin Ines Geipel zum Thema Amok. Es lohnt sich, die Sendung nachzuhören und hier über die auch schon von uns in die Diskussion gebrachten Hintergründe von Amoktaten nachzudenken.

6 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Hintergedanken zu Amok
Kontext-Sendung mit Ines Geipel zum Thema Amok-Lauf
drs.ch

Die Autorin Ines Geipel gehört zu den mutigsten Frauen Europas. Sie wurde in Dresden geboren und vom damaligen Unrechtsregime mit Drogen vollgepumpt, um mit drei anderen Kolleginnen den immer noch nicht gebrochenen Weltrekord der vier mal Hundert Meter Staffel aufzustellen. Ines Geipel prozessierte gegen ihre damaligen Dopingfolterer und sie gewann. Sie flüchtete 1989 in den Westen, wo sie sich als Publizistin und Dozentin gegen die Dopingspirale im Spitzensport engagiert. Gleichzeitig engagiert sie sich mit ihrem Buch «Der Amok-Komplex oder die Schule des Tötens» in der Frage nach der Verantwortung der Gesellschaft in diesen unaussprechlichen Taten.

«Das ist ein Unheil, das vom Himmel gefallen ist» meinten 2002 die politisch Verantwortlichen zur Amoktat in Erfurt. Gegen solch entpolitiserte, verdummende Interpretationen gilt es sich überall zu wehren. Geipels Buch handelt von der Systemlogik, welche junge Amokläufer ihre Destruktionen ausleben lässt. Geipel hält nichts von der Dämonisierung der Täter, sondern plädiert für einen gesellschaftlichen Blick auf die Taten.

Während Theodor W. Adorno den autoritären Geist als Basis für den Aufstieg der Nationalsozialisten nachzeichnet, weist Ines Geipel in acht Punkten nach, welche Voraussetzungen Amokläufe fördern:

Erstens brutalisiert die enorme, schnelle und gewalttätige wirtschaftliche Veränderung der Gesellschaft einen Teil der männlichen Jugend. In diesem unaufhaltsamen Modus stehen oft die Amokläufe. Alle Täter stammen aus sogenannt guten, aber emotional unglaublich distanzierten und kalten Verhältnissen. Die Amoktäter kündigen ihre Taten akribisch an. Alle Täter sind aufflällig sprachlos. Alle Täter sind hochmotiviert und kompetent im Netz unterwegs. Alle Täter waren noch nie verliebt und sind weit davon entfernt, jemals verliebt zu sein. Alle Täter sind in der Nähe von Waffen aufgewachsen und kommen ohne Probleme und äussert einfach zu Waffen. Alle Täter sind zwar intelligent, aber schlecht in der Schule, sogenannte Minderleister. Alle Täter sehen sich selber als Looser und werden als selbige wahrgenommen.

Also. Es wäre wichtig, diese Gründe endlich nicht nur zu diskutieren, sondern auch Verhältnisse zu schaffen, welche mögliche künftige Amoktaten verhindern.

Unsere individualisierte und zunehmend den Einzelnen isolierende Gesellschaft ist sicher als einer der Hauptgründe zu nennen. Wie sonst ist es zu erklären, dass trotz vorheriger Ankündigungen vieler Täter sich anscheinend niemand ein Herz fasst und etwas unternimmt? Unsere Gesellschaft wird zunehmend wehklagender, NACHDEM ein Unglück passiert ist, und zunehmend apatisch gegenüber den Zeichen, die überdeutlich an der Wand zu lesen sind. Wobei die Wand heute vorwiegend das Internet ist und via Facebook und Foren teilweise sogar fasziniert zugeschaut wird, wie ein Mensch sich immer tiefer in eine Wahnwelt hineinschraubt. Bis zur Tat.

Am Ende ist die Tat dann die völlige Pervertierung von Andy Warhols 15 Minuten Berühmtheit. Was es braucht ist eine sich engagierende Gesellschaft, die ihre Mitglieder sieht und ihnen zuhört, sie sehen lässt und sie auch sprechen lässt. Genau diese Anerkennung wird mittlerweile vielen jungen Menschen, vor allem auch jungen Männern, verwehrt. Mit Adorno stellen wir fest, dass ein würdiges Menschenleben auch würdige gesellschaftliche Rahmenbedingungen braucht.

(Regula Stämpfli/news.ch)

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leseverweigerung
ich lese frau stämpflis texte nicht mehr. eine frau, die nix zu sagen hat, sollte auch nichts schreiben. da bin ich konsequent. diese frau hat nach ihrem artikel über belgien jede option auf interesse verloren.

darum aufruf und vorschlag an alle: IGNORIERT FRAU STAEMPFLI!!!
Wer liest noch Regula Stämpfli ?
Offenbar fast niemand mehr.
Jason : it's not the first time that she
writes scandalous. Remember the comparison between intimal (free) shaving and the N.zI system !
So, the editor-in-chief of news.ch implicitely agrees Frau Stämpfli by letting her write further. Be sure this would not be possible in Belgium without - at least - apologises and so on. But there's here a big $$$-implication. This is pure business, athought the sickness we can feel.

Beschwerde sind eingereicht, mal sehen was daraus kommt - zur Ehre oder Unehre von der Schweiz
wenn es so einfach wäre
bla, bla, bla - Ich frage mich, ob die«Dame» überhaupt eine eigene Meinung hat oder nur in der Lage ist, andere «Koryphäen» zu zitieren?

Wenn es so einfach wäre, potenzielle Täter aufgrund ihrer Ankündigung der Tat aufzuspüren, dann würde dies sicher getan. Was ist denn zu tun, um den Amokläufern ihre «Legitimation» zu ihrer Tat zu nehmen? Muss jedermann ein Mindestlohn bezahlt werden, egal ob er/sie arbeitet, nur um den sozialen Frieden zu erhalten? Eines der Probleme ist, dass Politiker in der Regel nicht mehr Volks-, sondern Interessenvertreter sind. Nur die «hohe Politik» hat es in der Hand, die Kluft zwischen Arm und Reich zu schliessen. Aber leider tut sie nichts dagegen, weil Eigeninteressen im Vordergrund stehen. Wie anders ist zu erklären, dass z.B. die Abzockerinitiative derart lange ’beraten’ worden ist?
Amok oder wenn Worte töten könnten !
..."Alle Täter stammen aus sogenannt guten, aber emotional unglaublich distanzierten und kalten Verhältnissen..."

Frau Stämpfli, zum Thema Busunglück, erkenne ich Sie gut! Eine mit Worten perfekte Scharfschutzin...
Don't get your hopes up too high
Of course the weekly drivel of Stämpfli is continued. And why not?
But one may ask him/herself why there is no apology for the now widely known awful article of last week.

Even our most read news paper "20 Minuten" has now made a story about this which is quite astonishing.
I don't think so......
the online petition is now being signed by Belgians in Mexico, Ireland and by non Belgians, in Switzerland, The Netherlands, France,

the longer this takes, the more people are awaiting a reaction "sehr geerhte" Frau Stämpfli.....
Also, Sie schreiben weiter ?! Nur so ?
Als ob nichts passierte ? "Belgisation" ist schon vergessen ? Denken Sie wirklich ?
.
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