Amokläufer plante sechs Jahre
publiziert: Mittwoch, 24. Sep 2008 / 13:11 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 24. Sep 2008 / 18:03 Uhr

Helsinki - Der Schul-Amokläufer im finnischen Kauhajoki hat sich sechs Jahre auf seine Bluttat vorbereitet, ohne jemandem aufzufallen. In seinem Zimmer im Studentenwohnheim hat er eine «Hassbotschaft» hinterlassen.

Matti Juhani Saari in einem seiner Videos auf YouTube.
Matti Juhani Saari in einem seiner Videos auf YouTube.
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«Ich wollte immer so viele Menschen wie möglich töten», lautete demnach die Notiz, welche die Ermittler in der Wohnung des 22-Jährigen fanden. Ganz veröffentlicht soll die Botschaft allerdings nicht werden, teilte die Polizei am Mittwoch mit.

Der Amokläufer hatte am Dienstag eine Schule gestürmt und acht Mitschülerinnen, einen Mitschüler und einen Lehrer getötet. Anschliessend richtete er sich selbst.

In Finnland herrschte am Tag nach dem zweiten Schulmassaker innerhalb eines Jahres Trauer um die Opfer und Fassungslosigkeit über die tatenlose Polizei. Sie hatte unmittelbar vor dem Amoklauf mehrere Warnungen erhalten und dem Täter trotzdem weder seine Pistole vom Typ Walther P22 noch den Waffenschein abgenommen.

Der Amokläufer hatte mehrere Gewaltvideos im Internet mit sich selbst als Pistolenschütze veröffentlicht. Nach einem Polizeiverhör dazu, das ohne Konsequenzen blieb, stellte der Täter am Abend vor dem Massaker ein neues Video ins Netz, in dem er Richtung Kamera schoss und auf Englisch rief: «Du stirbst als nächster». Auch darauf wurde die Polizei hingewiesen, ohne einzuschreiten.

Auch Feuer gelegt

Der Amokschütze hatte gezielt ihm bekannte Mitschüler aus der eigenen Klasse und aus seinem Jahrgang an einer Berufsschule getötet. Neben der Waffe hatte er eine mit Sprengsätzen sowie Chemikalien gefüllte Tasche mitgebracht und Feuer gelegt.

Mehrere Opfer seien nicht durch Schüsse, sondern durch Rauchvergiftung gestorben, teilte die Polizei mit. Eine Zeugin sagte im Radio, der Schütze habe einen völlig ruhigen Eindruck gemacht, als er schoss.

Mitschüler schilderten den Amokläufer übereinstimmend als still, wenig auffällig und generell «völlig normal». Sein Schuldirektor Tapio Varmola sagte: «Er hat ein Doppelleben mit völlig voneinander getrennten Hälften gelebt. Wir haben von der anderen nichts geahnt.»

Untersuchung gegen die Polizei

Während überall in Finnland zum Zeichen der Trauer die Flaggen auf halbmast gehisst wurden, kündigte Ministerpräsident Matti Vanhanen bei einem Besuch am Tatort eine Verschärfung der betont liberalen finnischen Waffengesetze an.

Sie ermöglichen auch 15-Jährigen einen Waffenschein, wenn die Eltern einverstanden sind. Die Leichtigkeit, mit der in Finnland Waffen zu bekommen seien, sehe er sehr kritisch, betonte Vanhanen weiter. Finnland liegt weltweit in der Statistik der Waffenbesitzer an dritter Stelle hinter den USA und dem Jemen. Vanhanen kritisierte die Passivität der Polizei: «Wir werden untersuchen, warum nach den Warnungen aus der Öffentlichkeit nichts unternommen wurde.»

In den Medien herrschte eine heftige Debatte über die Gründe für das in Finnland relativ neue Phänomen. Neben den liberalen Waffengesetzen, der Gewalt im Internet und der zunehmenden Vereinzelung des Menschen stellten sie auch das Schulsystem in Frage, das laut PISA zu den besten weltweit gehört.

Erst im vergangenen November hatte ein 18-jähriger Abiturient im finnischen Jokela acht Menschen erschossen. Anschliessend nahm er sich das Leben.

(fest/sda)

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