Angehört: Antibalas - «Antibalas»
publiziert: Sonntag, 19. Aug 2012 / 18:13 Uhr

Die 12-köpfige Formation Antibalas aus New York gehört zu den Mitbegründern der Afro-Beat-Wiederentdeckung, der Sound, den Fela Kuti berühmt gemacht hat. Das neue selbstbetitelte Album, ihr viertes, geht wieder zurück zu den Afrobeat-Wurzeln.

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«Eine gute Afrobeatplatte lebt vom Rhythmus», sagt Gabriel Roth, Mitbegründer von Daptone Records und Produzent der selbst betitelten Antibalas-LP. «Nicht nur von der Rhythmusgruppe, sondern auch dem Rhythmus der Bläser, dem Rhythmus des Gesangs, dem Rhythmus der Tasteninstrumente, dem Rhythmus in allem. Es geht darum, etwas auf dieselbe Art zu empfinden, Musik auf dieselbe Art zu hören und sämtliche Instrumente zu einer gemeinsamen Stimme zu formen. Antibalas ist augenblicklich die einzige Band, der das gelingt. Das ist der Grund, warum sie auch noch nach so vielen Jahren ganz vorne mitmischen.»

Das 1997 in einem Lagerhaus in Brooklyn gegründete 12-köpfige Ensemble, dem allgemein die Leistung zugesprochen wird, Afrobeat einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben, hat die Bühne und das Studio bereits mit Künstlern wie Paul Simon, TV On The Radio, Public Enemy und Amy Winehouse geteilt und zählt Grössen wie David Byrne und Questlove zu ihren Fans.

Gabriel Roth, Gründungsmitglied, Produzent der ersten drei Alben der Band und Bandleader der Dap-Kings erinnert sich: «Damals war das Interesse an Afrobeat, selbst an Fela Kuti, nicht sonderlich gross. Antibalas wurden deshalb von vielen als Wegbereiter der zweiten Afrobeat-Welle gesehen. Heute gibt es grossartige Afrobeat-Bands in Brasilien, Chicago, England, auf der ganzen Welt, und ich glaube, dass viele dieser Band - neben Fela natürlich - Antibalas als einen ihre wichtigsten Einflüsse betrachten.»

Antibalas wurde unter der Regie von Roth über einen Zeitraum von zwei Wochen in Daptones House of Soul-Studio in Brooklyn aufgenommen. Es ist das fünfte Antibalas-Album und das Erste, das auf Daptone Records erscheint - damit schliesst sich für die Band ein Kreis. Antibalas haben in ihrer langen Geschichte immer schon diverse Mitglieder mit anderen Acts des Daptone-Rosters geteilt, darunter Sharon Jones and the Dap-Kings und The Budos Band. Tatsächlich gründeten sich TV on the Radio, The Dap-Kings und Antibalas alle ungefähr zur gleichen Zeit in jenem Brooklyner Loft,in dem damals Tunde Adebimpe, Roth und Antibalas-Gründer und Bariton-Saxofonist Martin Perna lebten.

Tracks wie «The Rat Catcher», «Him Belly No Go Sweet» und «Ìbéji» sind exemplarisch für die telepathische Magie zwischen den Bandmitgliedern, ihr niemals nachlassendes Gespür für mitreissende Grooves, lassen keinen Zweifel, dass Antibalas ihr bisher prägnantestes und fokussiertestes Werk ist. Vom dynamischen Spiel der neuen Rhythmusgruppe (Schlagzeuger Miles Arntzen und Bassist Nikhil Yerawadekar) bis zum löwenhaften Fauchen des langjährigen Frontmannes Amayo ? geborener Nigerianer und Kung-Fu-Lehrer - klingt die Band selbstbewusster denn je.

Neben den rund fünfzig Live-Auftritten, die sie jährlich rund um den Globus absolvierten, waren die Musiker in eine Vielzahl von musikalischen Projekten eingebunden. «Wir haben immer noch alle zusammengespielt, bloss nicht als Antibalas», erklärt Martin Perna. «Wir waren weiterhin ein eingeschweisstes Team, hatten die Gelegenheit, die gemeinsame Freundschaft, das Vertrauen ineinander weiter auszubauen, dieses blinde Verständnis zu entwickeln, das entsteht, wenn Musiker so lange Zeit zusammenspielen. Von einer Re-Union der Band zu sprechen, wäre deshalb einfach nicht richtig - denn wir haben uns nie getrennt.»

«Wir lieben den Afrobeat, diese Musik ist uns sehr, sehr wichtig, sie bekommt immer noch nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient», fährt er fort. «Anders als bei der meisten anderen Musik, wo sich alles ums Ego dreht, ein totaler Personenkult betrieben wird, mussten wir alle lernen mit sehr speziellen Anforderungen zurechtzukommen - auf gewisse Weise wurde jeder in der Band zum Drummer. Wir spielen unsere Parts vielleicht auf Melodieinstrumenten, aber sie sind Teil dieses grossen, eng verwobenen Netzes, das die Musik trägt.»

«Das Interessante an Antibalas ist, dass die Band wirklich ein mehrköpfiges Ungeheuer ist», sagt Stuart Bogie, der Tenorsaxofonist von Antibalas. «Die letzte Nummer auf dem Album ist »Sáré Kon Kon« und dieser Song hat eine kinetische Energie, die niemals nachlässt. Der Text lautet in etwa »Wir rennen, wir rennen, wir wissen nicht wo hin, aber alle rennen immer weiter«. Das beschreibt gewissermassen diese vorwärtsstürmende Energie, die diese Band zusammenhält. Bildlich gesehen, befinden wir uns alle auf demselben Zug. Ohne Zugführer, Heizer, Bremsen, alle müssen mit und es gibt kein Halten.»

(fest/news.ch mit Agenturen)

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