Angehört: Bibi Tanga - 40° of Sunshine
publiziert: Sonntag, 8. Jul 2012 / 16:55 Uhr

«40° of Sunshine» wurde nach einer zweimonatigen Afrika-Tour von Bibi Tanga & The Selenites aufgenommen und es ist so ein entspanntes, sonniges und zugleich poetisches Album mit vielen Afro- und Funkrhythmen entstanden.

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"Die ganze Band war sonniger und glücklicher gestimmt als sie dieses Album aufgenommen hat", sagt der Frontmann und Bandleader Bienvenu (Bibi) Tanga. "Die Aufnahmen fanden nach einer Afrika-Tour, die uns durch zwölf heisse Länder führte, statt. Unsere Beziehungen als Musiker und Freunde wurden durch dieses Tour gestärkt. Und das Album ist sonniger als die vorherigen. Auf den ersten beiden Alben war der Mond unsere zentrale symbolische Figur, dieses Mal ist es die Sonne."

Das Titel-Stück "40° of Sunshine" ist ebenfalls von diesen Erfahrungen inspiriert: "Es ist eine Geschichte, darüber was passieren würde wenn man Alkohol durch flüssigen Sonnenschein ersetzt; ein drittel Liter Sonnenschein in Flaschen."

Es ist zwei Jahre her, dass Bibi & The Selenites mit Dunya debutierten, aber die einzigartige retro-futuristische Vision und der geschmeidige Afro-Paris-Sound bilden immer noch den Grundstock von 40° of Sunshine. Und ihr langjähriger Produzent und Kollaborateur Le Professeur Inlassable stand wieder am Mischpult in seinem Studio links des Ufers der Seine und polierte ihren Sound zu etwas luxuriös Glänzendem.

Pariser Einflüsse

Für alle die Bibi Tangas internationales Debut verpasst haben, eine kurze Zusammenfassung: 1969 geboren in Paris hat Bienvenu Tanga seine Heimat nicht gesehen bis seine Eltern ihn mit 2 Jahren  nach Bangui, der staubigen Hauptstadt der Zentral-Afrikanischen Republik, brachten. Bibi war eines von 10 Kindern, das seine ersten Lebensjahre hin und her reisend zwischen Paris, Afrika, Moskau, Washington D.C. und Brooklyn verbrachte, da sein Vater Diplomat war. Zu guter Letzt liessen sie sich in einem Pariser Vorort nieder wo Bibi ein musikalischer Vielfrass wurde. Britische New Wave, afrikanischer Pop, amerikanischer Blues und R'n'B konstituierten gleichermassen seine Mahlzeiten. Als Teenager lernte Bibi Gitarre, Bass und Saxofon " und sogar Steptanz.

Im Jahr 2000 "mittlerweile mit eigener Band" tat er sich mit Professeur Inlassable (dem unermüdlichen Professor) zusammen und blickte nicht mehr zurück. Ein Gelehrter in Sachen früher französischer Pop-Musik bringt der Professor eine neue Dimension in Bibi Tangas Sound, in dem er verlorene musikalische Landschaften wieder auferstehen lässt, die Echos von Edith Piaf, Jacques Brel und Serge Gainsbourg mit sich führen. Zusammen mit Bibis Band The Selenites, bestehend aus Arthur Simonini (Violine und Keyboards), Rico Kerridge (Gitarre) und Arnaud Biscay (Schlagzeug), erschaffen Bibi und Le Professeur einen ausserirdischen Klang.

Auf 40 Degrees of Sunshine spielen die Selenites straffer denn je und Bibi stellt fest: "Dieses Album ist stärker noch als der Vorgänger eine kollektive Arbeit." Die Songs entstanden spontan und organisch aus den Studio-Jam-Sessions.

Von Jam-Sessions zu Aufnahmen

"Das Album wurde in ein paar Wochen im Sommer 2011 während nächtlicher Jam Sessions aufgenommen", erklärt Bibi. "Alle Stücke entstanden aus kollektiven Jams, die wir auf den Sample-Techniken von Professeur Inlassable aufbauten. Er bestimmte die Stimmung mit seinen Loops und dann setzte die Band ein, um einen musikalischen Hintergrund für meine Songs und meine Lyrik zu kreieren."

Diese entspannte, kollektive Herangehensweise zahlte sich aus, wie man an dem funkigen Zusammenspiel und den poetischen Verbindungen auf Stücken wie "Poet of the Soul" und "Laughing Song" hören kann. Ersteres vermählt einen flotten Funk-Groove mit Zeilen aus Walt Whitmans Meisterstück "Leaves Of Grass", letzteres basiert auf einem Gedicht des kanonisierten englischen Dichters William Blake.

Zwei Stücke auf dem Album, "Kangoya" und "Banda a gui koua" werden in der Sango Sprache der Vorfahren Bibis gesungen. Bibi erklärt,dass "kangoya in Sango der Name für Palmwein ist und der Song zeichnet ein positives Bild des Getränks, weil es ein soziales und familiäres Getränk ist, es bringt Menschen zusammen. Banda a gui koua wiederum ist der Name einer traditionellen Gemüse-Speise der Zentral-Afrikanischen Republik. In dem Song geht es um die Liebe von Immigranten zu Speisen aus ihrer Heimat."

Auf "Banda a gui koua" ist auch erstmalig Emma Lamadji zu hören, die noch auf sechs weiteren Stücken des Albums singt. Emma stammt ebenfalls aus der Zentral-Afrikanischen Republik und lebt in Frankreich. Bibi und seine Band haben sie auf ihrer Tour mit einer Afrobeat-Band singen hören und sich gleich mit ihr befreundet.

"My Heart is Jumping" hat einen dunkleren Hintergrund als der Rest. Bibi erzählt: "Das Stück ist um Professeur Inlassables Loops aus einer obskuren Platte aus den 30ern gebaut, auf dem eine Frau 'My heart is jumping' singt. Zwei Tage nachdem le Professeur den Loop gebastelt hat, hatte er selbst einen kleinen Herzinfarkt."

"Aber keine Angst", beschwichtigt Bibi. "Es geht ihm jetzt besser und der Vorfall hatte eine positive Auswirkung auf sein Leben. Aber diese magischen Gleichzeitigkeiten gibt es immer wieder wenn wir Musik machen, weil unsere Prozess der Improvisation und freien Komposition eine Menge unbewusste und irrationale Energie freisetzt."

Es ist dieses furchtlose sich Hineinbegeben in den mysteriösen kreativen Prozess, der 40° of Sunshine zu so einer überraschenden und befriedigenden Hörerfahrung macht " du weisst nie wo dein Kopf hingeführt wird, aber deine Füsse bleiben in jedem Fall auf der Tanzfläche.

(fest/sda)

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