Angehört: Lucia Cadotsch - «Speak Low»
publiziert: Dienstag, 1. Mrz 2016 / 21:39 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 2. Mrz 2016 / 12:22 Uhr

Die Schweizer Sängerin und Wahlberlinerin Lucia Cadotsch hat mit «Speak Low» eine berückend schöne Sammlung von modernen Traditionals, wie Gloomy Sunday, Strange Fruit und Moon River, aufgenommen. In Versionen, die unverkennbar den Stempel Berlin 2015 tragen.

Entstanden ist das Album zusammen mit den Meistern des Retrofuturismus: Petter Eldh, Kontrabass und Otis Sandsjö, Tenorsaxophon. In drei Tagen mit drei Instrumenten direkt auf Band gespielt. Live, minimalistisch, symphonisch! Raw like Ceviche! Analog ist das neue Berghain! Linernotes von Francesco Wilking.

Wenn du tust, was du schon immer tun wolltest, aber nicht wusstest wie.

Wenn du endlich die Formel gefunden hast. Wenn der Moment da ist, die Spannung, das Flirren in der Luft. Wenn du dastehst, einatmest, ansetzt, den Ton singst, ihn triffst und er in deinen Ohren richtig klingt, auch Tage und Wochen später, richtiger als alles, was davor war, dann nennt man das: Glück.

Lucia Cadotsch ist glücklich. Sie hat sich mit Speak Low einen Wunsch erfüllt. Und uns. Denn sie singt auf dieser Platte einige der schönsten weil ehrlichsten Lieder, die in den letzten 100 Jahren geschrieben wurden. Was wir hören ist ein einziges Heureka, ich übersetze frei mit: "Iich habe gefunden, was Andere zum weitergeben hierher gelegt hatten" aber dazu später mehr.

Lucia Cadotsch hat sich freigesungen. Speak Low ist die erste Veröffentlichung unter ihrem eigenen Namen. Ist sie deshalb ein Newcomer? Hallo? Die Zürcher Wahlberlinerin, hat mit dem Musikerkollektiv Schneeweiss + Rosenrot drei Alben aufgenommen. 2012 gewann sie mit ihnen den neuen deutschen Jazzpreis. Mit Wanja Slavin (Echopreisträger Bester Saxophonist National 2014) betreibt sie die Liun and the Science Fiction Band, Synthpop für die Menschen von übermorgen. Allein letztes Jahr hat sie mit der Gruppe Yellow Bird ein super-dada Bluegrass-Album releast und mit Hayden Chisholm und dem Lucerne Jazz Orchester den Big-Band-Swing alter Prägung ins 21ste Jahrhundert geholt.

Andere würden nach solch turbulenten Jahren erstmal durchschnaufen, amerikanische Serien schauen und eine Auszeit mit Schafen auf Island nehmen. Lucia Cadotsch, von der DIE ZEIT schrieb, sie sei eine der "besonders interessanten Vertreterinnen einer Wiederbelebung des Jazz-Gesangs jenseits der abgenutzten Standards", nimmt sich etwas Grosses, Schönes vor.

"Nina Simone und Billie Holiday, ihre Art Songs zu interpretieren und zeitlos zu halten, haben mich dazu gebracht, diese Platte zu machen", sagt Lucia und sie spricht diese grossen Namen aus, als rede sie von ihren nächsten Verwandten.

Lucia suchte lange nach den richtigen Charakteren für ihre Idee. Dass ihre Wahl auf den Kontrabassisten Petter Eldh und den Tenorsaxophonisten Otis Sandsjö fiel, war ein grosser Glücksfall. Mit Petter Eldh hatte sie bereits bei Schneeweiss+Rosenrot zusammengespielt. Der schwedische Bassist und sein Landsmann Otis sind beide keine Unbekannten im Jazz-Game. Petter spielt etwa beim Django Bates Trio, Slavin/Eldh/Lillinger und unzähligen anderen Formationen, veröffentlicht wie ein Wilder, inzwischen auch auf seinem eigenen Label (Galatea Records) und spielt jährlich über 100 Konzerte auf internationalen Bühnen. Otis, Mitglied der Bands Farvel und Gothenburg Gadjos ist dabei sich durch sein aussergewöhnliches Spiel einen grossen Namen in der Szene zu machen.

Schon zu Beginn der ersten Session war klar: So und nicht anders muss es klingen und sich anfühlen. Rough und ungeschönt: Drei Instrumente! Kein Schlagzeug! Kein Harmonieinstrument! Weder Overdub-Gewitter noch Plugin-Zauberei, sondern pures Spiel, reines Gefühl!

Lucia Cadotsch erzählt: "Jedem Song haben wir eine ganze Probe gewidmet. Wie eine slow motion jam session, der Zeitraum war ungefähr ein halbes Jahr, in dem wir 15 Songs gemeinsam entwickelt haben. Jeden Song haben wir mehrere Stunden gespielt. So sind alle Ideen entstanden. Und dieser Prozess geht auch weiter, wir spielen die Musik  jedes Mal anders, auch im Studio haben wir die Arrangements wieder verändert und auch seitdem wieder, jede Version ist  eine Momentaufnahme."

Man hört also einem höchst spannenden work in progress zu, dessen Ausgangslage die Lieder sind und zu deren Kern die Musiker im Zusammenspiel versuchen vorzudringen.

(fest/news.ch mit Agenturen)

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