Angehört: Matthew Dear - Black City
publiziert: Samstag, 4. Sep 2010 / 10:35 Uhr / aktualisiert: Samstag, 4. Sep 2010 / 11:47 Uhr

House/Techno-Dj und Produzent Matthew Dear zeigt auf seinem neuen Album «Black City» seine etwas dunklere Seite: Eine düstere Hommage an die Stadt in der er seit ein paar Jahren lebt: New York.

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Matthew Dear@MySpace
MySpace Seite des Dj und Produzent.
myspace.com/matthewdear

Matthew Dear
Offizielle Seite.
matthewdear.com

Matthew Dear bei Ghostly International
Seite beim Label.
ghostly.com

Auch wenn die «Black City» imaginär ist wie Gotham City oder Sin City, so ist die Stadt, an die Matthew Dear bei der Produktion gedacht hat, sicher der nie schlafende Big Apple mit seinen dunklen Ecken: Urban, amoralisch, gefährlich, aufregend und pulsierend. Eine elektrische Stadt ohne Aus-Schalter.

Nicht unbedingt für den Club geeignet

Die Platte bietet keine clubkompatible Musik-Ware. Der Dj, der unter dem Pseudonym Audion immer noch jeden Dancefloor mit Techno und House brutal rocken kann, hat sich Song-Strukturen zugewandt: Vorherrschend ist die etwas monotone, aber unverwechselbare Stimme Dears, die Beats sind teils sperrig, verschroben, die Arrangements aber immer interessant. Die Titel schleichen eher, als dass sie hetzen. Höhlenartige, atmosphärische Sounds umhüllen den Hörer, und seltsame Verzerrungen prasseln am Horizont. Manchmal wie funky Krautrock a la Can («I Can't Feel»), manchmal poppig wie das neunminütige «Little People», Musik für nach dem Clubbesuch.

Bei der gesamten sehr düsteren Ausrichtung der Stimmung gibt es doch auch zarte, fast süsse Momente: «Slowdance» ist ein futuristisches Wiegenlied, in dem er über einem Arthur Russell-artigen Cello seine Vocals haucht, das Schlussstück «Gem» ist eine einfache, Hall-durchnässte Klavier-Ballade, die mit einer langen, langsamen Blende endet. Selbst in Matthew Dears Black City gibt es Hoffnung.

Tour mit Band geplant

Auch wenn die Produktion durchgehend digital ist, will er «Black City» live auf Tour mit einer Band aus Schlagzeuger, Bassisten, Trompeter und eben er selbst am Mikrofon (und wahrscheinlich auch am Rechner) präsentieren. Das spricht für seine Neugier und seine Weigerung, Routine beim Musikmachen aufkommen zu lassen und für sein Selbstverständnis als Musiker.

Black City ist Matthew Dears drittes Album auf dem kleinen Label Ghostly International, das er vor 10 Jahren selbst mitbegründet hat. Ziemlich modern ist, was er den Käufern der digitalen Mp3-Kopien bietet, denn haptisch haben diese immer ziemlich in die Röhre geschaut. Nun bekommen sie etwas zum Anfassen in die Hand: Ein von dem Künstlerpaar Constantin und Laurene Boym entworfener Totem, ein schwarzer Monolit wie ein Wolkenkratzer. Jeder der limitierten Klötze enthält einen individuellen Downloadcode mit Zugang zu vielerlei Bonusmaterial. 

(Felix Steinbild, Berlin/news.ch)

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