Angehört: Mo' Horizons - Coming Home
publiziert: Dienstag, 3. Jul 2012 / 16:30 Uhr

Das erfolgreiche deutsche Musiker-/Remixer-/Produzenten-Duo Mo' Horizons, das schon seit fast zwei Jahrzehnten mit NuJazz, Latinelectro, NuBossa und Funk experimentiert, hat nun ein persönliches Mixtape zusammengestellt: «Coming Home» reflektiert mit originalen Soul/Jazz/Funk-Stücken der 60er und 70er Jahre und darüberhinaus ihre eigene musikalische Geschichte und lässt die beiden in die Zukunft blicken.

«Als Stereo Deluxe uns fragte, ob wir die nächste Folge der «Coming Home»-Reihe zusammenstellen möchten, fühlten wir uns aus zwei Gründen besonders geehrt. Schliesslich bedeutet diese Compilation eine Rückkehr zu dem Label, das uns einst die Möglichkeit gab unsere ersten Platten zu veröffentlichen. Zum anderen mögen wir die Idee, eine Art persönliches Mixtape, das wir mit unserem Pubikum teilen können, aufzunehmen,» erklären Ralf Droesemeyer und Mark Wetzler alias Mo' Horizons. «So ging es uns hier nicht darum, hippe und coole Tracks zu suchen, sondern auch darum, unsere eigene Geschichte in eine neue musikalische Perspektive zu stellen.» So ging es uns hier nicht darum, hippe und coole Tracks zu suchen, sondern auch darum, unsere eigene Geschichte in eine neue musikalische Perspektive zu stellen.

Clay Hammond, die grosse Soul-Stimme der Südstaaten und einst in den Reihen der Gospel-Formation Mighty Clouds Of Joy, eröffnet «Coming Home» mit seiner raren Ronin-7inch «You Threw Out Your Lifeline». Betty Everett legt ihren von P.F. Sloan komponierten Popcorn-Dancer «Someday Soon» nach, der nahtlos in die zeitlosen Rhythmen von Mishal Moores «Oh Lord» übergeht, das Kenny Dope für das italienische Label D:Vision produzierte. Mo' Horizons «Yes Baby Yes» klingt in der hier vertretenen Originalversion von 1999 so frisch als ob es gerade veröffentlicht wurde. «'Yes Baby Yes' war ein Meilenstein für uns,» erinnern sich die beiden. «Es eröffnete unser Debüt-Album und brachte uns international auf den Weg.» Die Latin-Einflüsse waren deutlich hörbar, genau wie die klar strukturierten Beats und ein Ohr für authentische Sounds. So passt es perfekt, sich Omara Portuondo als nächste Künstlerin auszusuchen. Die Sängerin aus dem Buena Vista Social Club veröffentlichte ihr «Donde Estabas Tu» im Alter von siebzig Jahren, noch immer voll kubanischen Feuers.

 Die Sugarloaf Gangsters holen uns zurück in die Gegenwart. Ihr Mastermind Mark Robertson war mit Spiritual South auf Labels wie Afro Art und Raw Fusion unterwegs, sein G.A.M.M.-Release «Avant Le Jazz» ist ein für die Tanzfläche massgeschneiderter Electric Bossa. «Lover And A Friend» von Speedometers 2010er-Album «The Shakedown» auf Freestyle Records steuert würzigen, rauen Funk bei. Vierzig Jahre zuvor veröffentlichte Donny Hathaway sein legendäres Album "Everything Is Everything". Doch Wetzler suchte sich nicht «The Ghetto» aus, stattdessen fiel seine Wahl auf «Sugar Lee»: «Hier kommt alles zusammen Jazz, Funk, Gospel und Soul in perfekter Harmonie. Hathaways Fähigkeit, Spiritualität in einen amtlichen Groove zu übersetzen, ist atemberaubend.» Dieses Thema wird von Gregory Porter und Paul Weller aufgegriffen. Der für einen Grammy nominierte Porter hat mit "1960 What" einen modernen Jazzklassiker in spe geschaffen, während Wellers mit einem Brit Award ausgezeichnetes «Wild Wood" die Sechziger bis zu den Neunzigern umspannt und durch seine visionäre Fusion von Folk und Rock bereits als moderner Klassiker gilt.

 Nach der gemeinsamen Ankunft mit Paul Weller auf den britischen Inseln ist es die auf Duke Reids Label Treasure Isle veröffentlichte Phyllis Dillon, die mit ihrer Reggae-Version von "Perfidia" "Coming Home" nach Jamaika führt. Der französische Songwriter Jehro aus Marseille hat auch diesen karibischen Touch, reist aber mit "Why Me" auf dem Hippie-Trail weiter. "Why Me" bringt das Herz zum Tanzen, die Füsse folgen automatisch beim "Cowboy Bossa" der Mo' Horizons, den Fab Samperi in seinem Trademark-Style remixte. Die mit seinem Songwriter-Genie gekoppelte Bodenständigkeit von Mose Allison ist wie geschaffen für "Coming Home". "I'm Not Talking" erschien 1964 auf "A Word From Mose" und wurde als Post Bop klassifiziert. Den Bop fürs 21ste Jahrhundert liefert danach das Hidden Jazz Quartett aus Norddeutschland mit seinem superben Acid-Jazz-Revival "His Footlocker", veröffentlicht auf Mo' Horizons eigenem Label "Agogo Records" unter der Regie ihres Labelmitstreiters Ralf Zitzmann.

 Wenn dann Oscar Aleman, der argentinische König der Swinggitarre, mit seiner Version von »Besame Mucho« von 1943 eingreift wissen wir, das Mo' Horizons wahre Weltreisende in Sachen Musik sind - genauso wie Una Mas Trio, die als Labelfreunde bei Agogo Records ihren "Latin Brother" beisteuern. Der südenglische Beatschmied TM Juke spielt mit den Jack Baker Trio "That Gut Feeling" und hier sind sie wieder: Der Groove und der globale Vibe. Sir Mack Rice schiesslich hat die Ehre, diese «"Coming Home"-Session mit seiner 1964er Lu-Pine-Single "Baby I'm Coming Home" abzuschliessen. Sie ist nicht nur ein Favorit auf den Northern-Soul-Floors: "Der Song enthält alles: Soul, Rhythmus, Melodie, Leidenschaft und ein Gefühl, dass Du dort ankommst wo Du wirklich hingehörst," resümiert Droesemeyer. "Eben ein Gefühl, dass Du nach Hause kommst."

(fest/news.ch mit Agenturen)

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