Berliner Techno - nicht Techno
Angehört: Moderat - «III»
publiziert: Dienstag, 29. Mrz 2016 / 23:04 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 29. Mrz 2016 / 23:24 Uhr

Die Verweigerung, sich mit dem Vorhandenen abzufinden und die Leidenschaft, über bereits vorhandene Sounds und Styles hinauszugehen, verschweisst die drei Jungs von Moderat in einer jahrelangen Freundschaft. Wie kaum ein anderer Act verschmelzen sie elektronische Musik und Pop und sind so als «Supergroup» ein unverzichtbarer Teil des Festivalbetriebs. Ihre dritte CD-Veröffentlichung zeigt die «Laptop Boygroup» nun als echte Band.

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Man kann sie als «Supergroup» bezeichnen, doch für Moderat selbst ist es der «Gruppenaspekt», der die Sache für sie interessant macht. Gernot Bronsert, Sebastian Szary (aka Modeselektor) und Sascha Ring (aka Apparat) arbeiten schon fast so lange als Trio zusammen, wie ihre beiden eigenen Projekte bestehen. Es begann 2003 als «Laptop- Boygroup» (wie Sascha scherzhaft anmerkt) mit synchronisierten Computern und einer Software, die Sascha selbst entwickelt hatte - denn damals «gab es noch keine Live-Performance-Software». Sascha erklärt, dass Moderat "nicht wirklich als Studioprojekt geplant" war, und Gernot bestätigt: «Es ging uns einfach nur um den Spass». Das erklärt vielleicht die sechsjährige Pause, die auf die erste EP folgte, bevor Moderat 2009 mit dem gleichnamigen Debütalbum zurückkehrte. Mit dem erklärten Ziel, einen Kontrast zu ihren eigenen Projekten zu schaffen, starteten die Musiker eine Trilogie, die sich auf dem zweiten Album (mit dem bezeichnenden Titel II) entfaltete und nun mit III ihren Höhepunkt erreicht. Während mit I die Verbindung von zwei eigenständigen Projekten begann, rückte II die Mitglieder deutlich näher zusammen, und auf III klingt Moderat schliesslich wie eine Band.

Szary und Sascha sind sich einig, dass Moderat schrittweise das Produzieren von Tracks gegen ein traditionelleres Komponieren von Songs eingetauscht hat - ein Prozess, der sich vor allem auf III vollzieht. Das ist auch der Grund, warum der Gesang zunehmend in den Vordergrund tritt. Meist hört man Sascha singen, doch wer bei «Ghostmother» die Ohren spitzt, hört Gernot und Szary im Hintergrund. Indem die drei ihre Komfortzone verliessen, konnten sie ihr ganz eigenes Zusammenspiel aus Pop und entwickeln.

«Stell dir vor, du sitzt im Kino und siehst einen Film mit einem unglaublichen Soundtrack», beschreibt Szary die Idee hinter Moderat. Das gilt für die Band im Allgemeinen, aber besonders für III, wo dynamische Sounds und bildhafte Texte wie «the calming scent of lavender fills the air» oder «burning bridges light my way» einen tiefgründigen emotionalen Sog erzeugen. Man fragt sich, ob die Musiker ihre Zuhörer wie ein John Williams oder Hans Zimmer mit einem klassischen Orchester manipulieren wollen - denn herausragend ist in jedem Fall, wie Moderat mit elektronischen Mitteln für solch orchestrale Vielfalt sorgen. Sie modernisieren die Songwriting-Tradition mit einer faszinierenden Palette aus Können und hingebungsvoller Perfektion, geprägt durch ihre «Erfahrung mit Sounds aus fast 25 Jahren Sub- und Clubkultur».

Man darf nicht vergessen, dass die Drei durch Berlins mittlerweile legendäre Rave-Szene zueinanderfanden. Auf dieser gemeinsamen Basis steht III für Pop im modernsten Sinne - ein Erfolg, den die Musiker gemeinsam erreicht haben. «Das neue Album basiert zum ersten Mal nicht auf Jams», erklärt Gernot. «Wir gingen ins Studio und wussten genau, was wir tun werden.» Zu hören ist das an den komplexen Themen, die musikalisch erforscht werden. So reflektiert «Ghostmother» über inneren Frieden, Akzeptanz, Furcht vor dem Unbekannten und wie die Konfrontation mit dieser Furcht oft etwas gar nicht so Furchtbares zutage fördert. In «Running» geht es darum, Teil einer Masse zu sein, die sich ständig bewegen muss, um zu funktionieren, wobei sie die Richtung nicht selbst bestimmen kann. «Burning bridges light my way» singt Sascha in «Reminder», der ersten Single des Albums. Statt anderen die Schuld zu geben, sollten wir akzeptieren, das wir Teil des Problems sind und die Dinge selbst anders machen. Die Flammen weisen den Weg zu etwas besseren. WIch glaube, unsere Musik ist reifer geworden«, merkt Gernot bescheiden an. Wir sagen: auf Moderat III hört man eine Band auf dem Höhepunkt ihres Schaffens.

(fest/news.ch mit Agenturen)

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