Angehört: «The Real Sound Of Chicago» / «Disco Love»
publiziert: Freitag, 29. Jan 2010 / 12:10 Uhr / aktualisiert: Freitag, 29. Jan 2010 / 17:56 Uhr

Disco is Back! Der heisseste Trend dieser Tage auf den Tanzflächen der Clubs ist Disco-Musik der 70er und 80er Jahre. Und da noch soviele sehr gute Platten unentdeckt und ungehört sind, hat das Londoner Label BBE gleich zwei Zusammenstellungen mit unbekannten Disco-Aufnahmen herausgebracht: «The Real Sound of Chicago» und «Disco Love» by Al Kent.

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Peabody Records
Real Sound of Chicago mix 1 (mp3, 30 mb)
www.bbemusic.com/media/Peabody_Records_mix_1.mp3

Peabody Records
Real Sound of Chicago mix 2 (mp3, 30 mb)
www.bbemusic.com/media/Peabody_Records_mix_2.mp3

The Real Sound Of Chicago
Reinhören, Infos, Tracklist.
The Real Sound Of Chicago

Barely Breakin' Even
Das Londoner Label BBE ist spezialisiert auf die Wiederveröffentlichung von Funk und Soul Musik, produziert aber auch Hip Hop.
BBE

Besucht man derzeit einen Club, der musikalisch etwas auf sich hält, bekommt man dort garantiert keinen Minimal-House mehr zu hören, obwohl diese Musik in den letzten Jahren so präsent war oder vielleicht auch gerade deswegen. Dieser reduzierte, zurückhaltende, sehr fein produzierte Sound war für die Entwicklung der elektronischen Musik extrem wichtig, aber nun wird wieder gefeiert: Die DJs wühlen in alten Kisten und holen House-Classics der 90er-Jahre wieder hervor oder eben Disco-Platten.

Erfindung des Mixes

Ausgangspunkt der Disco-Bewegung war 1969 nach den Stonewall-Riots der Schwulen und Lesben in New York die Aufhebung des Tanzverbots für gleichgeschlechtliche Paare. Daraufhin entwickelte sich eine sehr vitale Club-Szene, in der sich ab 1975 der Disco-Sound aus Soul-, Funk- und Latinomusik als eigenständiger Sound heraus entwickelte. Die Maxi-Single und der Mix wurden erfunden, der DJ bekam langsam die Bedeutung, die er heute hat.

Zu dieser Zeit wurden auch die Grundlagen für die Produktion von moderner Clubmusik gelegt, die heute wieder sehr geschätzt werden, denn so aufwändig analog kann heute kaum noch jemand produzieren. Vor allen Dingen nicht in der Masse, in der damals Aufnahmen entstanden.

Tod der Disco-Musik

Obwohl sich Disco-Musik ab Mitte der 70er-Jahre zu einem Massenphänomen entwickelt hatte, wurde sie das Image der «Gay-Music» nicht los, zumal sich das kreative Potenzial der Bewegung aus der Black- und Latino-Schwulenszene rekrutierte. Dies führte auch quasi zum Tod der Disco-Musik: Einerseits durch eine aggressiv geführte, rassistische und schwulenfeindliche Kampagne weisser Rockradios in den USA, an dessen Ende sogar der Begriff «Disco» als Musikgenre verschwinden und zu «Dance» werden musste. Andererseits durch das Anfang der Achtziger Jahre grassierende Aids-Virus, das tragischerweise eine ganze Generation der kreativen Protagonisten der Discoszene dahinraffte.

Nichtsdestotrotz bleibt ein riesiges Programm aus den Goldenen Disco-Zeiten aufzuarbeiten, Platten, die nur in Kleinstauflage erschienen sind und nur von einigen DJs eine Zeit lang in Diskotheken gespielt und dadurch nur einer kleinen Szene bekannt wurden.

The Roots of House Music

BBE überlässt diese Recherche fundierten Kennern und DJs von Disco-Platten. «The Real Sound Of Chicago» haben die Macher des chicagoer Plattenlabels «Mr. Peabody Records» zusammengestellt, die dort auch einen Laden für Second-Hand-Platten betreiben und seit Jahren die Disco Affinicados weltweit mit raren Scheiben versorgen.

Sie beschränken sich bei ihrer Auswahl vornehmlich auf Produktionen aus dem Raum Chicago, so darf man diese Stücke getrost als «Roots Of House Music» bezeichnen. Alles seinerzeit erfolglose Künstler aus unterschiedlichsten Gründen, ist die Musik doch aus heutiger Sicht einfach nur gut und wäre zu schade, um nur als Sample-Datenbank für aktuellen elektronische Produktionen zu dienen (was sie aber auch sicher tuen).

Disco-bessesener Schotte

«Disco Love» wurde vom Disco-verrückten schottischen Sammler Al Kent zusammengestellt. Der Schotte ist seit vielen Jahren ein besessener Sammler von Disco Maxi-Singles und bringt diese Perlen als Dj unter die Leute. In 2005 schuf er das Projekt «Million Dollar Orchestra», in dem er 20 Session-Musiker zusammenstellte, die die Musik einspielten, die er so liebt: Disco.

Den Produzenten in ihm hört man der Zusammenstellung «Disco Love» an allen Ecken und Enden an: Die Stücke klingen, obwohl ultra-rar und von unterschiedlichsten Labels, wie aus einem Guss. Dazu haben haben alle Tracks eine bestechende musikalische Qualität, ultra-funky «down to the ground», sexy und hypnotisch, so dass man auf der Stelle anfangen möchte zu tanzen.

 

(Felix Steinbild, Berlin/news.ch)

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