Angehört: Till Brönner - «The Movie Album»
publiziert: Dienstag, 14. Okt 2014 / 19:51 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 14. Okt 2014 / 20:54 Uhr

Der deutsche Trompeter Till Brönner ist ja bekannt für besonders seichten Jazzsound und seine Ausflüge in kommerzielle Popwelten. Nun setzt er dem Ganzen mit seinem neuen Album die Krone auf: «The Movie Album» entführt den Zuhörer in ein rosafarbenes Traumland, das man wohl sieht, wenn man sich mit Opiaten sediert. Obwohl, der Drogen-Trip ist sicher besser.

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«Wenn man an die grossen Augenblicke der Filmgeschichte denkt, sind es meist Szenen ohne Dialog, die besonders im Gedächtnis haften bleiben», sagte Meisterregisseur Stanley Kubrick einmal, um es dann auf den Punkt zu bringen: «Die magischste Kraft entfalten Filme immer dann, wenn die Bilder mit Musik unterlegt werden. Das sind die Kinomomente, die man nie vergisst!» Genau um diese Momente geht es Till Brönner auf «The Movie Album». Denn letztendlich muss ihm mit einem Album das Gleiche gelingen wie einem Filmregisseur: das Publikum emotional zu erobern. Und dafür hat Universal seinem Umsatzgarant sogar das Deutsche Symphonie Orchester Berlin spendiert. Und das bekommt beileibe nicht jeder!

Mit einer abwechslungsreichen Sammlung bekannter alter wie neuerer Filmsongs, mal instrumental, mal vokal, nimmt er den Hörer mit auf eine Reise vom Beginn des abendfüllenden Tonfilms bis zum heutigen Blockbuster-Kino.

Mit «The Movie Album» hat Brönner sich selbst einen langgehegten Traum erfüllt: «Wir alle sind mit Filmen aufgewachsen, die uns im Kopf geblieben sind. Ich bin zwar kein wandelndes Filmlexikon, doch ich glaube, dass spezielle Filmmomente auch mich und meine Musik immer mitgeprägt haben».

Mit amerikanischen Spitzenmusikern wie Mitch Forman, Chuck Loeb und Vinnie Colaiuta, allesamt nicht nur auf Pop- und Jazz-Alben, sondern auch in zahllosen Filmmusiken zu hören, hat Brönner sich jetzt direkt in die «Höhle des Löwen» gewagt, die Traumfabrik L.A., ins legendäre Eastwest Studio auf dem Sunset Boulevard, wo nicht nur berühmte Filmkomponisten und Riesenorchester Hollywoodfilme vertont haben, sondern auch Frank Sinatra «My Way» und «New York, New York» aufnahm und von den Beach Boys bis zu aktuellen Pop-Stars sich die Prominenz die Klinke in die Hand gab und gibt.

Till Brönners Auswahl: Von orchestral-schwelgerischen Melodien bis hin zu groovenden Ohrwürmern reicht die Bandbreite. Seine Interpretation der wehmütigen Titelmusik zu «Cinema Paradiso» (1988) muss sich auch vor der Originalaufnahme ihres Schöpfers Ennio Morricone, für Brönner «der beste Filmkomponist aller Zeiten», nicht verstecken.

Wie auf seinen Alben «Oceana» und «Rio» hat Till Brönner auch diesmal wieder hochkarätige Gastsänger und -sängerinnen ins Studio geladen, die seine Interpretationen stimmlich veredeln. Allen voran Gregory Porter, der den Klassiker «Stand By Me» von 1961, der dank des gleichnamigen Filmes aus dem Jahre 1986 ein weltweites Revival feierte, mit viel Seele und Resonanz interpretiert und sich einige schöne «Dialoge» mit Brönners Trompete leistet.

Für Sängerin Joy Denalane reservierte Brönner eine besondere Perle, den vielleicht berühmtesten Piano-Song der Filmhistorie: «As Time Goes By» aus «Casablanca» (1942), die Erkennungsmelodie der Leinwandliebe zwischen Humphrey Bogart und Ingrid Bergman. Brönner und Denalane verleihen ihr mit dieser neuen Aufnahme eine ganz eigene Note. «Man darf keine Angst vor berühmten Melodien haben», meint Brönner. «Ich hätte diese Aufnahme nicht veröffentlicht, wenn ich nicht das Gefühl gehabt hätte, dass so etwas nach mir klingen kann, unabhängig davon, wie tausendfach das Stück schon von anderen interpretiert wurde.»

Die junge amerikanische Singer-Songwriterin Lizzy Cuesta, Tochter des Album-Co-Produzenten Chuck Loeb, singt Henry Mancinis Welthit «Moon River» aus «Breakfast at Tiffany's» (1961). Dabei imitiert sie an keiner Stelle die unvergessliche Audrey Hepburn, sondern verleiht der Aufnahme einen zarten, zeitgemässen Touch. Der vierte Vokalist des Albums ist Till Brönner selbst, auf «Raindrops Keep Falling On My Head» aus dem Robert-Redford/Paul-Newman-Klassiker «Butch Cassidy and the Sundance Kid» (1969). Der swingende Ohrwurm aus der Feder Burt Bacharachs, mit einer «kleinen Träne im Knopfloch», liegt Till Brönner: «Das ist ein Territorium, eine Temperatur, die meinem Seelenleben ganz gut entspricht.» Aber trotzdem: «Auch wenn es so klingen mag, das ist musikalisch beileibe kein leichtes Stück. Ich habe einigermassen lange daran sitzen müssen, es vokal zu bewerkstelligen.»

Sein Instrument Trompete setzt der Pop-Professor, der seit 2010 an der Hochschule Carl Maria von Weber in Dresden in den Fachrichtungen Jazz und Rock lehrt, auf «The Movie Album» oft unerwartet ein: In seiner Version des Hit-Songs aus dem Film «Titanic», «My Heart Will Go On», ersetzt sie quasi die Stimme von Sängerin Céline Dion und holt aus der oft gehörten Melodie Tiefe und Nuancen hervor. In «Forbidden Colours», aus dem Film «Merry Christmas, Mr. Lawrence» (1983) von Skandalregisseur Nagisa Oshima, erklingt sie so minimalistisch, wie es sich Komponist und Hauptdarsteller Ryiuchi Sakamoto nur wünschen kann. Purer Spass ist hingegen Brönners Instrumentalversion von Pharrell Williams? letztjährigem Chart-Stürmer «Happy» aus dem Animationsfilm «Despicable Me 2». «Das ist ein Song, der sogar den Film überstrahlt aus dem er stammt, weil der Hit noch grösser wurde als der Film selbst», sagt Brönner. «Wir hatten einfach Lust, uns daran zu versuchen. Alles andere war schon im Kasten, da kam uns diese Idee. Über das Ergebnis bin ich ziemlich ... happy!»

(fest/news.ch mit Agenturen)

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