Angeklagter ringt sich Entschuldigung ab
publiziert: Mittwoch, 26. Okt 2005 / 09:22 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 26. Okt 2005 / 17:22 Uhr

Zürich - Im Prozess um die Tötung eines Skyguide-Fluglotsen vor dem Zürcher Obergericht hat sich der Angeklagte bei der Familie des Opfers entschuldigt.

Der Angeklagte Witali Kalojew leide an einer andauernden Persönlichkeitsstörung.
Der Angeklagte Witali Kalojew leide an einer andauernden Persönlichkeitsstörung.
5 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

skyguide
Absturz von Überlingen bei skyguide.
www.skyguide.ch/de/Dossiers/DossierUeberlingen/

BFU
Untersuchungsbericht der BFU zu Überlingen im Mai 2004. (pdf, 3,5 Mb)
www.bfu-web.de/berichte/02_ax001dfr.pdf

UVEK
Dossier Flugzeugkollision über Süddeutschland.
www.uvek.admin.ch/verkehr/div/00262/index.html?lang=de

Für die Tat fordert die Anklage 12 Jahre Zuchthaus, die Verteidigung 3 Jahre Gefängnis.In seinem Schlusswort bat der 49-jährige Russe die Angehörigen des Fluglotsen um Entschuldigung für seine Tat. Er tue dies, weil die drei Kinder des Getöteten ihm leid täten, sagte er, und obwohl es ihm ausserordentlich schwer falle.

Staatsanwalt Ulrich Weder beantragte eine Qualifizierung der Tat als vorsätzliche Tötung und deren Bestrafung mit 12 Jahren Zuchthaus. Ein direkter Tötungsvorsatz sei klar gegeben. Vieles spreche gar für eine Planung von mehreren Monaten. Dies sei aber nicht nachweisbar.

Anklage: «brutal und grausam niedergemetzelt»

Die Tat vom 24. Februar 2004 in Kloten sei «von blankem Hass getragen» gewesen. Der Angeklagte habe kaltblütig, entschlossen und konsequent sein Vorhaben ausgeführt. Er habe den wehrlosen 36-jährigen Fluglotsen brutal und grausam niedergemetzelt, der seiner Ansicht nach für den Flugzeug-Crash verantwortlich war.

Verteidiger Markus Hug dagegen sprach von einem klassischen Fall von Totschlag: Sein Mandant habe in einer entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung und in schwerer seelischer Bedrängnis gehandelt. Von einer Planung könne keine Rede sein.

Verteidigung: «emotioneller Vulkanausbruch»

Für eine Handlung im Affekt spreche gerade auch deren brutale Ausführung. Der Angeklagte hatte sein Gegenüber auf dessen Gartensitzplatz mit zahlreichen Messerstichen und -schnitten getötet. Das sei eben kein kaltes, geplantes Vorgehen gewesen, sondern ein «emotioneller Vulkanausbruch».

Gemäss psychiatrischem Gutachten leidet der Mann seit dem Flugzeugunglück von Überlingen am 1. Juli 2002, bei dem er seine Frau und beide Kinder verlor, an einer andauernden Persönlichkeitsstörung. Er habe eine einseitige und verzerrte Wahrnehmung.

(fest/sda)

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