Angela Merkel als Brückenbauerin am Bosporus
publiziert: Samstag, 7. Okt 2006 / 22:40 Uhr

Istanbul - Dass sie es mal auf ein Plakat der islamischen türkischen Regierungspartei AKP schaffen würde, hätte Angela Merkel wohl nicht gedacht.

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Doch am Donnerstagabend ist es soweit: Ein überlebensgrosses Porträt der Kanzlerin auf der einen, das Konterfei des türkischen Regierungschefs und AKP-Vorsitzenden Tayyip Erdogan auf der anderen Seite, prangt das Plakat meterhoch über den mehr als tausend Gästen, die sich in Istanbul zum Fastenbrechen versammelt haben.

Zwischen den Porträts drapiert sind die Nationalflaggen und - als Verbindungsglied - die Europafahne. Als reiche dieser symbolgeladene Saalschmuck nicht aus, um den deutschen Gast das Anliegen zu vermitteln, spielt die Saalregie nach jeder Rede die pathetisch intonierte Europahymne ein.

Die Botschaft ist mehr als deutlich: Hier am Bosporus, der Nahtstelle zwischen Europa und Asien, will die türkische Regierung ihren Anspruch auf Mitgliedschaft in der EU untermauern.

«Beitrag für den Frieden»

Und Erdogan findet klare Worte. Eine EU-Mitgliedschaft werde Europa voran bringen, wie es der Beitritt des islamisch geprägten Landes zur NATO bereits getan habe. Mehr noch: «Er ist ein Beitrag für den Frieden in der Welt und ein Zeichen an die Welt, dass religiöse Unterschiede mit universell geltenden Werten vereinbar sind», ruft er in die Menge.

Mehr als den Weltfrieden und das Weltgewissen als Zeugen aufzurufen, geht auch in der Türkei nicht. Mutige Worte eines Wahlkämpfers angesichts einer auch in der Türkei um sich greifenden Europa-Müdigkeit. Weniger als die Hälfte der Türken sprechen sich in Umfragen für den EU-Eintritt aus.

Vage Aussagen

Der EU-Beitritt und das aktuell drängendste Problem, der Streit um die Öffnung der türkischen See- und Flughäfen für alle EU-Staaten und damit auch für das EU-Mitglied Zypern, bestimmt den Antrittsbesuch der Kanzlerin in der Türkei. Dabei bleibt Merkel im vagen.

Die Brücke zum Islam will auch sie durch enge Beziehungen mit der Türkei schlagen. «Wir sind dabei, die Brücken zueinander noch breiter zu machen», sagt sie einmal oder «Deutschland hat ein Interesse an einer Annäherung der Türkei an die EU.»

Merkel untermauert ihren Willen zu engen Beziehungen, sie bringt eine Wirtschaftsdelegation mit, spricht mit Religionsvertretern und macht sich für eine deutsch-türkische Universität stark. In der Beitrittsfrage wird Merkel aus gutem Grund nicht deutlich.

Ein Spagat

Sie muss in dieser zentralen Frage den Spagat üben: Dem beitrittsbefürwortenden SPD-Regierungspartner hat sie im Koalitionsvertrag Kontinuität zugesagt, in den eigenen Reihen murren die Beitrittsgegner mit jeder Bekräftigung der Kanzlerin, fair über einen Beitritt zu sprechen.

Den Streit um Zypern will sie, anders als mancher Parteifreund, nicht als willkommenen Anlass nehmen, die Verhandlungen an die Wand fahren zu lassen. Bei einer Bootsfahrt mit Erdogan auf den Bosporus können am Abend beide die Brücke sehen, die in der Zwölf-Millionen-Metropole die Kontinente verbindet.

«Für die Türkei ist es noch ein langer Weg in die EU», konstatiert die Kanzlerin am Freitag. Ob sie etwas Konkretes im Zypern-Streit bewegen konnte? «Vielleicht gibt es ja eine gute Entwicklung», sagt sie sibyllinisch und verweist auf lange Gespräche mit Erdogan.

(von Thomas Krumenacker, Reuters/sda)

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