Anglikanische Kirche wählt Frau an ihre Spitze
publiziert: Montag, 19. Jun 2006 / 13:07 Uhr

Chicago - Nach langem Widerstand des konservativen Flügels hat die anglikanische Episkopalkirche in den USA erstmals eine Frau an ihre Spitze gewählt.

Katharine Jefferts Schori kämpft seit langem für die Rechte der Frauen in der Kirche.
Katharine Jefferts Schori kämpft seit langem für die Rechte der Frauen in der Kirche.
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Wie die Kirche mitteilte, tritt Katharine Jefferts Schori, Bischöfin der Diözese Nevada, die Nachfolge von Primas Frank Griswold an.

Nach fünf Wahlrunden konnte sie sich auf einer Bischofsversammlung in Columbus im Bundesstaat Ohio gegen ihre sechs männlichen Mitbewerber durchsetzen.

Griswold bezeichnete Jefferts Schoris Wahl als «Frucht» des jahrelangen verdienstvollen Einsatzes der Frauen auf allen Stufen der Kirchenhierarchie.

Zutiefst geehrt

Vertreter des konservativen Flügels kritisierten hingegen die «Missachtung» der Empfindlichkeiten innerhalb der Glaubensgemeinschaft.

Sie fühle sich zutiefst geehrt, sagte Jefferts Schori in einer ersten kurzen Reaktion nach ihrer Wahl. Der scheidende Primas Griswold würdigte die Intelligenz, den Geist und das Einfühlungsvermögen seiner Nachfolgerin.

Die Episcopal Church zählt nach eigenen Angaben 2,3 Millionen Gläubige. Ihr wird nun neun Jahre lang eine Frau vorstehen und damit die künftige Politik und Strategie massgeblich beeinflussen.

Durchbruch

Dies ist ein bedeutender Durchbruch: In den meisten nationalen Kirchen der anglikanischen Weltgemeinschaft gibt es nicht einmal Bischöfinnen. Die Kirche von England als anglikanische Mutterkirche will die Weihe von Bischöfinnen frühestens ab 2012 zulassen.

Jefferts Schori hat einen Doktor in Ozeanografie und spricht fliessend spanisch. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter, die als Offizierin bei der US-Luftwaffe dient.

Die 52-Jährige gehört der liberalen Mehrheit der Episkopalkirche an: So hatte sie sich 2003 für die Ordinierung von Gene Robinson als ersten bekennenden Homosexuellen zum Bischof eingesetzt und hat auch nichts dagegen, gleichgeschlechtlichen Partnerschaften den kirchlichen Segen zu erteilen.

(rr/sda)

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