Angriff auf die letzte Meile
publiziert: Donnerstag, 14. Aug 2008 / 11:59 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 14. Aug 2008 / 12:23 Uhr

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Soeben hat St. Gallen nach einem erfolgreichen Pilotversuch den Entschluss gefasst, selbst ein Glasfasernetz in alle Haushalte der Stadt zu verlegen. Sollte das Volk dem Projekt zustimmen, werden nächstes Jahr die ersten Haushalte an die Faser kommen. Dies wäre nach Zürich die zweite Stadt der Schweiz, die findet, dass der Zugang zu Daten, genau wie der zu Strom und Wasser, ein Teil der Infrastruktur sein soll.

Diese Vorgehensweise steht im krassen Widerspruch zu den Plänen der Swisscom, die selbst ein Glasfasernetz verlegen und auch den Konkurrenten anbieten will, wobei der einstige Monopolist darauf besteht, dass seine Pläne eben NICHT zu einem Monopol führen würden, da 4 Fasern verlegt würden und erst am Ende der Leitung – im Haus drin – der Konkurrenzkampf stattfinden werde.

Die Sache ist einfach die, dass der Swisscom niemand mehr so richtig traut, wenn es um letzte Meilen und den fairen Zugang zu diesen geht. Jahrelanges Hickhack, im Vergleich zum Ausland immer noch sehr hohe Preise für Telefon- und Daten-Dienstleistungen und eine immer noch mangelhafte Transparenz, kosteten und kosten der Swisscom viel Goodwill in der Schweizer Öffentlichkeit. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Ankündigung dieser «offenen» Glasfaser-Infrastruktur durch Swisscom-Boss Schloter von den Konkurrenten mit gelinde gesagt erheblicher Skepsis aufgenommen wurde.

Konkurrenten wie die Sunrise fordern unter anderem, dass ein neues Glasfasernetz von einer externen Agentur betrieben und allen Bewerbern zu den gleichen Bedingungen zur Verfügung gestellt würde. Die Einwände der Swisscom gegen eine solche Lösung sind fadenscheinig: Es würden so die Technologie-Entscheide durch staatliche Vorgaben definiert. Dass ein solches Netz aber nur nach Rücksprache mit den Telekom-Anbietern erstellt und deshalb sicher deren Anforderungen entsprechen würde, dürfte ja wohl klar sein.

In der heutigen Zeit ist die IT-Infrastruktur von extremer Wichtigkeit für eine Volkswirtschaft. Der ungehinderte Austausch grosser Datenmengen zu konkurrenzfähigen Preisen kann nur sichergestellt werden, wenn sowohl die Infrastruktur, wie auch ein Konkurrenzkampf zwischen verschiedenen Anbietern vorhanden ist. Die Swisscom hat einen solchen Wettbewerb lange genug verhindert und ihre dominante Marktstellung ist nicht zuletzt darauf zurück zu führen, dass sie mit dem Geld, das sie auf der letzten Meile an den Konkurrenten verdient, eigene Produkte subventionieren kann.

Zu behaupten, dass eine staatlich erstellte Infrastruktur nichts bringe, ist nur Propaganda gegen einen lange fälligen Wandel, der allen Konsumenten – vom Endverbraucher bis zum Grossunternehmen – Ersparnisse und Wahlfreiheit zwischen den Marktteilnehmern brächte.

Wenn nun immer mehr Städte und Gemeinden solche Projekte anschieben werden, steht die Swisscom auf einmal vor vollendeten Tatsachen und müsste sich dann wirklich anstrengen, um ihre Dominanz zu wahren.

Und wer sich wundert, was ein freier Telekom-Markt bedeutet, kann ja schnell mal über die Grenze nach Österreich schauen, wo Pakete aus Kabel-TV, Festnetz-Telefonie, 8000 Mbit/s Internet und Mobil-Telefonie schon für 40€ pro Monat zu haben sind – bei der Swisscom kostet alleine das Internet fast soviel... Der Angriff auf die letzte Meile ist schon längst fällig – schön, dass er jetzt stattfindet.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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